Wirtschaft
Amerikaner machen Front gegen die Boni der Credit Suisse
Von Walter Niederberger, San Francisco, und Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 16.04.2010 10 Kommentare
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Gestern Abend um 17. 30 Uhr kam es zu einer Telefonkonferenz, die in dieser Form vor einigen Jahren undenkbar war. Harald Stoehr, bei der CS verantwortlich für die Management-Vergütung, stellte sich den kritischen Aktionären. Der Grund: Die Stimmrechtsberater Riskmetrics, Glass Lewis und Ethos machen Opposition gegen die Bonuspolitik der Schweizer Bank. Sie wollen sowohl den Vergütungsbericht wie auch die Wiederwahl von Verwaltungsrat Aziz Syriani, der das Vergütungskomitee präsidiert, ablehnen. Dass die Organisationen, wenn sie zusammenarbeiten, an Generalversammlungen Mehrheiten bewirken können, weiss man seit der GV der UBS (UBSN 12.95 0.15%) am letzten Mittwoch.
Worum geht es? Die Credit Suisse (CSGN 23.9 -0.42%) hat dieses Jahr ein neues Bonus-System für das oberste Management aufgelegt, das sogenannte Sisu-Programm («Scaled Incentive Share Units»). Das funktioniert folgendermassen: Für einen Sisu erhält jeder der Begünstigten eine Aktie. Je nachdem, ob die vorgegebenen Kriterien alle erfüllt sind, gibt es obendrauf einen Bonus von bis zu 7,5 Aktien pro Sisu. Das bedeutet im Maximum eine Hebelwirkung von 8,5. Letztes Jahr hat die CS-Geschäftsleitung (11 Personen) 1,1 Millionen Sisu bekommen. Im Maximum bedeutet das Sisu-Programm, dass diese 11 Personen Aktien im Wert von total einer Milliarde Franken erhalten. Nur schon wenn die Hälfte erreicht ist, bekommt CS-Chef Brady Dougan wieder 71 Millionen, so die Behauptung der Stimmrechtsberater.
Lohnmodell findet keine Gnade
Die Credit Suisse kontert die Vorwürfe damit, dass das Erreichen der maximalen Auszahlung höchst unwahrscheinlich sei. «Während vier Jahren müssten die CS-Aktien jährlich 37 Prozent steigen (das würde laut CS einen Aktienpreis von 111 Franken gegenüber rund 55 Franken heute bedeuten), und gleichzeitig müsste die Eigenkapitalrendite bei 27,5 Prozent im Schnitt liegen.» So steht es in einer Präsentation, welche die CS gestern ins Internet stellte. Bei einem einigermassen realistischen Szenario von einer Kurssteigerung von 10 Prozent sei nur mehr eine Verdoppelung des Sisu-Wertes zu erreichen. Credit-Suisse-Sprecher Marc Doch doppelt nach: «Tatsache ist: Wir erfüllen mit unserer für 2009 geänderten Vergütungsstruktur als erste Bank die neuen FSB/G-20-Kriterien. Dafür erhalten wir Anerkennung von Regulatoren und Politik. Wir haben aber auch betont, dass sich die Systeme weiterentwickeln werden – genauso wie die Regulierungen dazu auch.»
Die US-Beraterfirmen Riskmetrics und Glass Lewis räumen zwar ein, dass die CS einige Fortschritte im Bereich der Corporate Governance gemacht hat, lehnen aber das Lohnmodell rundweg ab. Bereits vor einem Jahr stimmten über elf Prozent der Aktionäre dem Bonussystem nicht zu. Nun dürften es deutlich mehr sein, denn dass der US-Aktionärsberater ISS das Vergütungssystem ablehnt, ist neu. Im Falle der UBS machte die ISS-Unterstützung bei der Decharge einen Unterschied von über 30 Prozent der Stimmen. Gegen die Decharge 2008, welche ISS unterstützte, stimmten 22 Prozent der Aktionäre, gegen die Decharge für 2007 aber 53 Prozent.
Bonusmodell widerspricht einer guten Geschäftsführung
Bob McCormick, Direktor der Glass Lewis in San Francisco, sagte gestern dem «Tages-Anzeiger», der an der Generalversammlung der UBS ausgelöste Trend werde sich «ohne jeden Zweifel fortsetzen und verstärken». Langfristig orientierte Investoren seien zunehmend frustriert darüber, dass ihre Rendite unbefriedigend sei, während sich Konzernleitungen und Verwaltungsräte extrem reichlich entlöhnten. Diese Diskrepanz sei bei den Banken ungewöhnlich gross. Die Kritik am Salärsystem der Credit Suisse richtet sich auf zwei Punkte:
Das Bonusmodell für die Konzernleitung widerspricht gemäss den beiden Beraterfirmen dem Prinzip der guten Geschäftsführung, weil es «nicht strikt an die Leistung gekoppelt» ist und keine Obergrenzen vorgibt. Im Extremfall kann die Konzernspitze über vier Jahre hinweg somit 3,1 Milliarden Franken an Boni beziehen, zeigt eine Analyse der «Scaled Incentive Share Units». Konzernchef Brady Dougan hat dieses Jahr dank diesem Modell schon rund 70 Millionen zugesichert erhaltenund war damit einer der höchst bezahlten Bankiers überhaupt. Dies stelle eine «asymmetrische Struktur der Boni» dar und sei auch gesamtwirtschaftlich politisch unangemessen, machte Glass Lewis klar. Solch exzessive Entschädigungen könnten nämlich den Rückhalt für die Minder-Volksinitiative verstärken und dazu führen, dass die Schweiz verpflichtende (nicht mehr nur empfehlende) Abstimmungen über Lohngrenzen bekomme, was sämtliche Unternehmen belastete. «Die Credit Suisse trägt diesem Risiko nicht Rechnung», heisst es.
