Wirtschaft

Barclays wollte sich die UBS schnappen

Die UBS soll für die britische Grossbank Barclays im Sommer 2008 das Übernahmeobjekt Nummer eines gewesen sein. Heute dürfte sie froh sein, dass sie damals nicht zugriff.

Wollte sich die UBS einverleiben: Barclays Bank (im Bild: Bankomatenreihe in London).

Wollte sich die UBS einverleiben: Barclays Bank (im Bild: Bankomatenreihe in London).
Bild: Reuters

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Im frühen Sommer 2008 machten Gerüchte um eine Übernahme der stark angeschlagenen UBS (UBSN 13.16 2.02%) die Runde. HSBC sei interessiert, hiess es in der Presse. Auch der Name der Grossbank Barclays fiel. Analysten verwiesen diese Spekulationen damals ins Reich der Märchen; sie seien bewusst lanciert worden, um die Kurse nach oben zu bewegen.

Wie die «Financial Times» heute berichtet, hatten die Gerüchte indes durchaus einen wahren Kern: Trotz ihrer stark aufgeblähten Bilanzsumme und trotz der faulen Kredite in Milliardenhöhe war die UBS damals das favorisierte Übernahmeobjekt von Barclays gewesen. Laut FT präsentierte die Spitze von Barclays Capital, die Investmentsparte der Bank, an einer Sitzung im Juli 2008 die UBS «als beste Option», noch vor Lehman Brothers. Das bestätigten mehrere damalige und heutige Barclays-Manager. Die UBS selbst wollte den Bericht gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht kommentieren.

Privatbanking als Zückerchen

Von einer Fusion mit der UBS erhoffte sich Barclays Capital die globale Marktführerschaft im Aktiengeschäft zu übernehmen. Damit hätte sie ihr eigenes bereits starkes Fixed-Income-Geschäft (Obligationen, Währungen, Rohstoffe) ergänzen können. Als Juwel in der Krone galt aber das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS. Hier war die UBS damals weltweit führend. Zum Deal kam es dann bekanntlich aber nicht: Barclays griff stattdessen einige Wochen später bei Lehman zu und kaufte das Nordamerika-Geschäft der Investmentbank.

Den Plan einer Übernahme der UBS hatte die Bankführung von Barclays gefasst, nachdem sie gescheitert war, die marode niederländische Bank ABN Amro zu übernehmen. Den Zuschlag erhielt stattdessen eine Gruppe anderer Finanzkonzerne. Zwei Banken des Konsortiums, Royal Bank of Scotland Group und Fortis, überlebten danach nur dank Milliardenzuschüssen des Staates.

Verschrobene Wahrnehmung

Die Übernahmegelüste von Barclays sagen einiges über die damalige, verschrobene Wahrnehmung der Bankmanager in London aus: Selbst inmitten der grössten Finanzkrise seit der grossen Depression hätten sie nicht davor zurückgeschreckt, das Geld der Bank in ein so stark angeschlagenes Unternehmen wie die UBS zu stecken. Heute dürften die Manager von Barclays erleichtert sein, dass die Fusion nicht geklappt hat: Seit Juni 2008 musste die UBS toxische Papiere in der Höhe von über 50 Milliarden Franken abschreiben, Kunden zogen seither Vermögen in der Höhe von über 200 Milliarden Franken ab. Und noch ist die Bank nicht aus den roten Zahlen.

(dvp)

Erstellt: 16.03.2010, 12:43 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

18 Kommentare

willi aerne

16.03.2010, 17:04 Uhr
Melden

Schade, dass die Übernahme nicht geklappt hat. Da hätten die Schweizer jetzt ein Problem weniger und die Briten eines mehr! Antworten


Stefan Hostettler

16.03.2010, 16:58 Uhr
Melden

@ Heinz Martin: Auch ich hatte schon meine Erfahrungen mit diesen CFAs (aus den USA). Die waren nicht einmal im Stande, woechentliche Umsatzstatistiken richtig zu rapportieren. Und wohin uns diese ach so gut ausgebildeten Finanzprofis gebracht haben, darueber muessen wir heute wohl nicht mehr diskutieren, oder? Und zum Thema "hoehren" gebe ich nun meinen Senf nicht auch noch dazu. Antworten


Markus Stalder

16.03.2010, 15:18 Uhr
Melden

@Heinz Martin, sie haben noch nichts begriffen. Es kann ja nicht sein, dass ein Mensch eine Ausbildung schafft um dann soviel mehr zu garnieren wie der Durchschnitt. Wenn wir eine bessere, friedvollere Welt wollen, muss alles (mind. etwas) ausgewogen sein. Es bleibt nicht anderes übrig, als die bessere Welt anzustreben, die Entwicklung in die andere Richtung sieht nicht gut aus, auch für sie. Antworten


urs berger

16.03.2010, 14:56 Uhr
Melden

@Heinz Martin. Die Ausbildung 'CFA' beinhaltet einen wesentlichen Punkt 'Ethik'. Entweder vergessen CFA-Absolventen immens schnell, die Prüfung ist zu einfach oder die Bonis bekommen die nicht CFAs in den Banken. Zumindest die Punkte 1 und 2 könnten durch das Verhalten der Banker stark bestätigt werden. Antworten


