Armeechef bezirzt Wirtschaft
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 21.05.2010 27 Kommentare
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Armeechef André Blattmann hat seine Sporen in einer Bank abverdient. «In einer mit drei Buchstaben», wie er diskret formuliert. An der Spitze seien fast ausschliesslich Milizoffiziere gestanden. «Die Bank war damals sehr erfolgreich», meint Blattmann vielsagend. Militärische Führungskompetenzen – das die Botschaft – sind erfolgversprechend.
Das war einmal. In vielen Unternehmen muss sich heute rechtfertigen, wer wegen seiner Offizierslaufbahn immer wieder dem Arbeitsplatz fernbleibt. Blattmann will den heutigen Managern aufzeigen, dass Offiziere nicht nur durch viele Absenzen glänzen, sondern – zurück im Unternehmen – von der militärischen Führungserfahrung profitieren. «Die Armee ist die beste praktische Führungsschulung der Schweiz», sagt der Korpskommandant. Es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Versicherer machen nette Worte
Mit dem Schweizerischen Versicherungsverband hat er den Dialog angestossen. Urs Berger, Verbandsvize und Konzernchef der Mobiliar, sagt: «Die Privatversicherer sind gegenüber der Schweizer Armee grundsätzlich positiv eingestellt.» Mit Fachwissen allein komme man nicht ans Ziel. Für Leistung und Erfolg sei die Persönlichkeit, die Sozial- und Führungskompetenz ebenso entscheidend. Auch für die Schweizer Armee sei die Qualität der Leute ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Auf die Führungsschulung der Versicherer dürfte das kaum einen grossen Einfluss haben, auch wenn man die Avancen des Armeechefs freundlich kommentiert. Die Bâloise schreibt etwa: «Eine militärische Kaderausbildung wird bei den Basler Versicherungen wohlwollend zur Kenntnis genommen und kann auch einen positiven Einfluss auf die Laufbahn haben.» Gleichzeitig relativiert man in Basel: «Die militärische Kaderausbildung ist jedoch kein Schlüsselkriterium für bessere Karrierechancen bei den Basler Versicherungen, sondern wird gleich wie alle anderen Beurteilungskriterien behandelt.» Auch bei der Axa Winterthur heisst es, die militärische Erfahrung sei «willkommen, aber nicht Bedingung». Und weiter: «Eine Offizierslaufbahn alleine hat auf die Karrierechancen bei der Axa Winterthur keinen Einfluss.» Hinter vorgehaltener Hand werden Vertreter von Versicherern auch deutlicher. So meint einer: «Die militärische Laufbahn hat etwa den Stellenwert einer Pfadikarriere.»
Klartext vernimmt man in der Kadervermittlungsbranche. Marc Bürgi, Consultant bei der Basler PKS Personal & Kaderselektion, sagt: «Die militärische Führungserfahrung hat überhaupt nicht mehr den Stellenwert von früher.» Die kleinen Unternehmen hätten kein Interesse daran, dass die Leute ständig abwesend seien. In grösseren Unternehmen werde zum Teil wieder Wert auf militärische Führungserfahrung gelegt.
