Anonymer Informant will neue Einzelheiten im Fall Hoeness kennen

Beim Fall Uli Hoeness ging es laut einem Insider «mit Schweizer Akzent»um viel höhere Beträge als bisher bekannt.

Liess viele Fragen offen: Uli Hoeness bei der Gerichtsverhandlung in München. (10. März 2014)

Liess viele Fragen offen: Uli Hoeness bei der Gerichtsverhandlung in München. (10. März 2014) Bild: Keystone

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Die Zeichen verdichten sich, dass über das Schweizer Konto des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten wesentlich höhere Summen geflossen sind als bisher bekannt. «Er hatte zeitweise Werte von 600 Millionen Schweizer Franken auf seinem Konto», zitiert die neuste Ausgabe des Magazins «Stern» einen anonymen Informanten. Im Prozess von letzter Woche in München wurde nur bekannt, dass Uli Hoeness am Ende des Jahres 2005 rund 155 Millionen Euro auf seinem Konto der Bank Vontobel hatte.

Hoeness selbst hat den «Stern» im Sommer 2013 eingeklagt, nachdem das Magazin einen Bericht über ein angeblich hohes dreistelliges Millionenvermögen des Wurstfabrikanten veröffentlicht hatte. Im Verfahren vor dem Landgericht Hamburg bestreitet Hoeness, je eine derartige Summe besessen zu haben. Der Fall ist noch hängig.

«Auch Spieler besassen ein Konto bei Vontobel»

Die Frage, was aus den Millionen geworden sei, beantwortet der Informant damit, sie seien wohl bei Spekulationsgeschäften verloren gegangen. Und er fügt bei: «Über die Jahre wurden aber auch immer wieder sehr hohe Beträge auf Konten bei anderen Schweizer Banken transferiert, etwa bei Credit Suisse und Julius Bär.» Ein Vertreter von Hoeness hat allerdings gegenüber dem «Stern» bestritten, dass Geld auf Konten anderer Banken abgeflossen sei.

Ferner geht aus dem Interview hervor, dass Hoeness auch ein grosses Wertpapierdepot gehabt haben soll. Allein seine Aktien der Deutschen Telekom hätten zeitweise einen Wert von rund 40 Millionen Euro erreicht. Hoeness sei nicht der einzige Prominente des FC Bayern mit einem Schweizer Konto gewesen. Auch Spieler des Fussballclubs hätten bei Vontobel ein Konto besessen, wenn auch mit «überschaubaren Summen im niedrigen Millionenbereich».

«Mit Schweizer Akzent»

Der «Stern» macht keinerlei Angaben zum Informanten – nichts zu seiner Nationalität, nichts zu seinem beruflichen Umfeld, nichts zu seinem Geschlecht. Das Risiko für den Informanten sei zu gross. «Es ist zwecklos, nach diesem Menschen zu suchen», schreibt das Magazin. Das Konkurrenzblatt «Spiegel» schreibt in seiner neusten Ausgabe von einem Informanten, der einem ehemaligen deutschen Staatsanwalt und heutigen Ombudsmann sein Wissen zum Hoeness-Konto anvertraute – «ein Whistleblower mit Schweizer Akzent».

Solange sich der Informant hinter seiner Anonymität versteckt und solange seine Aussagen nicht mit Dokumenten oder Untersuchungsergebnissen seitens der Behörden belegt werden, ist nicht auszuschliessen, dass es sich um einen Hochstapler handelt. Allerdings verblüffen die teils präzisen Angaben, die er macht. Er nennt Hoeness’ Kontonummer – 4028BEA – und weiss, dass BEA für das Passwort «Beaufort» steht. Er weiss oder will wissen, welche Geschäfte der Bayer wie getätigt hat, dass er zwei- bis dreimal pro Jahr persönlich, aber stets allein bei der Bank Vontobel in Zürich auftauchte, seinen Devisenhändler in der Regel in der Bank, selten im Hotel Hyatt nebenan traf. Bankintern sei, wenn Hoeness aufgetaucht sei, immer mal gewitzelt worden: «Es gibt wieder Würstchen.»

Diese Äusserungen deuten auf intime Kenntnisse der inneren Vorgänge bei Vontobel. Banksprecher Reto Giudicetti weist Vermutungen in diese Richtung allerdings zurück: «Es liegen uns keinerlei Anzeichen vor, dass es sich bei dem im ‹Stern› und im ‹Spiegel› erwähnten Informanten um einen Mitarbeiter von Vontobel handeln könnte. Vor diesem Hintergrund sehen wir keine Veranlassung, Strafanzeige gegen unbe-kannt einzureichen.» Giudicetti weist im Übrigen darauf hin, dass sich Mitarbeitende der Bank mit ihnen merkwürdig erscheinenden Beobachtungen unter Wahrung der eigenen Anonymität an eine intern etablierte Whistleblower-Fachstelle wenden können. Die vom «Stern» verbreiteten Inhalte rund um das Konto Hoeness kommentiert die Bank nicht.

«Arrogant und selbstherrlich»

Bleibt die Frage, was jemanden antreibt, Hoeness anzuschwärzen. Die Antwort des Informanten: «Dieser Typ hat mich geärgert, seine Doppelzüngigkeit, sein öffentliches Schimpfen auf Spekulanten und Banken. Dabei ist er selbst ein Geschäftemacher, arrogant und selbstherrlich. Solche Verlogenheit kann ich nicht leiden.»

Stillschweigen in der Angelegenheit Hoeness/Vontobel herrscht nach wie vor bei der Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma). Dem «Tages-Anzeiger» ist aber aus gut unterrichteter Quelle bekannt, dass die Finma bis heute keine Verfahren gegen Vontobel angestrengt hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.03.2014, 22:17 Uhr)

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