Auch das Vergütungsmodell für den Verwaltungsrat bezeichnen die Beraterfirmen als verfehlt. Es sei falsch, die Boni an das Aufsichtsorgan nach den gleichen Anreizen wie jene der Konzernspitze auszurichten, da damit die kritische Distanz zwischen beiden Gremien verwischt werde. Zudem seien die Boni so hoch, dass ein Verwaltungsrat kaum einen Anreiz habe, seine Stelle zu räumen.
Riskmetrics sagt nichts mehr
Die Chancen, dass die Aktionäre der Credit Suisse am 29. April das Lohnmodell ablehnen, sind trotzdem bescheiden, doch ein starkes Misstrauensvotum liegt gemäss McCormick drin. «Wir haben in England gesehen, dass institutionelle Investoren zunehmend kritisch sind, wenn es um hohe Boni geht. Bei BP, Shell, Marks and Spencer und der Royal Bank of Scotland kam es zu starken Nein-Stimmen, weil die Aktienrendite so viel tiefer lag als die Managerlöhne.»
Riskmetrics will nach dem Erfolg bei der UBS vorläufig nichts mehr kommunizieren. Mediensprecherin Sarah Ball erklärte, institutionelle Anleger hätten dagegen protestiert, dass der UBS-Bericht vorab freigegeben und publiziert worden sei. Die Frage, ob es zu Interessenkonflikten zwischen der Aktionärs- und der Managementberatung innerhalb von Riskmetrics gekommen sei, beantwortete sie mit dem Hinweis auf eine «chinesische Mauer» innerhalb des Unternehmens, bevor sie das Gespräch abrupt beendete. Die Analyse von Riskmetrics liegt dem «Tages-Anzeiger» dank Unterstützung eines CS-Grossinvestors trotzdem vor.
Stimmempfehlung von Riskmetrics und CS-Stellungnahme zum Vergütungsbericht:
CS-Chef Brady Dougan: Sein Salär ist stark umstritten. Foto: Marc Welti (13 Photo)
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.04.2010, 23:22 Uhr
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10 Kommentare
Das ist ja alles schön und gut, aber solange "unsere Pensionskassenverwalter" mit diesen Manager gute Freunde sind, wird sich da gar nichts ändern!! Ausserdem haben wir da auch noch einen sehr,sehr grossen Depotstimmenanteil! Also was soll sich da ändern können?? Und unsere Politiker sind ja auch nicht fähig. Entweder zu links oder dann bürgerlich im selben Boot!! Antworten
Kleine Übung im Kopfrechnen: Wenn 4 Jahre lang mit jährlich 37% Wachstum gerechnet wird, erhält man eine Verdreieinhalbfachung des Ausgangswertes (1.35^4=3.522). D.h. die Aktie müsste innert 4 Jahren im Wert von 55.00 auf 193.75 Franken steigen. Antworten
Natürlich sind die Boni der CS zu hinterfragen, aber die Amerikaner sollten sich da zurückhalten, liegt doch der Ursprung dieser Auswüchse im angelsächsischen Wirtschaftsraum und nicht in der CH. Aber scheinbar ist den CH-Medien jede Information willkommen, um jetzt nach der UBS auch noch die Stimmung vor der GV der CS so richtig anzuheizen. Etwas Zurückhaltung wäre sicher angebracht! Antworten
ich kenne kein passendes wort für die arrogante vermessenheit von brady dougan und seines gleichen. -- wie können sie von sich glauben, dass sie ein X-faches eines amerikanischen / deutschen / fanzösischen / ch -STAATSPÄSIDENTEN, ja sogar mehr wert als alle zusammen sind. __ woher stammt dieses geld ? --- diebstahl, oder betrug ist die berechtigte frage -- wann die nächste blase platzt ebenso Antworten
«Während vier Jahren müssten die CS-Aktien jährlich 37 Prozent steigen (das würde laut CS einen Aktienpreis von 111 Franken gegenüber rund 55 Franken heute bedeuten),» Nach bürgerlicher Prozentrechnung führt ein vierjahriger Zuwachs von 37% zu einem Faktor von 1.37 *1.37*1.37*1.37= 3.5 Der Kurs wäre dann 55*3.5=192. Antworten
Solange ein Aktionär keine oder nur eine kleine Dividende einer Firma erhält, sollten die obersten Kader keine Bonie erhalten. Schliesslich ist der Aktionär Teilhaber am Eigenkapital und sollte somit - bei normalem Geschäftsgang - auch mit einer Rendite von 8-12% vom investierten Kapital rechnen können. Es ist reiner Diebstahl, wenn dann einfach das Kader diese Rendite "absahnt". Antworten



Pascal Fröhlich
Brady Dougan ist nicht mit der politischen Sensibilität ausgerüstet wie ein Schweizer hier. Ihm ist es nicht bewusst, was die Minder-Initiative für ihn und seiensgleichen bedeuten könnte. Da ihm dieses demokratische Wissen und die Erfahrungen daraus fehlt, kann er sich gar nicht in die Situation versetzen, was dies heisst, wenn sie angenommen würde. Aber danach klönen können sie. Arme Amis. Antworten