Händedruck statt Bonus
Daniel Luchsinger, Mitinhaber der Kadersuche Mac Lynx, sagt: «Die militärische Ausbildung hat null Bedeutung.» Im Konsumgüterbereich, in dem Max Lynx vor allem aktiv ist, würden viele Unternehmen Ländergesellschaften betreiben. Diese würden oft von Deutschland oder den USA aus gelenkt. «Dort wissen sie nicht einmal, dass wir eine Armee haben», spöttelt Luchsinger. Armeechef Blattmann knüpft dennoch Kontakte zu anderen Branchenverbänden: Swissmem, Chemische Industrie, Bankiervereinigung. «Wir vermitteln auch Werte», sagt Blattmann. Er nennt etwa Loyalität, Durchhaltewillen, Ehrlichkeit, Bescheidenheit. «Wer bei uns eine Leistung erbringt, bekommt dafür einen Händedruck, aber sicher keinen Bonus.» Die Frage, ob er jetzt den Bankern Bescheidenheit beibringen wolle, lässt der Armeechef unbeantwortet (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.05.2010, 22:04 Uhr
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27 Kommentare
Meine Erfahrungen mit Militärkadern sieht so aus: Die Mehrheit des Kaders hat keine Zivile Führungserfahrung und kann sich nicht durchsetzen. Da stehen 20 Jahre alte Offiziere vor einem 33 Jährigen Abteilungsleiter und wollen dem was beweisen... Daneben ist die Armee zu einem Selbstbedinungsladen für das Kader verkommen. Antworten
@marco pfiffner: Wer ins Militär geht, nimmt "ein Opfer für sein Land auf sich"? Ich frage mich, was unser Land davon hat, dass Tausende Männer sich im WK mangels anderer Beschäftigung jeden Abend betrinken oder zukiffen und am Tag sinnlos Munition verpulvern, damit das Plansoll erfüllt wird... Die einzigen, die noch Freude an der Armee haben, sind ein paar Rambosoldaten und die Waffenindustrie. Antworten
Ganz klar das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Ich, als ehemaliger FW einer Gebirgskampfeinheit, hätte auch kein Vertrauen in diese Armee! Schaut sie nur mal an. Damals mussten keine Kontrollen in den Urlaubszügen gemacht werden. Führungserfahrung kann MANN sich alleweil aneignen in der Armee. Antworten
Ein junger Mensch hat im Zuge der Ausbildung zum Offizier etliches auf sich genommen und hebt sich wohltuend von den Null Bock Typen ab. Ob er dann in der Wirtschaft brauchbar ist, hat auch mit dem Charakter zu tun. Ich habe in meiner Dienstzeit 75-90 als Soldat mit einer sehr krassen Ausnahme immer gute Erfahrungen gemacht. Verantwortungsvoll, sich nicht auf Kosten der Soldaten profilierend. Antworten
Gerade heute vom letzten WK heimgekommen. Noch nie einen derart schlecht organisierten WK erlebt, keine Fahrzeuge, Leute am falschen Ort eingerückt, kein Essen, etc. Kernkompetenz der militärischen Führung besteht im Abschieben von Verantwortung und übermässigem Alkohol- und Nikotinkonsum. Was heutzutage in der CH-Armee abgeht, und zwar bis in die höchsten Stäbe, ist ein leider sehr teurer Witz Antworten
Das ist ein Off.: Sämtliche Off. der Kompanie, der Fw und der Four natürlich auch, essen im Hotel! Schlafen do. mit Dusche und TV! Die Rekruten und die Korporale sind und schlafen draussen im Wald, ca. 500 m entfernt, ca. 1500 m.ü.M, sintflutartiger Regen, Eiseskälte. Essen kochen in der Gamelle nicht möglich (Nässe). Erlebt in der RS. Vertrauen in einen Off oder seine Fähigkeiten? Niemals! Antworten
Wie soll ein Verkäufer auf einen Monat Arbeit pro Jahr verzichten und trotzdem das Budget erreichen? Wie soll ein CEO heutzutage seine 4 Wochen Dienst und x-Stunden Vorbereitung organisieren? Wie soll ein Privatbanker seriös seine Kunden betreuen in der Kaserne? Was soll ein Angestellter seinem Chef sagen, wenn er von 4 Wochen Dienst reine 3 Wochen nur Mobil- und Demobilmachung hatte? Antworten
In Bezug auf Erziehung zu mehr Anstand und Bescheidenheit: Es ist Ihre Generation und Ihre Vorgängergeneration die Moral und Ethik verkommen haben lassen. Die Rücksichtlosigkeit im Umgang mit Natur und Rohstoffen zur Gewinnmaximierung basiert nicht auf fehlendem Wissen, sondern Gier und Macht...es wird Zeit dass sich die Classe Politique (50+) zurückzieht - oder haben Sie noch nicht genug verdient Antworten