Thomas Hessler

16.03.2010, 14:50 Uhr
Melden

@ Heinz Martin -- alle CFA - Holder sind ein reiner Filz, alle die es haben, muss man mal genau anschauen, dann weiss man warum ! CFA ist nicht schwer, habe es ja selber, aber lernen muss man schon; aber ob es wirklich hilft ???? Lieber einen normalen Menschenverstand als dieses Zerifikat - kaufen durch ein sog. Multiple-Choise-Übung - fragwürdig oder ? American style !!! Antworten


Anna Humbel

16.03.2010, 14:39 Uhr
Melden

Es ist wirklich langsam etwas viel. Jeden Tag ein neues Gerücht. Erst wollte angeblich die UBS Lehman Brothers aquirieren, dann wollte dies auch die Deutsche Banke. Nun wollte auch Barclays die UBS kaufen und dann haben sie doch bei Lehman Brothers zugeschlagen. Und alle wollten vielleich auch noch die ZKB kaufen. Ah ja, die ist ja kein AG. Also weiter zur CS und dann? Banque Lyonnais? Antworten


Fred Büchi

16.03.2010, 14:30 Uhr
Melden

Heinz Martin: Genau, Sie wollen das Gejammere nicht mehr hören! Da fängt bei normal Intelligenten das Umdenken an. Ich hätte einen Vorschlag: Lasst die Banken links liegen und uns allen wird nichts mangeln. Die unnötigen Banken natürlich ausgenommen. Antworten


Geri Maus

16.03.2010, 14:27 Uhr
Melden

@Roger Riger. Lieber Roger, als Lohn vielleicht nicht aber eventuell als Bonus? Nicht böse sein, aber so werden halt die Amis und die Londoner Guys bezahlt. Wohin ist wohl der grösste Brocken der 2,9MRD aus dem UBS-Bonus-Töpflein geflossen? Wir wissen es Beide, genau zu den Angelsachsen unseren lieben Arbeitskollegen. Die die immer alles besser wissen und drohen dass sie zur Konkurenz abwandern. Antworten


Geri Maus

16.03.2010, 14:22 Uhr
Melden

@Heinz Martin. So schwierig kann es ja auch nicht sein die Ausbildung zum Chartered Financial Analyst zu schaffen. Sie haben es ja gezeigt, auch mit mehreren Schreibfehlern in ihrem Statement. Bravo Herr CFA, jetzt habe ich echt noch mehr Vertrauen in die Jongleurkünste der Banken. Wie der Titel CFA erreicht werden kann? Siehe Google. Prüfung kann wiederholt werden bis es klappt. Alles klar? Antworten


Roger Riger

16.03.2010, 14:10 Uhr
Melden

@ Heinz Martin: Kein CFA hat 10, 20 oder mehr Mio CHF/EUR/USD als Lohn verdient - KEINER! Mit besten Grüssen, ein Finanzer aus der Mittelschicht Antworten


Urs M. Widmer

16.03.2010, 14:08 Uhr
Melden

Es geht doch nicht einmal um Höhe von Boni - sondern um Grundsätze + Zusammenhang. Männer haben da offenbar oft ein Vakuum im Hirn - dort, wo emotionaler Bezug zu Verantwortungen & Handlungen herzustellen wäre. Leider gibt es sogar eine Krankheit, die es verhindert, solche Bezüge herzustellen + solche Leute stehen oft sehr hoch auf der Leiter. Sie kennen keine Skrupel + sind erst noch entschuldigt Antworten


Peter Nis

16.03.2010, 14:08 Uhr
Melden

Das ist doch alles Blödsinn. Da wurde auch behauptet, dass die UBS Lehman Brothers kaufen wollte etc. Da könnte mal jemand aufhören in der Gerüchtesuppe zu rühren. Euer P. Nis Antworten


Alexandra Hamilton

16.03.2010, 13:59 Uhr
Melden

Finde ich immer wieder interessant, wie diese Loserbanker zuerst das Geld anderer vernichten, die Firma in den Boden fahren und sich durch eine Fusion zu retten versuchen, damit sie sich wieder als die Grössten feiern und sich die Bonis zuschieben können. Dies mit Hang zum Grössenwahn zu bezeichnen, wäre wohl nicht ganz falsch. Antworten


Heinz Martin

16.03.2010, 13:51 Uhr
Melden

Ich kann das gejammere der sogenannten "Mittelschicht" über Boni gar nicht mehr höhren! Holt Euch doch so eine Ausbildung zum Chartered Financial Analyst doch einfach selber! Mal sehen ob Ihr es überhaupt schafft! Antworten


robert holzwart

16.03.2010, 13:48 Uhr
Melden

gääähn, ubs wollte lehman kaufen, citi wollte cs kaufen, commerzbank wollte barclays kaufen..... diese geschichten lassen sich endlos fortschreiben. werden dadurch aber nicht spannender. wenn man die banken fragt, heisst es: wir schauen uns immer um, wir schauen uns alles an.... nochmals gääähn. Antworten


Marel Zürcher

16.03.2010, 13:48 Uhr
Melden

Weiterdenken Herr Fehlmann,,,Fusionen/Uebernahmen kosten Jobs. Wer bezahlt die? Antworten


Stephan Fehlmann

16.03.2010, 13:40 Uhr
Melden

Schade, hat es mit der Uebernahme nicht geklappt, die Schweiz hätte jetzt ein Problem weniger. Antworten


Beat Bünzli

16.03.2010, 12:58 Uhr
Melden

Hauptsache die Boni fliessen rekordmässig. Ist zwar nicht nachvollziehbar, aber die Ausreden werden trotzdem akzeptiert. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokale Suche

Marktplatz