Wirtschaft
Bankierärger über die «US-Imperialisten»
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 27.08.2009 3 Kommentare
Es fallen starke Worte, wenn man sich in der Schweizer Privatbankenszene umhört. Christian Rahn, Partner und Jurist bei der Zürcher Privatbank Rahn & Bodmer, redet vom «wachsenden Rechtsimperialismus der USA». Christof Reichmuth, unbeschränkt haftender Gesellschafter bei der Luzerner Bank Reichmuth, nennt es einen «Beutezug der USA» – falls diese tatsächlich auch Ausländern eine Erbschaftssteuerpflicht auferlegen sollten.
Vorausgegangen ist die Ankündigung der St. Galler Privatbank Wegelin, sich aus dem US-Kapitalmarkt zu verabschieden. Kunden rät sie, nicht mehr direkt in US-Wertschriften zu investieren. Hintergrund dieser Entscheide ist die Absicht der USA, das Abkommen für qualifizierte Intermediäre (QI) zu verschärfen und die Erbschaftssteuer auf Ausländer auszudehnen.
Erst eine Drohkulisse, aber ...
Noch ist das neue QI-Regime erst im Entwurf vorhanden. Es existiert aber als Drohkulisse, wie es Reichmuth formuliert. Das genüge aber, um viele Leute zu verunsichern. Bei der Bank Reichmuth beobachte man die Entwicklung. Noch sei man nicht so weit, dass man den Kunden den Verkauf der US-Papiere empfehle.
Ähnliche Töne vernimmt man auch bei anderen Banken. «Wir sind daran, die Situation zu analysieren», sagt Rolf Aeberli, Geschäftsleitungsvorsitzender der Zürcher Privatbank Maerki Baumann. Ebenso Christian Rahn: «Auch wir machen uns solche Gedanken.» Noch habe man aber keine Entscheide wie Wegelin getroffen. «Wenn es aber so weit kommt, wie es die USA angedacht haben, wird Wegelin nicht allein dastehen.» Christof Reichmuth bezweifelt zwar, dass es so umgesetzt wird. Er fügt aber bei: «Die Gefahr ist da.» Aeberli verweist auf die entstandene Dynamik: «Die Begehrlichkeiten werden nicht zurückgehen.
Denn nicht nur die USA wollen ihre Verschuldungsproblematik lösen.» Diese Rechnung wird nach Meinung von Reichmuth aber nicht aufgehen. Gerade um den Schuldenberg zu finanzieren, könnten es sich die USA nicht leisten, ausländische Investoren zu vertreiben. «Jeder Krieg», so Reichmuth, «kennt nur Verlierer.» Wenn das ein Wirtschaftskrieg sei, wie behauptet werde, würden die USA mit ihrem grossen Kapitalbedarf zu den Verlierern gehören.
Die «weltweit aggressivste» Nation
Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin, rechnet in seinem neusten Anlagekommentar scharf mit den USA ab. Diese gehörten «unbestreitbar zu den weltweit aggressivsten Nationen». So wirft der tief bürgerlich verankerte Bankier der Weltmacht vor, viele Kriege – meist ohne Uno-Mandat – zu führen, Kriegsvölkerrecht zu verletzen, geheime Gefängnisse zu unterhalten, fragwürdige Regimes zu unterstützen und in «atemberaubender Doppelmoral» «Offshore-Oasen riesigen Ausmasses in Florida und Delaware» zu unterhalten.
Scharfzüngig polemisiert Hummler gegen «die cleveren Geister aus der amerikanischen Steuerbehörde IRS». An etwas hätten diese aber nicht gedacht: «Ihre einseitig auf Maximierung des Steuereinkommens ausgerichteten Regulierungsvorschläge gehen von einer völlig problemlosen, unangefochtenen Attraktivität der USA als Zielland für Investoren weltweit aus. Diese Annahme ist unseres Erachtens kreuzfalsch.» Hummler fügt bei, dass der Abschied aus dem US-Kapitalmarkt schmerze. Und doch müsse es heissen: «It’s time to say goodbye.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.08.2009, 21:59 Uhr



John Luternauer
Endlich redet einer Klartext. Ich gratuliere Herr Hummler zu seinem Mut. Die USA ist zu einem Schurkenstaat verkommen. Was sich diese Nation in den letzten 10Jahren geleistet hat, geht auf keine Kuhhaut. Die Bigotterie und die Doppelmoral sind atemberaubend. Für mich sind die USA gestorben! Antworten