Boni für Manager mit glücklichen Mitarbeitern

Aktualisiert am 01.04.2010 12 Kommentare

An welche Bedingungen sollen Extrazahlungen gebunden werden? Aktienkurs, Firmengewinn und Branchenvergleich? Nein, sagt einer der grössten Konzerne Europas. Boni gibt's, wenn die Mitarbeiter selten krank sind.

Der Manager mit dem neuen Boni-Plan: Franc-Télécom-Chef Stephane Richard.

Der Manager mit dem neuen Boni-Plan: Franc-Télécom-Chef Stephane Richard.
Bild: Reuters

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Immerhin, transparent sind die Bedingungen der Credit Suisse, unter welchen die Bank Boni an ihre Manager auszahlt. Massgebend bei dem jetzt zur Ausschüttung gelangenden Programm waren vor allem der Vergleich mit der Konkurrenz sowie der Aktienkurs. Aber reicht das, um von einem Unternehmen zu behaupten, es seit gut unterwegs?

Beim französischen Telekomriesen France Télécom ( 12.98 0.00%) kam man zu einem anderen Schluss. Jüngst kommunizierte der neue Chef des Unternehmens, Stephane Richard, die Ausschüttung der Extrazahlungen für die rund 1100 Manager würden künftig an soziale Kriterien gebunden. Der Konzern beschäftigt alleine in Frankreich 102'000 Mitarbeiter. Zehntausende kommen bei den Auslandtöchtern dazu.

30 Prozent an soziale Kriterien gebunden

Natürlich kommt die Ankündigung vor dem Hintergrund einer Selbstmordserie bei den Mitarbeitern des Unternehmens. 35 Menschen begingen innerhalb der letzten zwei Jahre Suizid. Schuld daran solle das miserable Betriebsklima sein, hiess es von Seiten der Gewerkschaften. Der Konzern habe beim Umbau seine Mitarbeiter teilweise total überfordert.

Anfang dieses Jahres hatte France Télécom die Notbremse gezogen und nach einer Untersuchung Massnahmen angekündigt. Dass Firmen-Boss Richard nun 30 Prozent der variablen Vergütungen ans Management daran binden will, wie es um die Mitarbeiterschaft steht, rechnen ihm die Gewerkschaften hoch an. Sie werten es gar als Schuldeingeständnis von Seiten der Betriebsführung.

Lässt sich Zufriedenheit messen?

Konkret werden künftig die Krankheitstage und die Zufriedenheit der Mitarbeiterschaft genauso massgebend für Boni sein, wie der finanzielle Erfolg des Unternehmens. Dass Richard nicht zu 100 Prozent auf soziale Kriterien setzt kann ihm niemand verübeln. Schliesslich soll ja auch noch Anreiz da sein, dass das Unternehmen Gewinne schreibt. Das ist überlebenswichtig.

Kritiker mögen bemängeln, soziale Kriterien liessen sich nicht messen. Es mag sein, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter schwieriger in Zahlen zu fassen ist, als Gewinn und Aktienkurs. Allein schon der Versuch, sollte aber gelobt werden.

Konzern erkennt sein wichtigstes Kapital wieder

Überhaupt scheint France Télécom seine Mitarbeiter als wichtigstes Kapital wiedererkannt zu haben. Als weitere Massnahme zur Verbesserung des Betriebsklimas beschloss das Unternehmen, seine 800 Standorte in Frankreich mit einer Renovation äusserlich aufzufrischen. Dutzende weitere Massnahmen aus dem 88-Punkte-Plan sollen dafür sorgen, dass sich der arbeitende Mensch bei France Télécom wieder wohl fühlen kann.

Der französische Telekomriese war bis 1997 unter der kompletten Kontrolle des Staates. Die ab dann begonnene Privatisierung hat dazu geführt, dass die Beteilung der öffentlichen Hand auf 26 Prozent heruntergefahren wurde. (cpm)

Erstellt: 01.04.2010, 11:33 Uhr

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12 Kommentare

schnyder marc

01.04.2010, 11:37 Uhr
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Bei einem grossen Versicherungskonzern wird ein Bonus für das vergangene Jahr (!) nur ausgeschüttet, wenn man vor der schriftlichen Bekanntmachung kündigt. Nur fällt diese jeweils immer im März oder April aus. Das heisst, man "darf" im Prinzip gar nicht von Jan-März kündigen, ohne dass man bestraft werden will. Eine pro rata tempori-Regel kennt das Unternehmen schon gar nicht... Antworten


Peter Wicki

01.04.2010, 11:40 Uhr
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Werden die Mitarbeiter jetzt gezwungen, zufrieden zu sein, damit der Chef seinen Bonus abholen kann? Und wenn man krank ist, ist man krank, das muss nicht etwas mit dem Betriebsklima zu tun haben. Antworten



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