Wirtschaft
Aus Aktionärssicht ist Villigers Bilanz mager
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 17.09.2011 40 Kommentare
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Dem 31-jährigen Häftling und gewesenen UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli ist es vermutlich gelungen, zwei ältere Herren in Rage zu versetzen. UBS-Chef Oswald Grübels angestrebte Erfolgszahlen wurden über Nacht vom Winde verweht. Das Adoboli zur Last gelegte Treiben wird der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) wohl nicht nur einen Quartalsverlust bescheren, sondern auch einen Jahresverlust im Investmentbanking. Schlimmer als die schlechten Zahlen wird Grübel die Erkenntnis treffen, dass er mit seiner Investmentbank-Strategie gescheitert ist.
Auch Kaspar Villiger wird Adoboli ins Pfefferland wünschen. Wie rief er doch in seiner Antrittsrede als neuer Verwaltungsratspräsident am 15. April 2009 den Aktionären zu? «Ich sehe in der Wiedergewinnung des verlorenen Vertrauens unsere wichtigste Aufgabe.» Zweieinhalb Jahre hat der Alt-Bundesrat verbissen daran gearbeitet, dem lädierten Ruf der Bank zu neuem Glanz zu verhelfen. Mit einem Schlag wurde seine Arbeit zunichte gemacht.
Die öffentliche Empörung entlädt sich aber nicht etwa über Adoboli, sondern über der UBS und damit über Villiger und Grübel. «Nicht schon wieder!», «Das darf ja nicht wahr sein!», waren am Donnerstag verbreitet die Reaktionen.
Villiger steckt Kritik weg
Villiger hat zwar gelernt, Anwürfe und Kritik nicht persönlich zu nehmen. Als Bundesrat habe er einst im Kanton Jura ein Referat gehalten, erzählte er der «Aargauer Zeitung». Protestierende hätten dort eine Villiger-Puppe an einen Galgen gehängt. «Und ich merkte: Das hat nichts mit mir als Person zu tun, sondern mit meinem Amt. Ich war das Symbol für meine Funktion.» Villiger als Blitzableiter für alles, was in der Bank schiefläuft.
So einfach ist es nicht. Sein Selbstverständnis als Präsident ist das des Interessenvertreters der Bank und damit der Aktionäre. «Gemäss Obligationenrecht muss der Verwaltungsrat die Interessen der Gesellschaft wahrnehmen», sagte Villiger 2010 vor den Aktionären. Und er wiederholt stets von neuem, dass die Bank für die Aktionäre den maximalen Wert herausholen müsse. Damit begründete er auch den Entscheid des Verwaltungsrats, auf Klagen gegen frühere UBS- Verantwortliche zu verzichten. Negative Schlagzeilen über Jahre seien nicht im Aktionärsinteresse. Diese Position ist vertretbar, auch wenn sich, um die Reputation zu stärken, eine juristische Aufarbeitung der Vergangenheit ebenso hätte begründen lassen.
Übernimmt man aber Villigers Logik, sieht seine Erfolgsbilanz am Ende dieser Woche erbärmlich aus. Die Aktionäre, deren Interessen er zu vertreten vorgibt, befinden sich mit ihren UBS-Titeln tiefer im Jammertal als vor Villigers Antritt als Präsident. Seit seiner Wahl am 15. April 2009 verlor die schon damals daniederliegende Aktie noch einmal 39 Prozent an Wert. Und bis heute erhalten die Aktionäre keine Dividende ausbezahlt.
Es steckt der Wurm drin
Natürlich kann man das nicht einfach Villiger anlasten. Natürlich hat diese Bank eine Vorgeschichte. Natürlich gelang es dem Duo Villiger/Grübel, die UBS zu stabilisieren. Spätestens mit dem neusten Eklat im Londoner Investmentbanking dürfte aber dem Letzten klar geworden sein, dass in dieser Bank noch immer der Wurm drinsteckt.
Grübel, der Grossbanker alten Kalibers, strebte mit der UBS wie zu den besten Zeiten einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken an. Der Verwaltungsrat gab ihm den Segen. Grübel, als Händler gross geworden, setzte erneut auf das Investmentbanking. Der Verwaltungsrat spielte mit. Innerhalb dieser Sparte – das zeigt der Fall Adoboli – wurde hochriskanter Eigenhandel betrieben. Der Verwaltungsrat muss das gewusst haben. Wenn nicht, umso schlimmer. Weshalb hat der Verwaltungsrat überall mitgespielt – im Interesse der Aktionäre?
Den Fachleuten ist längst klar, dass das Investmentbanking wie ein Klotz an der UBS hängt. Es drückt direkt auf die Bewertung der Aktie. Anleger wissen um die hohen Risiken des Investmentbankings. Entsprechend wenig sind sie bereit, für Aktien von Banken zu bezahlen, die sich in diesem Minenfeld tummeln. Und doch verfolgt Villiger dieses Geschäft im Interesse der Aktionäre.
Kein Erfolg ohne Kultur
Zu Unrecht ist der Begriff des Investmentbankers zum Schimpfwort geworden. Zu vielfältig ist das, was unter diesem Namen abgewickelt wird. Es bleibt aber die Tatsache, dass der Begriff zum Synonym geworden ist für Zocker und Abzocker – für Halunken schlechthin. Unter Villiger als Präsident ist es der UBS nicht gelungen, sich aus dieser Grauzone abzusetzen.
Ein UBS-Mann schrieb dem «Tages-Anzeiger»: «In meiner 27-jährigen Tätigkeit bei der UBS hätte auch ich potenziell immense Schäden verursachen können! Warum es nicht dazu gekommen ist, schreibe ich hauptsächlich dem damals herrschenden Geist in der gesamten Bank zu.» Erfolg im Geschäft hat immer auch mit der Kultur im Unternehmen zu tun. Dafür verantwortlich sind alle. Allen voran der Präsident. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.09.2011, 15:30 Uhr
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40 Kommentare
Wenn ich Villiger wäre und einen Rest von Ehrgefühl und Anstand hätte, würde ich zurücktreten und dahin auswandern wo man mich nicht kennt. Der Mann hat völlig versagt, denn es ist ihm nicht gelungen, aus der UBS eine volkswirtschaftlich nützliche Firma zu machen. Im Gegenteil, die UBS hat aus einem ehemals respektablen Finanzfachmann einen Erfüllungsgehilfen der Investment-Heuschrecken gemacht. Antworten
Was erwarten Sie von Villiger. Der einzige Grund, wieso er UBS-Verwaltungsrat ist, weil er Finanzminister war. Auf der ganzen Welt werden Finanzminister nach ihrer Amtszeit von Banken angestellt. Das scheint wie Korruption, ist aber legal, weil das Geld erst nach der Amtszeit kommt. Übrigens nicht nur die Rechten, Leuenberger ging auch gleich zu seinem früheren Grosskunden Implenia! Antworten
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