Apple nähert sich einer kritischen Grenze

Apple wird höher bewertet als alle US-Detailhandelsfirmen zusammen. Doch Beispiele zeigen, dass solche Höhenflüge nicht unendlich weitergehen.

Rosige Aussichten: Konzernchef Tim Cook Anfang März bei einer Apple-Präsentation in San Francisco.

Rosige Aussichten: Konzernchef Tim Cook Anfang März bei einer Apple-Präsentation in San Francisco. Bild: Keystone

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Apple (AAPL 102.99 0.51%) hat in den letzten Monaten sämtliche Rekorde gebrochen. Der Unternehmenswert explodierte förmlich und liegt bei über 555 Milliarden Dollar. Die Auszahlung einer Dividende – nach einem Unterbruch von 17 Jahren – ist keine Überraschung, sondern eine logische Folge des rasanten Gewinnwachstum. Nach dem Tod von Steve Jobs, der eine Beteiligung der Aktionäre hartnäckig verhindert hatte, öffnet Konzernchef Tim Cook nun einer neuen Generation von Investoren die Türe.

Doch selbst mit der Dividende von 1,8 Prozent und einem Aktienrückkauf von 10 Milliarden Dollar bleiben Apple immense Reserven. Das Programm kostet über drei Jahre nur 45 Milliarden Dollar – weniger, als Apple allein in diesem Jahr an Gewinn einfahren wird. Bis Ende Jahr dürfte der Konzern nach Angaben der Credit Suisse eine Reserve von 136,6 Milliarden Dollar angehäuft haben – davon zwei Drittel im Ausland. Und dieser Überschuss bleibt ausserhalb der USA parkiert. Apple hat keinen Grund, den Gewinn ins Heimatland zurückzubringen, da darauf Steuern von rund 30 Prozent fällig würden.

Auf die Auslandreserven zurückgreifen

Somit kann der Konzern auf die Auslandreserven zurückgreifen, um neue Produkte zu entwickeln oder fremde Software zu kaufen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie gut Apple nach dem rasanten Wachstum seine Gewinne ausweiten und die Margen halten kann. Schliesslich ist der Konzern eine der ganz wenigen in der US-Wirtschaftsgeschichte, der die kritische Schwelle von 500 Milliarden Dollar durchbrochen hat und dessen Aktie so stark ist, dass sie allein einen Börsenindex nachhaltig bewegen kann.

Unternehmen wie Microsoft, IBM, Cisco, Intel oder auch Exxon haben allerdings gezeigt, wie rapid ein scheinbar unendlicher Höhenflug zu Ende gehen kann. Sie alle erreichten in ihrer Geschichte eine ähnlich hohe Kapitalisierung wie Apple. Diese lässt sich daran ablesen, welchen Wert das Unternehmen, gemessen am Börsenindex der 500 grössten US-Firmen, hat. Sie liegt bei einem Anteil von 5 Prozent, wie die Credit Suisse errechnet hat. Wird diese Schwelle übersprungen, können sich Firmen nur eine begrenzte Zeit darüber festkrallen – im Durchschnitt etwa zwei Jahre. Am längsten hielt sich der Ölkonzern Exxon so weit oben (207 Monate), am kürzesten Microsoft (53 Monate).

Apple – die grosse Ausnahme?

Dutzende von Analysten glauben, Apple sei ohnehin die grosse Ausnahme unter den Techfirmen. Das zum Vergleich bemühte Verhältnis zwischen Gewinn und Umsatz liegt bei Apple nur gerade im Marktdurchschnitt, sagen die Experten. Dies aber sei ein massiver Unterschied zum Internetboom von 2000, als die meisten Firmen absurde, durch den Geschäftsgang nicht zu rechtfertigende Kennzahlen erreichten.

Die Analysten von Credit Suisse und UBS weisen zudem darauf hin, dass Apple wie kein anderer Technikkonzern Höchstmargen verlangen kann und sich dies auf absehbare Zeit nicht ändern dürfte. Auch beginnt das Unternehmen erst gerade damit, in die Wachstumsmärkte in Asien vorzudringen. Dies alles hält die Gewinnmaschine am Laufen, meint die überwiegende Mehrheit der Analysten. Dazu kommt nun eine neue Klasse von Investoren. Viele Fondsmanager können nun erstmals Apple-Papiere kaufen, die sie zuvor wegen der fehlenden Dividende links liegen lassen mussten.

Die gigantische Grösse ist indessen auch ein wachsendes Problem. Je mächtiger ein Konzern, desto aggressiver gehen Kartellwächter und Konkurrenten vor. Wie IBM, Microsoft und Google bereits erfahren haben, nehmen die Klagen und Beschwerden wegen Wettbewerbsbehinderungen und Diebstahls von geistigem Eigentum mit der grösseren Marktmacht rapide zu. Das abgeschottete Apple-Betriebssystem, warnt die Credit Suisse, erhöht dieses Risiko noch beträchtlich. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.03.2012, 21:05 Uhr)

(Bild: TA-Grafik)

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