Amazon verklagt junge Schweizer Firma

Der weltgrösste Online-Detailhändler Amazon hat es auf das Zürcher Start-up Amazee abgesehen. Die junge Internetfirma soll den Namen ändern – wegen angeblicher Verwechslungsgefahr.

David gegen Goliath: Amazon will den Namen des Schweizer Jungunternehmens Amazee verbieten.

David gegen Goliath: Amazon will den Namen des Schweizer Jungunternehmens Amazee verbieten.

Schweizer Jungunternehmen sind Spitze in Europa. Sie stellen laut dem amerikanischen Magazin «Red Herring» 14 der 100 vielversprechendsten europäischen Start-ups. Neben den Grossen bestehen zu können, ist jedoch nicht immer einfach. Das muss das Zürcher Jungunternehmen Amazee zurzeit erfahren. Die Internetfirma mit sieben Angestellten bietet eine Online-Plattform für gesellschaftliche Zusammenarbeit an und wird von der Innovationsförderagentur des Bundes (KTI) unterstützt: Der weltweit grösste Online-Detailhändler Amazon zieht vor Gericht, um den Namen Amazee zum Verschwinden zu bringen.

«Ähnlicher phonetischer Gesamteindruck»

Grund: Konsumenten könnten die Marken Amazon und Amazee verwechseln. «Die Wortelemente Amazon und Amazee sind ähnlich. Der identische Wortstamm ‹Amaz›, der ein sehr ungewöhnlicher Anfang für ein Wort darstellt, schafft einen sehr ähnlichen phonetischen Gesamteindruck», schreibt der Rechtsvertreter des US-Online-Händlers in einem Brief, der Tagesanzeiger.ch/Newsnetz vorliegt. Zudem biete Amazee wie Amazon Internet-Dienstleistungen an. Mit der Klage will Amazon zwei Ziele erreichen. Einerseits soll verhindert werden, dass die Marke der Zürcher Jungfirma in den USA eingetragen wird, andererseits soll der Name Amazee in der Schweiz gelöscht werden. Amazon konnte bislang nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Amazee-Chef Gregory Gerhardt kann das Vorgehen von Amazon nicht nachvollziehen. «Wir haben zu keinem Zeitpunkt geplant, geschäftlich in den E-Commerce-Markt zu expandieren, den Amazon bedient», sagt er auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Amazee habe versucht, den Streit aussergerichtlich zu lösen, doch die US-Firma sei daran offensichtlich nicht interessiert. Gerhardt sieht auch keine Gefahr, dass die beiden Marken verwechselt würden: Amazee kommt laut dem 32-Jährigen Juristen vom englischen «amazing», Amazon habe seinen Namen jedoch vom Fluss Amazonas. Zudem habe seine Firma auch nicht den Bekanntheitsgrad, um mit dem US-Online-Detailhändler verwechselt zu werden.

Kompliment oder Gefahr?

«Eigentlich sollten wir es als Kompliment auffassen, dass Amazon unsere kleine Firma für gefährlich genug erachtet, um gegen uns vorzugehen», sagt er. Für das junge Start-up ist der Streit mit dem Goliath Amazon aber unbequem: «Das Verfahren bindet die beschränkten Ressourcen der Firma. Es können enorme Gerichtskosten entstehen, die Amazon uns auflasten kann». Trotzdem bleibt er optimistisch: Die Existenz des Unternehmens sei nicht gefährdet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 21.04.2009, 10:10 Uhr

23 KOMMENTARE

Peter Hofer

22.04.2009, 18:02 Uhr

Der Mist ist geführt! Die Marke wurde 2007 registriert und die Einsprachefrist ist längstens abgelaufen. Nur nicht einschüchtern lassen! Ich spreche aus eigener Erfahrung. Es gibt immer wieder "Leute" die solche Spielchen probieren.


Lukas Schuler

21.04.2009, 16:28 Uhr

Ich weiss, dass das Vorgehen markenrechtlich üblich ist. Marken sind klassendefiniert. Wenn Amazee die Eintragung so reduziert, dass ihre Klasse Amazon nicht mehr tangiert, läuft die Sache auf einen Vergleich hinaus ohne Prozess. Es ist gar nix verloren. Bietet denen die Stirn!


