Wirtschaft

Berlusconi steckt hinter seltsamer Medien-Fusion

Aktualisiert am 19.12.2009

Silvio Berlusconis konservativer spanischer Fernsehsender fusioniert mit einem Linksliberalen. Die Branche wundert sich.

Kuriose Fusion zweier Fernsehsender: Silvio Berlusconis Medieneinfluss in Spanien wächst.

Kuriose Fusion zweier Fernsehsender: Silvio Berlusconis Medieneinfluss in Spanien wächst.
Bild: Keystone

Der vom italienischen Ministerpräsidenten kontrollierte spanische TV-Sender Telecinco schliesst sich mit dem Konkurrenten Cuatro zusammen. Der aus der Fusion hervorgehende Sender wird der grösste Anbieter in Spanien im offen zugänglichen Fernsehen sein. Sein Anteil an den Einschaltquoten wird nach spanischen Medienberichten vom Samstag bei 25,2 Prozent liegen. Die gesetzlich zugelassene Höchstgrenze beträgt 27 Prozent.

Der Zusammenschluss ist die erste Fusion von zwei grossen privaten Fernsehanstalten in Spanien. Berlusconis Mediengruppe Mediaset wird an dem neuen Sender einen Kapitalanteil von 41 Prozent halten.

Die spanische Gruppe Prisa um die Zeitung «El País» wird mit 18 Prozent zweitgrösster Kapitaleigner sein. Die mit fünf Milliarden Euro verschuldete Prisa-Gruppe verkauft zudem an Telecinco 22 Prozent ihres Pay-TV-Anbieters Digital &. Der Preis wurde auf 0,5 Milliarden Euro beziffert.

Seltsame Fusion

Die Fusion von Telecinco und Cuatro wurde in Branchenkreisen als ein «merkwürdiger» Zusammenschluss bezeichnet, weil beide Seiten entgegengesetzte politische Richtungen vertreten. Berlusconis Mediengruppe gehört dem konservativen Lager an, dagegen ist Prisa linksliberal ausgerichtet.

Mit der Fusion kamen die beiden Sendern ihren Konkurrenten zuvor. Es gilt als praktisch sicher, dass die anderen beiden grossen spanischen Privatsender Antena 3 und La Sexta sich demnächst ebenfalls zusammenschliessen werden.

Beide Unternehmen hatten bereits Fusionsverhandlungen geführt und sich in wichtigen Punkten grundsätzlich geeinigt. Antena 3 und La Sexta verfügen zusammen über Einschaltquoten von 22,6 Prozent.

Die Fusionen bedeuten eine komplette Neuordnung auf dem spanischen TV-Markt. Die Sender reagieren damit auf die Wirtschaftskrise und den rapiden Rückgang ihrer Einnahmen.

Die Werbeeinnahmen des spanischen Fernsehens waren im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gesunken. (tan/sda)

Erstellt: 19.12.2009, 14:19 Uhr

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