Ausland günstig wie nie, Schweiz teuer wie eh und je

Von Alexander Hämmerli. Aktualisiert am 10.07.2009

Die Hotelpreise in Schweizer Städten bleiben hoch. Im Ausland stürzen die Tarife dagegen reihenweise ab.

Das Doppelzimmer für CHF 450.- (ohne Frühstück): Hotel Viktoria-Jungfrau in Interlaken.

Das Doppelzimmer für CHF 450.- (ohne Frühstück): Hotel Viktoria-Jungfrau in Interlaken.

Die Wirtschaftskrise kann den Hotelpreisen in der Schweiz offenbar kaum etwas anhaben: Eine Übernachtung in einem durchschnittlichen Doppelzimmer in Genf kostet heute drei Prozent, in Lausanne sogar fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Preise in Zürich, Basel und Bern sind zwar gesunken, allerdings nur leicht. Dies, obwohl die Hotelauslastung derzeit stark schrumpft, insbesondere weil viele Unternehmen bei den Geschäftsreisen sparen.

In den Metropolen des europäischen Auslands übernachtet man heute dagegen so günstig wie schon lange nicht mehr: Im Vergleich zum Vorjahr sind die gesamteuropäischen Durchschnittspreise um 14 Prozent gesunken, wie aus einer Studie des Reiseinformationsportals Trivago hervorgeht. Am stärksten sind die Abschläge in spanischen Städten, etwa in Barcelona oder Madrid (siehe Tabelle). Dort gehen die Preisnachlässe deutlich über die Marke von 30 Prozent hinaus, was auf einen Preiskampf unter den Hotelbetreibern schliessen lässt.

Eine ähnliche Preisspirale wollen die Hoteliers in der Schweiz unbedingt vermeiden: «Preissenkungen kommen in den Schweizer Städten einem Verdrängungswettbewerb gleich», erklärt Christian Laesser, Professor für Tourismus an der Universität St. Gallen. «Denn der Kuchen wird auch mit tieferen Preisen nicht grösser.» Stattdessen würde ein einseitiger Preisabschlag lediglich bewirken, dass Kunden von anderen Hotels in derselben Stadt abgeworben würden. Da diese dann nachziehen müssten, würde dies zu allgemein tieferen Margen führen. «Tiefe Preise locken zwar kurzfristig zusätzliche Gäste an, diese können die Ertragseinbussen jedoch auf Dauer kaum wettmachen», warnt deshalb Hotelleriesuisse-Sprecherin Susanne Daxelhoffer.

Angst vor Dumpingpreisen

Der Hoteldachverband vertritt zudem den Standpunkt, dass langfristig tiefe Preise gefährlich seien. Da sich die Kunden an die «Dumpingpreise» gewöhnten, so die Befürchtung, könnte man diese nicht so schnell wieder auf ein «angemessenes Niveau» erhöhen.

Hotelleriesuisse ermuntert darum ihre Mitglieder, Gästen mit Zusatzleistungen einen Mehrwert zu bieten. Hoteldirektoren offerieren Stammgästen etwa vermehrt Upgrades zu besseren Zimmern oder einen freien Zugang ins Internet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2009, 12:19 Uhr

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