Sibylle Weiss

21.04.2009, 14:44 Uhr

So weit ich weiss, ist es zumindest in der CH so üblich,dass nicht 2 Firmen in derselben Stadt mit gleichem Namen eröffnet werden dürfen.Dies dient u.a. zum Schutz der erstgegründeten Firma (Firmenschutz);dies bedeutet,dass bei einem Rechtsstreit diejenige Firma,welche unter 1.Namen auftaucht einen Schutz geniesst,wo hingegen die Zweitfirma unter gleichem Namen keinen Schutz kriegt u.leer ausgeht


rolf huber

21.04.2009, 13:47 Uhr

Forza Amazee! Die habe ja nun wirklich gar nichts mit der Geschäftstätigkeit von Amazon am Hut. Ähnlich tönen tut`s auch nicht, die Aussprache und Betonung ist nämlich unterschiedlich: Amazing [uh-mey-zing] und Amazon [am-uh-zon]


Bruno Maier

21.04.2009, 12:53 Uhr

...und was ist mit amazone.de ?? ist das nicht noch ähnlicher ?


Karl Klingler

21.04.2009, 12:53 Uhr

Ich würde den jungen Leuten mal freundlich unterstellen, dass sie es bewusst darauf ankommen lassen haben und sich jetzt ob der Gratis-PR ins Fäustchen lachen. Die Botschaft dieser Nachricht ist nicht dieser beknackte Brand (der ist schnell geändert), sondern dass es in Zürich eine Firma gibt, die eine "Online-Plattform für gesellschaftliche Zusammenarbeit" in Angebot hat. So läuft das.


Christian Zweidler

21.04.2009, 12:29 Uhr

das einizige was AMAZEE tun sollt ist amzon für diese super Werbung Danke sagen :-)


Claire Treber

21.04.2009, 12:23 Uhr

Da müssen einige der Kommentierenden aufpassen: Bei einer solchen Klage geht es nicht darum wer welchen Namen woher hat, sondern einzig darum, dass sich die beiden Namen zum Verwechseln ähnlich sind. Und - Sympathien für das Start-Up Unternehmen hin oder her - diese Gefahr ist sehr naheliegend.


Heinz Gfeller

21.04.2009, 12:21 Uhr

Gibt es denn in der Schweiz niemand, der junge Unternehmen bezüglich Firmenrecht berät? Vor wenigen Monaten hatte schon die Firma Rossi aus Zürich ein ebensolches Problem. Offensichtlich werden solche Risiken in der Schweiz unterschätzt. Ich wünsche Amazee indes weiterhin viel Erfolg und hoffe, dass sie einen allfälligen Rechtsstreit gewinnen wird.


Hirto Pintoduro

21.04.2009, 12:18 Uhr

Nun moechte doch mal die Frage aufwerfen, warum eigentlich ein so aehnlicher Name? Schaut man auf der Hompage von dem "cleveren" Jungunternehmen mal nach, frag ich mich was denn diese vom KTI gefoerderte Geschaeftsidee sein soll. Eine Auflistung von Projekten mit dem Aufruf zu spenden? Also doch absichtlich ein aehnlicher Name? Na wenn man mit so einer Geschaeftsidee gefoerdert wird.... clever


Isabel Wirth

21.04.2009, 11:48 Uhr

Namensklau? Na, Amazon sollte mal vorsichtig sein, dass die es eines Tages nicht mit einer echten Amazone zu tun haben! Denn wie kommt ein amerikanischer Online-Allesanbieter dazu, sich den Namen einer antiken Kriegersfrau anzueignen? Das finde ich dann gar nicht «amazeeng»! Aber einige Kommentatoren scheinen von Amazonen auch nichts zu wissen und tappen in die Argumentationsfalle der US-Anwälte…


Martin Keller

21.04.2009, 11:19 Uhr

Absolut lächerlich was da Amazon zu schützen versucht. Stellen wir uns nur vor wenn Microsoft das gleiche tun möchte und gegen alle Firmen die mit Micro beginnen vorgehen würde.


Tim Balmer

21.04.2009, 11:18 Uhr

Finde ich von Amazone absolut OK dass dieses "Jungunternehmer" verklagt wird, denn die versuchen nur Profit vom Namen Amazon rauszuhauen. Haben diese Jungunternehmen den sonst nichts zu bieten ausser sich am Namen eines anderen zu bereichern? Armseeliges Jungunternehmen. Man sollte doch mit Taten glänzen und nicht mit solchen Tricks? Sehe ich das richtig oder bin ich zu Jung dafür? Oder was?