Im Grundsatz hat unser Chef der Armee recht! Die Ausbildung als Offizier ist sehr gut. Man lernt eine Lage/Situation zu analysieren, strukturiert mögliche Massnahmen zu definieren und zu gewichten und dann zu entscheiden. Wie in allen Bereichen gibt es jedoch auch in der Armee gute und schlechte Führungskräfte. Ich möchte diese Ausbildung selbst nicht missen. Antworten
Nachtrag: Die Kaderausbildung in der Armee hat sich mit der Armee XXI sicher so positiv verändert, dass die Aspiranten zertifizierte Führungs- und Organisationsmodule absolvieren, welche auch privatwirtschaftlich interessant sind. Trotzdem: Bei kleineren Unternehmen, wo kein fachlicher Stellvertreter vorhanden ist, ist die Abwesenheit von 4 Wochen zusätzlich zu den 4 Wochen Ferien schwierig. Antworten
Als Soldat in der Schweizer Armee fühle ich mich von den Offizieren meist wie unmündiges Gesindel oder wie in einem Kindergarten mit Kollektivstrafen behandelt. Solche "Führungskompetenzen" haben meiner Meinung nach in der Privatwirtschaft nichts verloren. Antworten
Offensichtlich möchte Herr Blattmann die Zeit zurückdrehen und das Rad auch noch erfinden. Man fragt sich unwillkürlich, kann man Bescheidenheit überhaupt erlernen oder ist einem das gegeben. Wie wäre es denn, wenn man der Finanzwelt klare Regeln verordnen würde und sich diese Manager daran halten müssten?Sollte man es nicht auch mit mehr Frauen versuchen, anstelle von sturen Militärköpfen? Antworten
Ich hab die Führungskompetenz in der Armee jeweils so erlebt, dass der eine Off dem Andern die Schuld in die Schuhe geschoben hat, wenn was nicht funktioniert hat (soll ja ab und zu mal vorkommen). Wenn Blattmann unter Führungskompetenz versteht, einen Andern zu suchen, der für die Eigenen Fehler hinhalten muss, dann ist sie eine erfolgreiche Kaderschmiede. Sonst nicht unbedingt. Antworten
Herr Luchsinger, schämen Sie sich , Ihre Gesinnung verdeutlicht Ihren Charakter. Jeder der gewillt ist für sein Land ein Opfer auf sich zu nehmen und dies notabene ohne materiellem Geweinn hat Charakter, bei Ihnen zählt offenbar nur noch Geld und Kariere... Sie haben keinen Stolz mehr.... Antworten
Der Armeechef will den Managern militärische Führungskompetenzen beibringen? Ich kann es fast nicht glauben. Welche Manager sollen das denn sein? Will man in Zukunft wieder nur Schweizer in diese Positionen und Posten schieben? Hat Herr Ospel und einige andere etwa keinen Militärdienst geleistet und deshalb versagt. Und was ist mit den "Besten" aus dem Ausland, welche immer noch versagen. Antworten
Wem man Werte wie Blattmann sie beschreibt einem auf Staatskosten erst ab18J. beibringen will ist das löblich aber leider um 18J. zu spät. Abgesehen davon wäre es um ein vielfaches effizienter endlich Frauen in Führungspositionen zu bringen, die bringen zumindest was Nachhaltigkeit betrifft gewisse Fähigkeiten schon mal mit. Die Wirtschaft muss entfeudalisiert werden und Leitplanken bekommen. Antworten
Die Reputation des Militärs schreit geradezu nach einer Absage an die Führungskompetenzen ausgebildeter Militärs. Die intern/extern vernetzten Prozessabläufe, IT-dominiert (nicht gerade eine Stärke des VBS/der Bundesverwaltungen), verlangen nach Interaktion zwischen allen Beteiligten. Militär kennt nur die Befehlskette von oben nach unten -> ein unbrauchbares Modell für die Geschäftswelt! Antworten
Die Bank, bei der Blattmann seinerzeit gearbeitet hat, war TROTZ der Vielzahl an Offizieren erfolgreich (wie viele andere Firmen übrigens auch). Grund war allgemein die Konjuktur in der CH und weltweit. Ich hatte im Militärdienst mit Offizieren zu tun, die alle auch bei dieser Bank gearbeitet haben: Für jeden gab es nur die Loyalität zur Karriere und sicher nicht zur Bank. Sozialkompetenzen: Nein. Antworten
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