Wirtschaft

Bankenaufsicht liess sich von der UBS einlullen

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 15.09.2009 5 Kommentare

Die Aufsichtsbehörde hat die Symptome der Finanzmarktkrise nicht erkannt. Bei der UBS sah sie zu wenig genau hin. Die Krise selbst will sie aber gut bewältigt haben.

Nicht alles stimmte hinter der geputzten Fassade: Gebäude der UBS in Zürich.

Nicht alles stimmte hinter der geputzten Fassade: Gebäude der UBS in Zürich.
Bild: Reuters

Unter der nüchternen Überschrift «Finanzmarktkrise und Finanzmarktaufsicht» benotet die Aufsichtsbehörde Finma ihre eigene Rolle vor und während der Finanzmarktkrise. Bereits mit den ersten zwei Sätzen des 70-seitigen Berichts erteilt sie sich vorsorglich die Absolution: «Die Aufsichtsbehörden - wie auch Banken, Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfer, Zentralbanken, Finanzanalysten und Investoren - wurden weltweit vom Umfang und der Tiefe der aktuellen Finanzkrise überrascht. Die Ursachen und die davon ausgehenden Gefahren wurden von allen Beteiligten nur ungenügend erkannt.» Wer wollte der Schweizer Aufsichtsbehörde Unvermögen vorwerfen, wenn es auch alle anderen nicht besser gemacht haben?

Die Argumentation zieht sich durch den Bericht: «In dieser Hinsicht kann kein spezifisches Fehlverhalten schweizerischer Aufsichtsbehörden festgestellt werden. Sie waren in der Krisenfrüherkennung beziehungsweise Krisenverhinderung nicht besser oder schlechter als ihre Partnerbehörden.»

Mehr als ein Weisswasch-Bericht

Dennoch kann man den Autoren nicht unterstellen, dass sie ihr eigenes Verhalten einfach weisswaschen wollen. Der Bericht verweist auch auf wunde Punkte. So soll die Eidgenössische Bankenkommission (EBK, eine der Vorgängerorganisationen der Finma) im September 2005 das Risiko der UBS im US-Hypothekarmarkt thematisiert haben. Die UBS zerstreute die Besorgnis der EBK-Leute mit der Präsentation einer internen Studie. «Die Vertreter der EBK», heisst es dann im Bericht, «stellten damals keine spezifischen Fragen nach vergleichbaren Zahlen oder Studien aus der Marktrisikokontrolle.»

Einen Abschnitt später heisst es zu Ausführungen des UBS-Risikoverantwortlichen: «Die Zahlen entbehrten im Rückblick somit jeglicher Präzision.» Und nochmals weiter hinten im Bericht: «Die EBK hat dem Bilanzwachstum der UBS in Bezug auf die Risiken zu geringe Bedeutung beigemessen und ist der Argumentation der Bank in diesem Bereich zu unkritisch gefolgt.» Und auch die Risikopositionen der UBS haben die Aufseher nicht wirklich unter die Lupe genommen: «Die EBK verliess sich zu stark auf die Einschätzung der UBS (. . .) und zweifelte deren Angaben zu wenig an. Im Rückblick gab sich die EBK mit Aussagen der Bank - insbesondere den Einschätzungen der Risikokontrolle - zu schnell zufrieden.»

Kontrolleure ohne Erfahrung

Der Bericht gibt zwei Hinweise, weshalb das so geschehen konnte. Zum einen sind die Aufseher dem Sonntagsgesicht der UBS erlegen. «Vor Ausbruch der Krise galt die UBS sowohl bei den ausländischen Aufsichtsbehörden, der Prüfgesellschaft, den Ratingagenturen als auch bei der EBK als eine Musterschülerin.» Regelmässig glänzte sie mit ihrer Ertragskraft. Vor allem aber hatte sie den Ruf, eher risikoscheu zu sein.

Zum andern wurde die Grossbankenaufsicht der EBK ihrem Anspruch nicht gerecht. 2007 beschäftigte diese Abteilung 25 Mitarbeitende - darunter nicht eine Person mit Berufserfahrung in risikorelevanten Bereichen einer Grossbank. «Rückblickend bleibt festzustellen, dass es insbesondere an Seniorität sowie an ausgewählten praxiserfahrenen Spezialisten mangelte.» Inzwischen hat die Finma die Aufsicht gezielt mit zusätzlichen Fachkräften verstärkt.

«Euphorische Stimmung»

Der Auftrag der Aufsicht ist durch das damalige wirtschaftliche und politische Umfeld nicht erleichtert worden. Die makroökonomischen Bedingungen der westlichen Industriestaaten waren fast ideal. Trotz anhaltendem Wirtschaftswachstum hielten die Zentralbanken die Inflation unter Kontrolle. Dies verleitete nach dem Bericht «die Marktteilnehmer zu einer euphorischen Stimmung, wodurch die eingegangenen Risiken zunehmend vernachlässigt wurden». Eine Motion, mit der der damalige SP-Nationalrat Rudolf Strahm höhere Eigenmittelanforderungen im Bankengesetz verankern wollte, fand nicht die nötige politische Unterstützung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2009, 07:38 Uhr

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5 Kommentare

Stefan Meyer

15.09.2009, 08:17 Uhr
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3 Dinge die ich nicht verstehe: 1. S. 23, die UBS behauptet ein short exposure und suprime zu haben, hat aber effektiv eine long position 2. S. 11 Wie ist est möglich das sich Banken nur auf Einschätzung von Ratingagenturen verlassen 3. u.a. S. 11 Wie kann es sein, dass eine Konsolidierungspflicht besteht und Grossteil der Papiere in nicht konsolidierten Zweckgesellschaften sind. Antworten


Heinz Butz

15.09.2009, 09:59 Uhr
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Jetzt gebt doch endlich einmal Auskunft, was mit den 40'000 Millionen passiert, welche in der sogenannten Auffanggesellschaft für wertlose Papiere geparkt sind. Wann sehen die Schweizer Steuerzahler dieses Geld wieder, das ja eigentlich von uns vorgestreckt wurde? Welche Sicherheiten bestehen? Wie muss die UBS haften? Antworten



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