Bundesräte rügen UBS: «Den Gürtel enger schnallen»

Trotz Sparkurs der Grossbank: Der Bundesrat stört sich an den ausgeschütteten Boni. Jetzt fordert Doris Leuthard die UBS auf, nochmals «über die Bücher» zu gehen. Und auch Hans-Rudolf Merz ist unzufrieden.

Unzufrieden mit den UBS-Boni: Bundesrätin Doris Leuthard.

Unzufrieden mit den UBS-Boni: Bundesrätin Doris Leuthard.
Bild: Keystone

Angesichts eines Verlusts von 2 Milliarden Franken im ersten Quartal 2009 haben die Bundesräte Doris Leuthard und Hans-Rudolf Merz die geplanten Boni von 4 Milliarden Franken bei der UBS kritisiert. Das Thema sei für das nächste Gespräch zwischen Merz und der UBS-Leitung traktandiert.

In einem Interview mit Schweizer Radio DRS forderte Leuthard die UBS auf, «nochmals über die Bücher» zu gehen, bevor Boni in dieser Höhe ausbezahlt würden. «Ich erwarte, dass alle den Gürtel enger schnallen - ohne Ausnahme.»

Boni könnten gesperrt werden

Ein Verzicht auf Bonus-Zahlungen müsse diskutiert werden, sagte Leuthard. Die Volkswirtschaftsministerin stellte auch eine Sperrung oder eine Verschiebung der Boni zur Debatte.

Die Boni müssten hinterfragt werden, sagte auch Bundespräsident Merz gegenüber Schweizer Radio DRS. Merz schloss nicht aus, dass die Aufsichtsbehörden eingreifen, falls sie den Eindruck erhielten, dass marktwidrig vorgegangen worden sei.

Bund war über Stellenabbau informiert

Der geplante Abbau von 2500 Stellen in der Schweiz kommt für Leuthard nicht überraschend, wie sie sagte. Die UBS habe den Bund und den am stärksten betroffenen Kanton Zürich gut informiert.

Es gelte, die vom Abbau Betroffenen möglichst schnell wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Dabei komme das übliche Instrumentarium der Arbeitslosenversicherung zur Anwedung. Leuthard verwies insbesondere auf Umschulungs- und Weiterbildungsangebote.

(oku/sda)

Erstellt: 15.04.2009, 19:53 Uhr

27 KOMMENTARE

Walter Kunz

16.04.2009, 10:21 Uhr

Für was und wo will sich der Bundesrat außerhalb seiner Kompetenz noch um Ordnung kümmern. Ausgerechnet aus Bern, sollen also die guten Ratschläge kommen, was allerdings nur schwer Vorstellbar ist. Da gerade im eigenen Aufgabenbereich der Räte noch zu viele unerledigte Pendenzen einer dringenden, befriedigenden Lösung warten.


Ronnie König

16.04.2009, 09:43 Uhr

@Kurt Aegeri: Das sehe ich ähnlich. Der BR hat lange für die andere Seite politisiert. Für mich ist die Kritik des BR nicht sehr ehrlich. Die sollen aktiver werden. Da liegt noch was drinn. Also retten!


Abraham stern

16.04.2009, 07:37 Uhr

Das Problem ist, dass die Bonibezüger nicht bereit sind zu verzichten, damit man beispielsweise auf 11% Entlassungen verzichten könnte. Jetztt muss Papa Staat auch noch arbeitslose Bänker füttern? Wer hätte noch Jahren auch nur ansatzweise an so etwas denken können? Unsere Ikonen ...


Joachim Ganser

16.04.2009, 07:35 Uhr

1500 gut ausgebildete, im Grunde konservativ eingestellte Bürger werden diese Behandlung durch den Staat (man kann auch UBS sagen) wohl nicht vergessen. In der Geschichte gibt es genügend Beispiele dafür. Und sie werden sich auf die Sympathie der übrigen verlassen können.


Tom Kuhn

15.04.2009, 23:27 Uhr

Ich bin ebenfalls für weniger Boni. Jedoch können Spitzenkräfte ohne weiteres abwandern. Wohin? Es gibt nicht nur die Lehman Brothers und andere angeschlagene Banken. Wenn Vertrauenskapital täglich abwandert und das Humankapital auch, dann ist die UBS nicht mehr zu retten. Es gibt Angestellte, die täglich ein Mehrwert für die UBS erwirtschaften. Die UBS hätte NIE Geld vom Staat leihen sollen.