Corrado Filipponi

21.04.2009, 11:16 Uhr

das ist doch super für amazee. soviel aufmerksamkeit um nichts, der bekanntheistgrad schnellt um das zigfache hoch, die aktien steigen und so auch die aufträge. cleveres marketing. amazon sollte keine chance haben, sich den namen so schützen zu lassen. denn da kämen noch etliche dazu, mit gleichem wortstam. brasilien/peru können ja amazon verklagen aus dem fluss ihre firma gemacht zu haben.


Alexander Skwar

21.04.2009, 11:14 Uhr

So leid's mir tut, aber die Argumentation von Amazon halte ich für stichhaltig. Die Namen klingen in der Tat ähnlich - bes. dann, wenn man's nicht so ganz richtig englisch betont. Und die Namen schauen auch ähnlich aus AMAZon vs. AMAZee (das dachte ich schon, bevor ich den Newsbeitrag hier las). Tut mir leid, aber da hat Amazon schlicht recht - "die Leute" sind (in der Masse) schlicht so "blöd".


Martin Aurer

21.04.2009, 11:12 Uhr

@Tanner Amazon kommt vom Fluss Amazee von Amazing Da sehe ich keine Ähnlichkeit. Zudem machen die ganz andere Sachen. Wenn Amazee Glück hat, fliegt Amazon aufs Maul (Ich gönns ihnen) und Amazee hat super Gratis-PR. In diesem Sinne: Viel Glück Amazee


Stefan Hostettler

21.04.2009, 10:58 Uhr

Das muss nicht zwingend von Amazon initiiert worden sein. Es gibt Anwälte, die spezialisiert darauf sind, Neueintragungen im Handelsregister resp. Markenregister abzuklappern und mit bestehenden Firmen und Markennamen abzugleichen. Danach wird die bestehende Firma kontaktiert und alles für die Klage initiiert. Nichtsdestotrotz: Wünsche AMAZEE viel Erfolg gegen amazon.


Rose Cordier

21.04.2009, 10:53 Uhr

Vorschlag: Namensänderung in Ama-zee. Das würde dann liebe (spanisch) den See (niederländisch) heissen. Ist doch wundervoll poetisch und kann wohl kaum noch durch Amazon beanstandet werden. Ausserdem kommt die Firma weg von der mit den Haaren herbeigezogenen Erklärung der Bedeutung von Amazee, was amazing heissen sollte?! Woher haben die das?


Leo Küttel

21.04.2009, 10:51 Uhr

Das ganze Patent- und Namensschutzwesen ist ein Witz. Die Grossen misbrauchen es in paranoider Weise. Mit Trivialpatenten und unangebrachten Rechtsansprüchen an Namen (oder auch an Farben) machen sie die Konkurrenz kaputt und hemmen Innovationen! Dabei machen sie sich, wie hier, im Prinzip nur lächerlich. Solche Juristen sollten haftbar gemacht werden für ihr Tun!


hannes tanner

21.04.2009, 10:48 Uhr

Schön blöd, sich als start-up mit einem Konzern anzulegen! Der Namensklau ist ja offensichtlich! Haben die zu viel Geld? Oder zu wenig zu tun?


Hans Stüssi

21.04.2009, 10:25 Uhr

Wie heisst Ihr? Amazee, wie Amazon aber statt mit "on" am Schluss mit "ee"! - Da scheint mir doch offensichtlich wer von wem profitieren will. Wer so blöd abkupfert muss eben die Folgen tragen.


Herbert Berger

21.04.2009, 10:12 Uhr

Gemäss Meinung von AMAZON sind wir dummen Kunden so blöd, um nicht zwischen AMAZON und AMAZEE unterscheiden zu können? Dabei sind das zwei ganz verschiedene Dinge: Amazon=Amazone, Kriegerin; Amazee=verblüffend, erstaunlich. Also sogar der durchschnittlich dumme Amerikaner sollte das unterscheiden können. Dazu kommt auch, dass die beiden Firmen völlig unterschiedliche Produkte anbieten.


Ronnie König

21.04.2009, 10:01 Uhr

Was glaubt dieser Konzern eigentlich! Ihr eigener Name ist ja entlehnt und trägt eine Message. Andere sollen das nicht dürfen? Es ist ja nicht der gleiche Name und ähnliche Fälle gibt es zu tausend. Lächerlicher Protektionismus der fehement bekämpft werden muss. Speziell wenn eine amerikanische Firma dahinter steckt! Vive la libertee.




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