«Bond Star» sorgt sich um den Euro

Der Investmentfonds-Manager Michael Hasenstab hat sein Geld aus Europa abgezogen. Er nennt das einen «Hedge gegen Populismus».

Will nichts mehr wissen vom Euro: Investmentfonds-Manager Michael Hasenstab.

Will nichts mehr wissen vom Euro: Investmentfonds-Manager Michael Hasenstab. Bild: Brent Lewin (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist Herr über 41 Milliarden Dollar, und etwas weiss Michael Hasenstab genau: In den Euro wird er dieses Geld nicht mehr investieren. Hasenstab managt einen Fonds des kalifornischen Vermögensverwalters Franklin Templeton. «Wenn in Europa alles normal wäre, würde ich sagen, dass der Euro wahrscheinlich ein bisschen unterbewertet ist», sagt Hasenstab zur «Financial Times». Gute Voraussetzungen eigentlich, um in eine Währung zu investieren. Doch es sei eben nicht alles normal.

«Wenn die Menschen beginnen, die Grundlage infrage zu stellen, die Legitimität einer Währung, dann ist das eine strukturelle Veränderung», sagt Hasenstab. Was er damit meint, zeigt der aktuelle Wahlkampf in Frankreich: Die populistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen will bei einem Wahlsieg die Eurozone verlassen und zu einer nationalen Währung zurückkehren. Dass er vom Euro fernbleibe, sei deshalb eine «Absicherung gegen Populismus», sagt Hasenstab. Lieber investiere er sein Geld in Anleihen von lateinamerikanischen Staaten, die sich vom Erbe populistischer Regierungen erholten, als in solche, in denen der Populismus sich ausbreite.

Mit Krisenländern Geld verdient

Dass gerade Hasenstab sich aus Europa zurückzieht, ist auch deshalb interessant, weil er hier vor wenigen Jahren noch viel Geld verdient hat. 2011 investierte er mit seinem Fonds grosse Summen in irische Staatsschulden – zu einer Zeit, als das Land in einer tiefen Krise steckte. Schon damals wurde der Euro infrage gestellt, Investoren zogen ihre Gelder ab. Doch Hasenstab liess sich nicht abhalten und verdiente Milliarden, während Irland sich erholte. Die US-Wirtschaftsplattform Bloomberg bezeichnete den Mittvierziger deshalb auch schon als «Bond Star».

Heute ist die Situation laut Hasenstab eine andere als 2011. In Ungarn etwa, wo er früher ebenfalls hohe Summen investierte, ist mit Viktor Orban ein Mann an der Macht, der «Brüssel stoppen», die Grenzen schliessen und Migration unterbinden will. Man wisse nicht, wo dieser Nationalismus hinführen werde, sagt Hasenstab. Aber es sei absehbar, dass die Treiber – Immigration, Terrorismus, die Flüchtlingskrise – sich nicht verflüchtigen werden.

Erinnerungen an George Soros

Hasenstabs «Wette gegen den Euro», wie die «Financial Times» seine Investment-Strategie nennt, erinnert zumindest begrifflich an den legendären Investor George Soros. 1992 verdiente er mehr als eine Milliarde Dollar, indem er gegen das britische Pfund wettete. Grob zusammengefasst ging das so: Soros nahm Kredite in Pfund auf und verkaufte sie gegen andere Währungen. Die britische Notenbank versuchte, die Währung mithilfe von Stützungskäufen und Zinserhöhungen zu stabilisieren, doch das funktionierte nicht. Schliesslich musste Grossbritannien aus dem Europäischen Währungssystem austreten und das Pfund abwerten – woraufhin Soros es billiger zurückkaufen konnte.

1992 sei die Finanzwelt allerdings eine andere gewesen, schreibt das Fachportal Priceonomics.com. Hedgefonds seien im öffentlichen Bewusstsein noch nicht besonders präsent gewesen, Kapitalverkehrskontrollen waren gerade erst aufgehoben worden, und den 24-Stunden-Nachrichtenzyklus gab es damals noch nicht. Auch wenn Hasenstabs Wette also nicht dieselben Folgen haben wird: Optimistisch stimmt sie nicht. (fko)

Erstellt: 19.03.2017, 12:46 Uhr

Artikel zum Thema

Put, Gold, raus – Soros wettet auf Absturz

Die Investoren-Legende riecht einen Taucher und handelt. Die gute Nase bewies er schon im Kampf gegen die Bank of England. Mehr...

«Vielleicht sollte Europa den Euro aufgeben, um Europa zu retten»

Joseph Stiglitz über die Eurokrise, die Gefahren des Sich-Durchwurstelns und wie er die Währung retten würde. Mehr...

«Vielleicht sollte Europa den Euro aufgeben, um Europa zu retten»

Joseph Stiglitz über die Eurokrise, die Gefahren des Sich-Durchwurstelns und wie er die Währung retten würde. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Er hängt in den Seilen: Ein junger roter Vari staunt Bauklötze im Zoo von Köln. (27. April 2017)
(Bild: Sascha Steinbach (EPA, Keystone)) Mehr...