Beschleunigter Abbau bei der Credit Suisse

Die Grossbank streicht im Investmentbanking mehr Stellen als bisher angekündigt und will die Kosten noch stärker senken. CS-Chef Tidjane Thiam versucht so, die Bank langweiliger machen.

«Da lief was falsch»: Tidjane Thiams Credit Suisse musste soeben 258 Millionen Dollar abschreiben. Foto: Chris Ratcliffe (Bloomberg)

«Da lief was falsch»: Tidjane Thiams Credit Suisse musste soeben 258 Millionen Dollar abschreiben. Foto: Chris Ratcliffe (Bloomberg)

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Viele Firmen nutzen die Quartalsergebnisse, um über den Geschäftsgang und die Ausrichtung der Firma zu informieren. Die Credit Suisse geht seit einigen Monaten einen anderen Weg: Sie gibt der Öffentlichkeit in immer kürzeren Abständen Einblicke in die Entwicklung. CS-Chef Tidjane Thiam hat im Oktober seine Ideen für die CS vorgestellt, im Februar wurden die Zahlen für das vierte Quartal 2015 vorgelegt, und gestern gab der Chef der zweitgrössten Schweizer Bank einen Einblick in Bereiche, die sich auch seither schlecht entwickelten. Davon gibt es offenbar einige. Die Bank beschleunigt nun ihren Um- und vor allem ihren Abbau.

Thiams gestrige Präsentation hatte es denn auch in sich. Besonders das Handelsgeschäft, das bei der CS Global Markets heisst, läuft schlecht. Der Start ins Jahr sei einer der schwächsten seit je gewesen, heisst es bei der CS. Nun streicht die Bank den zum Investmentbanking gehörenden Bereich zusammen. An der Börse kam das gut an, der CS-Aktienkurs stieg entsprechend.

Bei der CS werden daher über die bereits im Oktober kommunizierten 4000 Stellen hinaus weitere 2000 Stellen gestrichen. Davon betroffen sind die Niederlassungen in London und New York. Insgesamt sollen bereits 2800 Arbeitsplätze abgebaut worden sein. Damit nicht genug. Die Bank verschärft den Sparkurs weiter, die Kosten sollen von aktuell rund 20 Milliarden Franken auf unter 18 Milliarden Franken im Jahr 2018 sinken. Dieser Sparplan kostet aber erst einmal Geld. Zwar machte die CS gestern keine Angaben zum eigentlichen Geschäftsgang, doch liess die Führungsriege durchblicken, dass im ersten Quartal mit einem Verlust zu rechnen sei.

CS gleicht sich UBS an

Die von der Bank im Februar präsentierten Ergebnisse zum Vorquartal waren enttäuschend. Nun will die CS zeigen, dass sie rasch die Trendwende einleiten kann. Dafür will sie sparen. Die Bank will alleine in diesem Jahr die Kosten um 1,7 Milliarden Franken senken. Zudem soll die Investmentbank näher an das Vermögensverwaltungsgeschäft rücken. Dadurch wird das Geschäft der CS weniger kapitalintensiv und somit kostengünstiger. Mit dem Umbau wird die CS der grossen Konkurrentin UBS ähnlicher, welche diese Strategie schon seit einigen Jahren verfolgt. «Es ist nicht überraschend, dass sich die Banken ähnlicher werden, wenn sie dieselben Geschäfte attraktiv finden», so Thiam gestern zum Vergleich mit der lokalen Konkurrenz. Dennoch sieht er die seine Bank anders positioniert: Die CS soll durch ihre Kombination von Vermögensverwaltung und Investmentbank eine Bank für Unternehmer sein – damit sei sie einzigartig.

Das Handelsgeschäft ist aber nicht nur kapitalintensiv, es sorgt auch immer wieder für negative Überraschungen. Einige CS-Händler haben offenbar auf das falsche Pferd gesetzt und in notleidende Kredite sowie kaum handelbare Vermögenswerte investiert. Die CS musste daher im laufenden ersten Quartal bereits 258 Millionen Dollar abschreiben. «Da lief etwas falsch», sagte Thiam an der gestrigen Analystenkonferenz. Das Top-Management sei vom Ausmass der Fehlinvestitionen überrascht gewesen und habe erst im Januar davon erfahren. Die Verantwortlichen für die verlustreichen Geschäfte seien bereits gefunden und zur Rechenschaft gezogen worden. In welcher Form sagte der CS-Chef nicht. Aber er betonte: Es brauche eine neue Risikokultur in der Bank. Diese müsse künftig langweiliger werden. Ein solcher Wandel könne allerdings nicht über Nacht geschehen. Doch nicht nur dieser Kulturwandel dürfte den CS-Chef noch eine Weile beschäftigen, auch die Stärkung der Kapitalbasis zieht sich hin. Für das aktuelle Jahr ist eine Kernkapitalquote zwischen 11 und 12 Prozent das Ziel. Zuletzt lag sie bei 11,4 Prozent – also im angestrebten Bereich.

Um die Kapitalquote weiter zu stärken, sollen nicht nur der Abbau der Handelsaktivitäten und den Börsengang der Schweizer CS-Bank dienen, sondern auch der Verkauf von Immobilien und nicht mehr interessanten Geschäftsbereichen. Thiam sagt aber nicht, was verkauft werden soll. Zudem hat die CS gestern auch bekannt gegeben, dass Verkäufe nicht unbedingt Einnahmen bringen. Jener der Tochterfirmen in Monaco und Gibraltar an Safra Sarasin wird die Bank nämlich Geld kosten. Dafür soll der Deal aber die Kapitalbasis stärken.

Joint Venture mit US-Firma

Dar schlechte Geschäftsgang werden die CS-Mitarbeiter an den Boni spüren. Dieses Jahr werden von der CS kleinere Prämien ausgeschüttet. Einzelne Abteilungen erhalten sogar gar keinen Bonus. Thiam hat selber darum gebeten, seinen Bonus zu reduzieren. Wie viel er verdient, wird heute bekannt, wenn die Bank ihren Geschäftsbericht vorlegt.

Auf Kurs sei der Börsengang der Schweizer CS. Im zweiten Halbjahr 2017 soll es so weit sein. Die Banklizenz für die neue Gesellschaft sei beantragt. Zudem ging die CS kürzlich ein Joint Venture mit der US-Firma Palantir ein. Die gilt derzeit als eines der interessantesten Technologieunternehmen der USA. Hinter der Firma steht Peter Thiel, einer der wichtigsten Investoren in neue Technologien. Das gemeinsame Unternehmen heisst Signac. Es soll der CS helfen, ihren Mitarbeitern auf die Finger zu schauen und solche mit krimineller Energie früher zu erkennen.

Eine solche Technologie kann die CS offenbar gut gebrauchen. Die Bank ist seit einigen Wochen mit einem bedeutenden Rechtsfall in der Genfer Niederlassung beschäftigt. Der ehemalige georgische Premierminister Bidsina Iwanishwili geht gegen die CS und seinen früheren Kundenberater vor. Der Berater habe das Geld des Kunden verloren, so der Vorwurf.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.03.2016, 22:59 Uhr)

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