Wirtschaft

Autofahrer stürmen Total-Tankstellen

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 24.02.2010 4 Kommentare

Der Streik beim Ölkonzern führt zu Hamsterkäufen in ganz Frankreich. Die Reserven gehen zur Neige.

Bis hinaus auf die Strasse standen sie Schlange, unten an der Tankstelle bei der Corniche von Marseille, am frühen Morgen schon. Und überall in Frankreich. Seit einer Woche werden die sechs nationalen Raffinerien des grossen Energiekonzerns Total schon bestreikt, seit Montag auch einige der Konkurrenz. Das Fernsehen zeigte Bilder von Hunderten Tankwagen, die ihrerseits stundenlang vor den Raffinerien Schlange standen. Laut Experten könnte binnen sieben bis zehn Tagen eine ernsthafte Benzinknappheit eintreten. Viele Tankstellen sind schon trocken.

Mit 7,8 Milliarden nicht zufrieden

Das ist ganz im Sinn der Gewerkschaften. Sie wollen den Konzern davon abbringen, die Raffinerie im nordfranzösischen Dunkerque aufzugeben. Seit September steht das Werk dort still – unrentabel, weil es seine Überkapazitäten an Benzin nicht mehr loswird. In Frankreich ist der Benzinabsatz in den letzten Jahren um ein weiteres Viertel zugunsten von Diesel geschrumpft; und in den USA, wo Total früher einen Grossteil seiner Überproduktion verkaufen konnte, ist die Nachfrage in der Krise ebenfalls stark zurückgegangen. 100 Millionen Euro verliert Total deshalb jeden Monat.

Für die Gewerkschaften ist das aber noch kein Grund für eine definitive Schliessung in Dunkerque. Und man kann es ihnen nicht verdenken: Total hat dieser Tage bekannt gegeben, dass es im schwierigen vergangenen Jahr einen Gewinn von 7,8 Milliarden Euro erwirtschaftet habe. Zufrieden ist man aber nicht. Im Vergleich zu 2008 brach der Gewinn um 44 Prozent ein. Total plant Kostensenkungen. Gleichzeitig verspricht das Unternehmen, dass es allen Mitarbeitern der Raffinerie in Dunkerque einen Job anbieten werde. Doch das reicht denen nicht. Sie fordern eine Fortführung aller sechs Raffinerien.

Sarkozy schaltet sich ein

Der Arbeitskampf bekümmert mittlerweile auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy, vor allem aus politischen und wahltaktischen Gründen. Im bürgerlichen Lager befürchtet man, dass sich die Probleme beim Ölkonzern und deren Auswirkungen auf den Alltag der Franzosen negativ auf die Chancen bei den Regionalwahlen im März auswirken könnten. Diese sind ohnedies schon klein. Wenn nun auch noch der Eindruck entsteht, die Regierung sei als Vermittlerin unfähig, die Benzinversorgung im Land zu gewährleisten, wäre das ein zusätzliches Handicap.

Und so zitierte Sarkozy gestern Konzernchef Christophe de Margerie zu sich, um ihm ins Gewissen zu reden. Davor hatte sich schon der konservative Industrieminister, Christian Estrosi, mit viel Verve auf die Seite der Gewerkschaften geschlagen, was wohl auch der Wahlkampfstrategie geschuldet war. Doch Margerie verhiess nur, dass er während der kommenden fünf Jahre ausser der Raffinerie in Dunkerque keine weitere Anlage in Frankreich schliessen werde. Unten an der Corniche stehen sie wohl wieder Schlange. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2010, 04:00 Uhr

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4 Kommentare

hans zumstein

24.02.2010, 10:15 Uhr
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Das ist halt das Resultat, wenn man sich von Gewerkschaften erpressen und nötigen lassen muss. . . Das Streikrecht muss in Frage gestellt werden. Es darf nicht sein, dass Gewerkschaften ganze Volkswirtschaften (z.Bsp. Generalstreik in Griechenland) in den Abgrund treiben dürfen. Wo ist die Abgrenzung zur politischen Führung wenn Randgruppen (Gewerkschaften) legal soviel Macht ausüben dürfen? Antworten


Durinkowitz Christian

24.02.2010, 14:23 Uhr
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Das ist halt Frankreich, wenn die hier streiken dann richtig, nicht wie in Deutschland, ach ein paar Leute machen da mal bischen was und dann wird das vielleicht besser. Ne ne hier geht das ab, da werden gleich die Einfahren der anderen Gesllschaften mit blockiert, damit das auch richtig Wirkung hat! Ich wohne hier in Frankreich und bin davon voll betroffen, aber mit sowas muß man hier rechnen! Antworten



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