Blochers neue Karriere als Firmen-Götti

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 30.05.2009

Die Politik lastet Ex-Bundesrat Christoph Blocher nicht aus. Der frühere Ems-Mehrheitsaktionär träumt davon, einer Grossfirma aus der Patsche zu helfen.

Christoph Blocher feiert im Herbst seinen 69. Geburtstag. Doch er fühlt sich offensichtlich nicht ausgelastet, als Vizepräsident der SVP deren Strategie zu bestimmen. Nur Monate nach dem Rauswurf aus dem Bundesrat gründete er die Firma Robinvest in Männedorf. Über diese Holding beteiligte er sich an «kleineren Firmen, die in der Krise unternehmerischen Rat und Risikokapital brauchen».

Was sind das für Unternehmen? «Es sind alles Industriefirmen, zwei Elektronikfirmen, eine im Bereich Werkstoffe und ein Maschinenbauer», wird Blocher konkreter. «Das sind kleinere Firmen, die noch zu wenig etabliert sind für die Börse. Sie brauchen in einer Rezession neues Risikokapital, einen Mitunternehmer und meine Führungserfahrung.»

Eine Knacknuss sei das richtige Mass an Kontrolle. «Zum Teil habe ich eine Kapitalmehrheit, zumindest aber eine massgebliche Beteiligung, um notfalls auch mitbestimmen zu können», so Blocher. Namen will er partout nicht nennen. Die betreuten Unternehmer müssten Unternehmer bleiben: «Sobald es heisst, der Blocher ist dabei, dann steht der Betreffende im Schatten, und das will ich nicht.»

«Ich will Kontrolle»

Nicht geklappt hat bisher die Übernahme eines grösseren Unternehmens. Zwar seien mehrere, teilweise auch börsenkotierte Firmen, «die in Not sind», auf ihn zugekommen. «Aber bis jetzt kam für mich keines der Objekte in Frage», sagt Blocher. Oder man habe sich nicht einigen können: «Wenn ich Risiko nehme, will ich auch Kontrolle. Oft wollen die Inhaber aber die Mehrheit oder zumindest die Kontrolle behalten.»

Ihn reize es, eine Firma zu übernehmen, die in einem schlechten Zustand und schlecht geführt sei, bei der man aber sehe, dass sie mit einer guten Führung saniert werden könnte, sagt Blocher. Er suche jedoch nicht aktiv nach solchen Sanierungsfällen: «Ich muss mir ja nichts mehr beweisen. Wenn jedoch Not am Mann ist, stehe ich zur Verfügung.»

Wie viel Geld kann Blocher einsetzen? Einige Hundert Millionen Franken dürften es schon sein. Sein Anteil am blocherschen Familienvermögen (laut «Bilanz» 2 bis 3 Milliarden) dürfte zwar viel höher sein. Aber: «Ein grosser Teil ist in Form von Darlehen an meine Kinder gebunden», sagt Blocher. «Die Darlehen will ich ihnen natürlich nicht wegnehmen.»

Blocher hat seine Firmen, als er Bundesrat wurde, an die Kinder verkauft, jedoch zu einem Preis, der sie auf Trab hält: «Sie müssen die Darlehen verzinsen und darum von morgens bis abends dahinter sein. Werden Firmen gratis abgegeben, dann steigt es leicht in den Kopf.»

Industrie gleitet tiefer in die Rezession

Nicht sehr optimistisch ist der frühere Chemie-Unternehmer punkto Rezession. Die Banken hätten wohl den Boden erreicht, obwohl auf den Herbst hin in den Bankbilanzen neue Risiken bei ausstehenden Krediten auftauchten.

«Die schweizerische Industrie dürfte jedoch erst gegen den Herbst hin so richtig in die Rezession kommen, weil dann die Auftragspolster weg sind und wenig neue Aufträge kommen.» Vor 2010 sehe er in der Industrie keine Bodenbildung. Nicht nur eine Hochkonjunktur, «auch eine Rezession dauert jeweils ein paar Jahre», sagt Blocher: «Darum sehe ich vor 2010 und 2011 keinen Aufschwung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2009, 14:07 Uhr

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