Wirtschaft
Auch Swiss-Piloten sind streikbereit
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 23.02.2010
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Sie arbeiten im gleichen Flugkonzern, und sie fliegen ähnliche Flugzeugtypen. Doch die Piloten der Swiss können nur träumen von den Privilegien, welche die 4500 Piloten der Lufthansa und Lufthansa Cargo geniessen. «Wir verdienen weniger und arbeiten länger», sagt dazu Thomas Steffen vom Swiss-Pilotenverband Aeropers.
Das Einstiegsgehalt für Lufthansa-Piloten liegt bei 62 000 Euro, ein Captain kann bis zu 250 000 Euro verdienen. «Wir verdienen sicher deutlich weniger», sagt Steffen. Wie viel weniger, sei schwer zu sagen. Denn in Deutschland übernehme die Lufthansa beispielsweise die Hälfte der Krankenkassenprämie, welche die Piloten der Swiss zur Gänze selber zahlen müssen. Unter dem Strich sei aber klar: «Der Gesamtaufwand für den Arbeitgeber ist bei uns rund 30 Prozent tiefer», sagt Steffen. Im Klartext heisst das: Ein Swiss-Pilot verursacht rund ein Drittel weniger Kosten als der Kollege bei der Lufthansa. Das massive Gefälle hat auch damit zu tun, dass Lufthansa-Piloten weniger fliegen. Sie sind pro Jahr rund 660 Stunden in der Luft. Viele Swiss-Piloten kamen 2008 laut Aeropers nahe ans Maximum von 900 Flugstunden im Jahr heran.
Swiss-Piloten sind streikbereit
Ende Jahr läuft der Gesamtarbeitsvertrag der 865 Swiss-Piloten aus, die bei Aeropers organisiert sind. Der Streik der Lufthansa-Kollegen ist für Aeropers darum eine Gelegenheit, in der Schweiz selber Forderungen zu stellen. «Wir fordern, dass sich das Lohngefüge und die Arbeitsbedingungen in Richtung Lufthansa bewegen», sagt Steffen. Man suche den Streit mit der Swiss nicht, scheue ihn aber auch nicht. «Als letztes Mittel schliessen wir einen Streik 2011 nicht aus», so Steffen. Die Swiss könne sich höhere Pilotenlöhne leisten. Die Airline habe 2007 und 2008 zusammen eine Milliarde Franken Gewinn abgeliefert und im Krisenjahr 2009 nochmals bis zu 150 Millionen. Die Verhandlungen mit der Swiss sollen im Juli starten.
Die Piloten, die für Swiss European die kleineren Flugzeuge im Europaverkehr bewegen und im Pilotenverband IPG organisiert sind, verdienen noch weniger. Ihnen sind aber die Hände gebunden, weil ihr Gesamtarbeitsvertrag mit der Swiss noch bis 2012 läuft.
Die Lufthansa-Piloten dürfte all dies kaum anfechten. Sie streiken für 6,4 Prozent mehr Lohn, obwohl sie bereits zu den bestbezahlten Piloten der Welt gehören. Und sie wehren sich gegen die Auslagerung von Lufthansa-Flügen an billigere Konzerntöchter.
Lufthansa will verhandeln
In Deutschland sind die Regeln für Tarifverträge so starr, dass LufthansaKonzernchef Wolfgang Mayrhuber es vorzog, ausserhalb des Stammhauses Lufthansa zu wachsen – bei deutschen Billigtöchtern wie Cityline, Augsburg Airways und German Wings. Im Ausland aber auch über Zukäufe wie Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Diese Töchter wachsen und haben die Pilotenzahl um 20 Prozent erhöht, während das Lufthansa-Korps stagniert.
Es sei nicht geplant, Lufthansa-Piloten abzubauen, betont ein Konzernsprecher. Die Gewerkschaft der Lufthansa-Piloten befürchtet jedoch, Entlassungen könnten der nächste Schritt sein. Um die Unterwanderung durch Billigkonkurrenten im Konzern zu stoppen, pocht die Gewerkschaft darauf, Flugzeuge mit über 70 Sitzen dürften konzernweit nur von Lufthansa-Piloten geflogen werden. Ihr Gegenspieler ist der als Mayrhuber-Nachfolger gesetzte Christoph Franz, der zuvor die Swiss auf Erfolgskurs brachte. Nachdem der Streik gestern vorübergehend ausgesetzt wurde und man sich auf Verhandlungen einigte (siehe unten), sieht es so aus, als würden Franz und Mayrhuber bereits nachgeben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2010, 11:12 Uhr
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