Rita-Eva Neeser

15.04.2009, 22:36 Uhr

Frau Leuthard, wo leben Sie? Schnell in den Arbeitsprozess eingliedern? Haben Sie Stellen?Bei Ihnen im Bundesamt? Vorherige Umschulung als Putzfrau oder Aktentäger eingerechnet? Wie weltfremd ist unser Bundesrat geworden? Aber Milliarden Steuergeld für verbrecherische Manager, die haben wir schon! Gürtel engerschnallen, aber ja, fangen Sie an. Herr Grübel zeigt es jetzt den Mitarbeitern der UBS!


steve walthard

15.04.2009, 22:29 Uhr

Ich habe eigentlich geglaubt, dass sie es irgendwann begreifen. Ich scheine mich geirrt zu haben. Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Giergnomen bezüglich Boni klare Regeln vorzugeben, solange sie vom Steuerzahler abhängig sind. Eine rechtzeitige Reduktion der unmässigen Gehälter wird ihnen für die post-Steuerhinterziehergeheimnis-Ära einen gewissen Konkurrenzvorsprung geben.


Hanspeter Kindler

15.04.2009, 22:29 Uhr

Die "Unzufriedenheit" von Merz und Leuthard sind doch reines Theater, um beim Volk ein bisschen auf Lieb Kind zu machen und den Eindruck zu erwecken, man stehe über der Bank. In Wirklichkeit sind und bleiben jedoch beide Stiefellecker.


Marianne Steiner

15.04.2009, 22:26 Uhr

@Bruno Alig: Das frage ich mich auch, aber es ist wahrscheinlich interessanter, sich mit den Problemen der anderen zu befassen.


hansjackob keller

15.04.2009, 21:56 Uhr

Kompromissvorschlag: Die Boni auf 3 Mia dafür keine Leute entlassen für die nächsten 5 Jahre! Damit würde noch mehr gespart als mit der Entlassung! Nein sorry, da kriegt man ja die heisse Wut!!! 2 Milliarden minus und das Management schanzt sich 4 Mia Bonis zu! Und der Steuerzahler stützt den Lande mit 6 Mia!!! Muss es wirklich soweit kommen, dass diese Banker in ihren Villen bedroht werden?


Anselm Egger

15.04.2009, 21:45 Uhr

"Über die Bücher gehen" - "Den Gürtel enger schnallen" - einmal mehr nur Phrasen. Frau Bundesrätin Leuthard hat ein paar Jahre lang eine kleine Anwaltskanzlei im Aargau geführt und sieht sich tatsächlich befähigt, einem internationalen, börsenkotierten Schweizer Grosskonzern mit zehntausenden von Mitarbeitern 0815-Ratschläge zu erteilen. Was für eine Selbstüberschätzung, unglaublich populistisch.


Hans Meier

15.04.2009, 21:12 Uhr

Dieser Bundesrat nervt mich mehr und mehr! Das ewige "blöcken" über Boni hilft doch der Sache nicht - es wäre mal an der Zeit, Lösungen und Leistungen der Damen und Herren zu aufzuzeigen und dem Volk den Beweis erbringen, dass die Probleme des Finanzplatzes im Griff sind! Frau Leuthard, von Ihnen erwarte ich mehr!


maurus candrian

15.04.2009, 21:09 Uhr

leuthard und merz betrieben, wie ihre parteien cvp und fdp, nur billige effekthascherei. wenn's hart auf hart geht, haben sie noch immer vor dem grosskapital gekuscht, denn die 3 parteien des bürgerlichen machtkartells aus cvp, fdp und svp werden zum grössten teil aus geldern des grosskapitals gesponsert. leute, wacht auf, in zukunft keine einzige stimme mehr an diese 3 unehrlichen parteien


Martin Weber

15.04.2009, 21:02 Uhr

Es ist nicht Aufgabe der Aufsichtsbehöre, über die Angemessenheit von Boni zu entscheiden, Herr Merz. Die einzige Aufgabe der FINMA ist es, dafür zu sorgen, dass keine Anleger und Gläubiger zu schaden kommen. Das politische Getue, die Anti-UBS-Kampagne des Tagis und die bescheiden qualifizierten Kommentare hier dürfen die FINMA nicht kümmern. Alles andere ist gesetzwidrig.


Mike Canova

15.04.2009, 20:45 Uhr

Der Bundesrat soll jetzt an anderen Fronten proaktiv kaempfen, und die UBS in Ruhe lassen. Leuthard muss Prioritaeten fuers unser Land setzen. Nur nette Besuche in Laos machen und zuhause die UBS und OECD ruegen, weil man vorher nichts gemacht hat, sind schwache Fuehrungseigenschaften.


Rudolf Elmer

15.04.2009, 20:38 Uhr

Es scheint, dass im Hintergrund bereits die Liquidation der UBS abläuft. Sicher besser als bei den Lehman Brothers, hier versucht man zumindest geordnet die schwierigen Schritte zu machen.


