«Ausländer sollen gefälligst gleich viel Steuern zahlen wie wir»
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Philippe Gaydoul
Denner wird noch bis Ende Jahr von Philippe Gaydoul geführt. Ab 2010 beschränkt sich der 37-Jährige auf das Präsidium des Verwaltungsrats und setzt den Fokus auf seine Beteiligungsgesellschaft Gaydoul Group. Nach Erfahrungen als Praktikant, Lagerist, Filialmitarbeiter und Filialleiter übergab ihm sein Grossvater, Denner-Gründer Karl Schweri, die Leitung der Firma. Der Enkel, der damals erst 26 war, steigerte den Umsatz von 1,3 auf knapp 3 Milliarden Franken, frischte die Familienfirma auf und verkaufte sie 2007 an die Migros. Gaydoul ist verheiratet und Vater eines vierjährigen Sohnes. (meo)
Was können Banken von einem Discounter lernen?
Die Kosten waren ja bei denen gar nie ein Thema. Oft konnte es ja nicht teuer genug sein, das Leben in vielen Banken war ein einziger Exzess. In den USA überlegen sie jetzt noch, ob sie Privatjets kaufen sollen. Die ticken so. Was können Banker von uns lernen? Bescheidenheit, Kundenfokus!
Und in der Schweiz zahlt die UBS mehr Boni aus, als vertraglich geschuldet wäre.
Das ist eine Frechheit sondergleichen. Genau wie die US-Banken, die vom Staat Geld verlangen, um Dividenden auszuzahlen. Die haben aus der Krise nichts gelernt.
Finden Sie es okay, dass der Steuerzahler eine Bank wie die UBS retten musste?
Diese Massnahmen mussten wohl einfach ergriffen werden. Gemessen am Ausmass der anderen Rettungsaktionen auf der Welt ist das Geld für die Rettung der UBS aber nur Nasenwasser. Unfassbar, was in den letzten Monaten passiert ist.
Die Banken hatten neben den Kosten auch die Risiken nicht unter Kontrolle.
Klar. Aber wer die Kosten im Griff hat, ist auch nicht permanent unter Druck, wahnsinnig kreative, aber riskante Produkte mit unglaublichen Renditen zu erfinden. Der Druck der Börse hat das noch verschärft. Und jetzt haben wir halt die Quittung für den Grössenwahn, der damals herrschte. Auf Dauer kann die Medizin aber nicht sein, dass Staaten zu Aktionären werden.
Was ist die richtige Medizin?
Staat und Wirtschaft müssen versuchen, neues Vertrauen zu schaffen. Jeder hat da seinen Beitrag zu leisten. Ich schaue, dass Mitarbeiter und Kunden von Denner Vertrauen in unser Unternehmen haben. Und die Politiker sollten endlich ehrlich sein. Wenn einer noch vor sechs Monaten sagte, er könne keine Krise erkennen, dann ist ihm nicht zu helfen. Bisher hiess die Devise, übrigens auch in der Wirtschaft: Aussitzen!
Weshalb?
In der Schweiz sind die Politik und der grösste Teil der Wirtschaft überfordert, weil es noch nie eine richtige Krise gab.
Haben Sie denn die Krise kommen sehen?
Nein. Ich staunte nur immer, wenn die Banken ihre Milliardengewinne bekannt gaben. Aber auch ich habe nicht kritisch hinterfragt, wie sie so viel Geld verdienen konnten Heute wissen wir es. Mir war aber stets klar, dass der Trend zum Leben auf Pump nicht lange gut gehen kann. Ich kann nicht für 100 Franken ein Produkt mit 1000 Franken Wert kaufen - aber so lief das lange.
Sie waren stets ein engagierter Befürworter des freien Marktes. Jetzt hat dieser Markt versagt. Haben Sie sich geirrt?
Nein. Aber wir haben einen Kollaps, da musste man handeln. Dabei sind immer noch fast alle globalen Banken bankrott. Die Bereinigung hat erst begonnen, auch viele Risikokapitalfirmen werden hopsgehen. Der Markt wird sich neu ordnen müssen.
Eröffnet die Krise auch Chancen?
Sicher, an diversen Orten. Nehmen Sie meine Beteiligungsgesellschaft Gaydoul Group. Fast alle Unternehmen sind heute vernünftiger bewertet als auch schon, und so ergeben sich mit Sicherheit spannende Gelegenheiten. Viele interessante Firmen sind von Risikokapitalfirmen aufgekauft worden und haben sich meist nicht gerade positiv entwickelt. Da hoffe ich schon, dass der eine oder andere verkaufen muss.
Wo wird die Gaydoul Group investieren?
Vier Sektoren sind definiert: Fashion, Accessoires, Sport und Beauty/Wellness. Wir wollen keine Sanierungsfälle, wir wollen die klare Mehrheit haben, das Unternehmen muss das Potenzial für eine Internationalisierung haben, und es muss ein Wachstumsmarkt sein. Schliesslich muss uns eine Marke emotional ansprechen. Idealerweise haben wir irgendwann drei bis vier Beteiligungen, die vielleicht sogar voneinander profitieren.
Detailhandel ist also kein Wachstumsmarkt?
Unsere erste Beteiligung, Navyboot, ist auch Detailhandel.
Der Kanton Zürich stimmt darüber ab, ob reiche Ausländer, die in der Schweiz keinem Erwerb nachgehen, weiterhin in den Genuss tiefer, pauschaler Steuern kommen sollen. Wie sehen Sie das?
Das ist eine riesige Schweinerei, ein Skandal. Ausländer sollen gefälligst gleich viel bezahlen wie wir. Ich fühle mich als Schweizer Steuerzahler versohlt, wenn diese Krösusse so günstig wegkommen. Und erst noch mit der Begründung, sie würden wegziehen, wenn sie gleich viel zahlen müssten wie wir Schweizer. Das stimmt überhaupt nicht: Die würden bleiben, denn es ist für sie immer noch viel billiger. Zudem ist die Lebensqualität hier höher als anderswo.
Aber es heisst, der Kanton Zürich profitiere von der Pauschalbesteuerung.
Im Gegenteil: Diese Leute treiben auch die Immobilienpreise so weit nach oben, dass sich Einheimische gar nichts mehr leisten können. Dabei leben die zum Teil nicht mal richtig dort. Hauptsache, es hat einen Briefkasten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.01.2009, 14:04 Uhr
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