Wirtschaft
Boni für Manager mit glücklichen Mitarbeitern
Aktualisiert am 01.04.2010 12 Kommentare
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Immerhin, transparent sind die Bedingungen der Credit Suisse, unter welchen die Bank Boni an ihre Manager auszahlt. Massgebend bei dem jetzt zur Ausschüttung gelangenden Programm waren vor allem der Vergleich mit der Konkurrenz sowie der Aktienkurs. Aber reicht das, um von einem Unternehmen zu behaupten, es seit gut unterwegs?
Beim französischen Telekomriesen France Télécom ( 14.92 -2.36%) kam man zu einem anderen Schluss. Jüngst kommunizierte der neue Chef des Unternehmens, Stephane Richard, die Ausschüttung der Extrazahlungen für die rund 1100 Manager würden künftig an soziale Kriterien gebunden. Der Konzern beschäftigt alleine in Frankreich 102'000 Mitarbeiter. Zehntausende kommen bei den Auslandtöchtern dazu.
30 Prozent an soziale Kriterien gebunden
Natürlich kommt die Ankündigung vor dem Hintergrund einer Selbstmordserie bei den Mitarbeitern des Unternehmens. 35 Menschen begingen innerhalb der letzten zwei Jahre Suizid. Schuld daran solle das miserable Betriebsklima sein, hiess es von Seiten der Gewerkschaften. Der Konzern habe beim Umbau seine Mitarbeiter teilweise total überfordert.
Anfang dieses Jahres hatte France Télécom die Notbremse gezogen und nach einer Untersuchung Massnahmen angekündigt. Dass Firmen-Boss Richard nun 30 Prozent der variablen Vergütungen ans Management daran binden will, wie es um die Mitarbeiterschaft steht, rechnen ihm die Gewerkschaften hoch an. Sie werten es gar als Schuldeingeständnis von Seiten der Betriebsführung.
Lässt sich Zufriedenheit messen?
Konkret werden künftig die Krankheitstage und die Zufriedenheit der Mitarbeiterschaft genauso massgebend für Boni sein, wie der finanzielle Erfolg des Unternehmens. Dass Richard nicht zu 100 Prozent auf soziale Kriterien setzt kann ihm niemand verübeln. Schliesslich soll ja auch noch Anreiz da sein, dass das Unternehmen Gewinne schreibt. Das ist überlebenswichtig.
Kritiker mögen bemängeln, soziale Kriterien liessen sich nicht messen. Es mag sein, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter schwieriger in Zahlen zu fassen ist, als Gewinn und Aktienkurs. Allein schon der Versuch, sollte aber gelobt werden.
Konzern erkennt sein wichtigstes Kapital wieder
Überhaupt scheint France Télécom seine Mitarbeiter als wichtigstes Kapital wiedererkannt zu haben. Als weitere Massnahme zur Verbesserung des Betriebsklimas beschloss das Unternehmen, seine 800 Standorte in Frankreich mit einer Renovation äusserlich aufzufrischen. Dutzende weitere Massnahmen aus dem 88-Punkte-Plan sollen dafür sorgen, dass sich der arbeitende Mensch bei France Télécom wieder wohl fühlen kann.
Der französische Telekomriese war bis 1997 unter der kompletten Kontrolle des Staates. Die ab dann begonnene Privatisierung hat dazu geführt, dass die Beteilung der öffentlichen Hand auf 26 Prozent heruntergefahren wurde. (cpm)
Erstellt: 01.04.2010, 11:33 Uhr
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12 Kommentare
St.Frehner. Also in der heutigen Zeit kann weder von viel Freizeit noch von guten Löhnen (ausser von Dumpinglöhnen natürlich) die Rede sein! Jedenfalls finde ich sehr lobenswert,dass dieser Konzern erkannt hat, vorauf es wirklich ankommt!Hoffentlich greift dieser positive "Virus" durch sämtliche Betriebe durch!AN sollen volle Leistung bringen,kosten darf es aber nichts,so geht's auch nicht! Antworten
Was soll`s!! Wenn schon die beratende Wirtschafts- und Finanzkommission des Ständerates die separate Bonisteuer zur Ablehnung empfiehlt. Hoffentlich ist sich der Ständerat und Nationalrat seiner Verantwortung bewusst. Ich frage mich, wie weit sich diese Kommissionen durch die Hochfinanz steuern lassen. Den ganzen Boniaffären/Boniskandalen müssen auf dem Gesetzesweg unbedingt Einhalt geboten werden Antworten
Mit diesen 30% hat Télecom France ein vorbildliches und bemerkenswertes Zeichen gesetzt im Kampf gegen Raff und Gier! Dies sollte meiner Meinung auch hier zu Lande unbedingt Schule machen. Ein Fanal für die Menschlichkeit. Mit positiver Wirkung auf Leistung, Gesundheit, Lebensqualität und schliesslich auch auf die Gesundheitskosten. Gründe genug, diese Massnahme gesetzlich zu verankern. Antworten
Sehr sinnvoll, aber nicht ganz einfach. Es kann nicht sein, dass Versicherungsnehmer und Steuerzahler für collateral damage von Mobbing, Gier, etc. aufkommen müssen. Sobald Burn-outs, Suizide, Fluktuationen, u.a. soziale Komponenten Einfluss auf Entschädigungshöhe der Manager hat, werden sich wichtige Aspekte substantiell verbessern. Anstand, Ordnung, Fairness, Respekt, Ehrlichkeit, Team-Spirit... Antworten
Wie bekannte Beispiele zeigen,gelten keine objektive Kriterien für Boni,die dem einfachen Mitarbeiter Chancen bieten, sich auch zu beteiligen. Führungs-Gruppen von ein paar hundert Leadern teilen sich das Meiste der Millionen- oder Milliarden-Beute auf, auch ohne Erfolgsausweis, wie das unglaubliche Beispiel von CS- und SwissRe Kielholz zeigt. Kein Leistungsausweis,aber schamlos Kasse machen... Antworten
Bei einem grossen Versicherungskonzern wird ein Bonus für das vergangene Jahr (!) nur ausgeschüttet, wenn man vor der schriftlichen Bekanntmachung kündigt. Nur fällt diese jeweils immer im März oder April aus. Das heisst, man "darf" im Prinzip gar nicht von Jan-März kündigen, ohne dass man bestraft werden will. Eine pro rata tempori-Regel kennt das Unternehmen schon gar nicht... Antworten





Sibylle Weiss
Ch.Castelmur; hier sprechen resp.schreiben Sie ein wahres Wort,besonders was die Versicherung angeht,welche glaubt,wenn sie die Prämien in die Höhe schiessen lässt,machen sie die Kosten wieder weg.Dies ist eine symptomatische aber keine Kausalbehandlung.Kausalbehandlung wäre weg mit dem Mobbing u.als Folge keine Burnouts mehr,demzufolge weniger KK-Kosten. Antworten