Renato Tosoni

15.04.2009, 20:37 Uhr

Es muss nur gerecht verteilt werden, dieser Geldsegen von 4000 Millionen . Die nächsten 4000 Millionen gibt es für die Real-Wirtschaft. (Handwerker, kleine Betriebe usw.) Ich denke, dass dann ein unglaublicher Schrei die Schweiz erschüttern wird, wer den das bezahlen soll? Ratet doch von welcher Seite dieser Einwand kommt? Genau, richtig erraten! Deswegen gibts auch nichts ! Pasta!


Hans Meier

15.04.2009, 20:22 Uhr

Zuerst retten man der UBS das Leben und jetzt wird sie von den Politiker/Volk in den Selbstmord getrieben.... Wieso nicht zusammen stehen und gemeinsam das Problem lösen? Mit jeder negativen Schlagzeile (manchmal fair, manchmal übertrieben) verliert die UBS an Kunden, Vertrauen und Wert...


Sibylle Weiss

15.04.2009, 20:13 Uhr

Einerseits Massenentlassungen, andererseits Boni in Millionenhöhe = Verhältnisblödsinn! Es wäre mit Abstand das Sinnvollste, die Boni zu sperren und, falls noch von Dividendenausschüttung die Rede sein sollte, auch auf diese zu verzichten. Ansonsten KANN es mit dieser Bank nicht vorwärts gehen, unmöglich, geht nicht! Und wenn Boni, dann nur mit Versteuerung.


Roberto Banco

15.04.2009, 20:00 Uhr

Die 4 Milliarden Fr. Bonus kommen zum grossen Teil denjenigen Angestellten zu, die nun entlassen werden. Komische Politik, wenn man denen nun auch noch den Bonus vorenthält. Richtig fände ich, dass es keinen Bonus über 20% des vertraglichen Salärs UND keinen über 50'000 Fr. geben dürfte. Alles andere ist eine Frechheit der Allgemeinheit gegenüber. Das CEO Salär scheint mir auch überrissen.


Kurt Aegeri

15.04.2009, 20:00 Uhr

Die ganze Misere konnte auch geschehen, weil der Bundesrat, weil das Parlament den Hype wacker mitgetragen hat. Auch heute noch verunmöglichen die "Bürgerlichen" eine Verbilligung von Medikamenten. Weil sie Gelder aus der Wirtschaft - eben auch aus der Pharmaindustrie - erhalten. Herr Vasella lacht sich ins Fäustchen. Und wir plaudern über Boni. Vom BR erwarte ich was endlich anderes!


Bruno Alig

15.04.2009, 19:47 Uhr

Haben unsere Bundesräte nicht andere Probleme zu lösen, als das der UBS, welches jetzt Herr Grübel angeht?


Nils Johansson

15.04.2009, 19:46 Uhr

Stimmt, alle sollten den Gürtel enger schnallen. Angefangen bei den Bundesrathslöhnen.


Roland Strauss

15.04.2009, 19:38 Uhr

Die Lösung ist doch ganz einfach. Feuert jeden, der einen Bonus will. Dann löst sich das Entlassungs- und Bonus Problem von selber. Hat schon jemand bemerkt, dass Banken rein gar keine produktive Arbeit leisten, sondern nur Papier beschreiben, bzw. bedrucken?


Mark P.

15.04.2009, 19:36 Uhr

Leuthard und Merz sind unzufrieden - und dies mit Recht. Vor allem mit sich selbst müssen sie unzufrieden sein!! Sie haben in den letzten Monaten beide ihre Unfähigkeit genügend bewiesen. Die Bundesrätin hat nicht an eine Krise geglaubt und der Bundesrat musste nach seiner Krankheit die Probleme "aussitzen". Daher wurden der UBS beim "Darlehen" keine Auflagen gemacht. BR-Mahnfinger fehl am PLatz.


Daniel Frei

15.04.2009, 19:32 Uhr

LIEBE DORIS. Einerseits wurde heute beschlossen, dass1500 UBS-Mitarbeitern in der CH die Stelle verlieren werden, um Kosten zu sparen.Diese Einsparung/Jahr beträgt rund 130 Millionen SFR. Andererseits wird über Boni-Zahlungen über 4 Milliarden SFR. (= 4000 Millionen SFR.) diskutiert.Diese Boni werden derzeit von unseren Steuergeldern finanziert!! Erklären Sie dies uns doch bitte möglichst schnell.


Michel Vongrüt

15.04.2009, 19:18 Uhr

Die absolute Frechtheit wird sein, wenn BR Merz am Sächseläuten erscheint und glaubt, wir würden ihm noch zujubeln. Was heisst hier, die 4 Mia. Boni der UBS sind bei Merz ein Traktandum? Es heisst nichts anderes, als er darüber ein bisschen parlavern wird, mehr nicht. Die UBS bleibt auf dem hohen Ross. Es liegt an uns, die Herrschaften von dort herunter zu holen,.






© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten