Wirtschaft

CS-Spitze kommt mit einem blauen Auge davon

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 30.04.2010 15 Kommentare

Die Generalversammlung 2010 der Credit Suisse ist Geschichte. Die Aktionäre winken den Vergütungsbericht nach heftiger Redeschlacht durch. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live.

1/11 Erleichterung für Hans-Ulrich Doerig: Die Aktionäre nehmen den Vergütungsbericht 2009 an.

   

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

  • 15:13  

    Die Aktionäre haben zum Schluss noch der Wahl der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Visura zur so genannten besonderen Revisionsstelle zugestimmt. Nach diesem letztem Traktandum endete am Freitagnachmittag nach viereinhalb Stunden die Veranstaltung.

    Damit dauerte die CS-GV lediglich etwa halb so lange wie die Aktionärsversammlung bei der Konkurrentin UBS. Dort zog sich die Generalversammlung über acht Stunden hin, bevor sich die Aktionäre übers Buffet hermachen durften.

  • 14:41  

    Aziz Syriani ist wiedergewählt: 427 Millionen Aktienstimmen haben Ja gesagt, 171 Millionen Nein. Somit ist der Vorschlag der Kritiker, den Verantwortlichen des Vergütungsausschusses abzuwählen, gescheitert.

    Die beiden kritischen Punkte der Generalversammlung hat die Bankspitze mit blauen Flecken überstanden: Der Vergütungsbericht wurde angenommen, Verwaltungsrat Aziz Syriani wieder gewählt. Doch es hagelte Kritik – fast ausschliesslich an Boni und dem Vergütungssystem der Bank.

    Es folgt noch die Wahl der Revisionsstelle, anschliessend geht die GV zu Ende. Bleiben Sie dran: Tagesanzeiger.ch/Newsnet meldet sich mit einem Nachbericht zum Grossereignis.

  • 14:38  

    Ethos verschickt nur eine halbe Stunde nach der Abstimmung zum Vergütungsbericht eine Pressemitteilung: Die 29 Prozent ablehnenden Stimmen und 5 Prozent Enthaltungen seien ein deutliches Zeichen: «Vergütungssysteme, die zu exzessiven Vergütungen führen, werden von Investoren nicht mehr automatisch unterstützt.»

    Um konstruktiv zur Verbesserung des Vergütungssystems beizutragen, fordere Ethos eine Konsultation der Aktionärinnen und Aktionäre.

  • 14:34  

    Zwei Votanten melden sich in der Causa Syriani zur Wort. Einer von ihnen nennt die Verwaltungsräte «Oligarchen» und wirft ihnen vor, sie hätten sich eine Reputation der «Geldgier» zugelegt.

    Der andere kritisiert, dass die Verwaltungsräte für ganze drei Jahre gewählt werden sollen. Sowohl UBS als auch Industriebetriebe hätten längst auf eine einjährige Amtsdauer umgeschwenkt. Dies stehe auch politisch zur Diskussion. Doerig kommentiert dazu, man werde sich an das Gesetz halten, das kommen werde.

  • 14:25  

    Es folgt der zweite heikle Punkt neben dem Vergütungsbericht: Die Wiederwahl und Neuwahl der Verwaltungsräte (5. und letztes Traktandum).

    Ethos hat im Vorfeld der Generalversammlung empfohlen, Aziz Syriani nicht mehr wieder zu wählen. Syriani leitet den Vergütungsausschuss des Verwaltungsrats.

  • 14:19  

    Abstimmungen:

    Auch der Jahresbericht wird abgesegnet, die Décharge für 2009 erteilt. Der Verwendung des Bilanzgewinns und einer unbedeutenden Statutenänderung stimmen die Aktionäre ebenfalls zu.

    Die Traktanden 2 (Entlastung der verantwortlichen Organe), 3 (Verwendung des Bilanzgewinns) und 4 (Anpassung der Statuten) sind in wenigen Minuten vom Tisch.

  • 14:09  

    Die Stimmen sind ausgezählt: Der Vergütungsbericht ist angenommen. 415 Millionen Aktien nehmen den Bericht an, 182 Millionen lehnen ihn ab. Das sind 66,2 Prozent Ja-Stimmen.

  • 14:08  

    Die Aktionäre stimmen über den Vergütungsbericht ab. Doerig wirkt nervös.

  • 14:07  

    Ein Votant tritt im gelben T-Shirt ans Podium. Er komme gerade von der Swissquote-GV. Ausserdem wisse er seit der UBS-GV, dass man die Bankspitze Idioten nennen dürfe: «Grüss Gott, Idioten und Mega-Abzocker!»

    Er empfiehlt die Abzocker-Initiative und die 1:12-Initiative der SP zur Annahme und schliesst. Doerig ignoriert das Votum.

  • 14:01  

    Nach einem weiteren Votanten sieht sich Doerig gezwungen, die Vergütungen zu rechtfertigen. «Ich muss jetzt wirklich mal Herr Dougan in Schutz nehmen.» Er sei ein hervorragender Mann. 2004 wollte man die Spitzenleute der CS mit dem Vergütungssystem PIP langfristig an die Bank binden.

  • 13:53  

    «Wie viel, Herr Doerig, haben Sie 2009 an welche Partei bezahlt?» will Wermuth wissen. Doerig antwortet, man halte sich an das Gesetz bezüglich Unterstützungen.

    Und angespannt: «Dieses Jahr haben wir gar keinen Rappen bezahlt, ok?»

  • 13:50  

    Ein Mann tritt im Samichlauskostüm ans Podium und beginnt seine Rede mit «Ho, ho, ho» – es ist Juso-Präsident Cédric Wermuth. «Wenn Sie glauben, dass 91 Millionen an Vergütungen normal sind, dann glauben Sie immer noch an den Samichlaus und den Osterhasen», sagt er der CS-Spitze.

  • 13:48  

    Die Votantin nimmt geschickt Bezug auf Doerigs Rede: «Was sagt Ihnen Ihre Lebenserfahrung bei zu viel auf einmal?» wiederholt sie die rhetorische Frage, die Doerig ganz zu Anfang bezüglich Regulationen gestellt hatte.

    Die Pfarrerin erntet tosenden Applaus.

  • 13:43  

    «Es kommt mir vor wie der grösste Bankraub der Geschichte, offenbar so klug gemacht, dass alles legal ist.»

    Die Votantin ist nach eigenen Angaben Pfarrerin und Theologin. Die Verantwortlichen kämen ihr vor wie Götter, so die Votantin, und denen zahle man nicht Lohn, sondern man bringe ihnen Opfer dar.

    Sie findet, die 3 Milliarden Boni hätten eigentlich die Schweizer Steuerzahler verdient für ihre Unterstützung der Banken, selbst wenn die CS nicht auf Staatshilfe angewiesen war.

    «Ein Tanz um das goldene Kalb», finde in der CS statt. Sie wolle die Götter «entmythologisieren»: Es sei ein Glück, dass es mit der Bank wieder aufwärts geht.

    Als Votant rede man hier nicht nur für sich, sondern auch für die CS-Mitarbeiter – die viele, die Boni ebenfalls nicht wollten –, für die Steuerzahler, die nächste Generation und die «gequälte Natur».

    «Sie sind keine Götter, Sie sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Geben Sie zu: Sie haben sich verrannt.»

  • 13:37  

    «Übrigens, es ist ganz komisch, ich höre hier alles doppelt. Wissen Sie, ich bin 80 Jahre alt und höre nicht mehr so gut, darum habe ich hier den Kopfhörer. Ich ziehe ihn jetzt aus, jetzt höre ich es besser. Ich möchte Sie bitten, in Zukunft darauf zu achten, dass auch Ihre Ansprache künftig live in Deutsch übertragen wird auf dem Kopfhörer...» Ansonsten dankt der Votant für die Dividende, mit der er «einige Bratwürste» kaufen könne, er gratuliert zum Jahresbericht und sagt Doerig, dass der ihm eigentlich ganz sympathisch sei.

    Einige der Voten sind nicht ohne Unterhaltungswert.

  • 13:31  

    Ungewöhnlich: Hinter dem Mikrofon steht eine junge Frau. Sie will wissen, wie die CS soziale Investitionen sicherstelle und ausbaue, ausserdem, wie sie die Ausgewogenheit von Frauen und Männern in der Firma sicherstelle.

    Doerigs Antwort sorgt für Gelächter im Saal. Zum ersten Mal an diesem Tag sagt er, man könne dies «nachher noch unter vier Augen besprechen». Ansonsten erklärt er, er habe zu den Punkten bereits zuvor Stellung genommen.

  • 13:30  

    Der aktuelle Votant überlässt der CS-Spitze «vier Gedanken»:

    1. «Die Bank glaubt, mit tieferen Boni keine guten Leute halten zu können.» Doch Sachzwänge seien meist Denkzwänge.
    2. «Wagen Sie das Gegenteil Ihrer bisherigen Lohnpolitik und suchen Sie Spitzenleute, die unter diesen Bedingungen bereit sind, ihr Bestes zu geben.» Man werde sehen, dass dies Leute mit einem ganz neuen Erfahrungshorizont bringe.
    3. «Das macht Sie zu einer Pionierin», was auch viele Kunden überzeuge.
    4. «Solch unübliches Verhalten wirkt ansteckend.» Andere Banken werden folgen. «So wird aus diesem unkonventionellen Denken vielleicht ein Sachzwang in positivem Sinne.»

    Doerig antwortet, Aktionäre könnten ihre Anteile jederzeit verkaufen, wenn sie dies wollten. Als Bankspitze aber müssten er und seine Kollegen die CS kurzfristig und langfristig erfolgreich führen. Er müsse die Verantwortung für Entscheide tragen. Doerig führt dies nicht weiter aus. Kann er den Vorschlag verstehen, hält ihn aber für zu riskant?

  • 13:20  

    Für neue Gäste auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet: Die Generalversammlung der Credit Suisse debattiert aktuell über Punkt 1.2 der Traktandenliste: Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht 2009.

    Zur Abstimmung ist es noch nicht gekommen. Gut 20 Aktionäre haben sich angemeldet, um auf dem Podium ihre Meinung kundzutun.

  • 13:18  

    «Herr Dougan, wenn Sie die Hälfte ihrer Vergütung abgeben, gewinnen Sie ganz bestimmt mehr als 50 Prozent an Sympathie», rät der aktuelle Votant dem CS-Chef.

    Er schickt voraus: «Wir wollen Ihnen nichts wegnehmen, wir Schweizer halten unsere Versprechen.» Wieder wird er sichtbar, der kulturelle Graben.

    Entsprechend die Antwort von Doerig: «Seien wir doch ehrlich, wir müssen uns an den internationalen Gegebenheiten orientieren, nicht nur an Schweizer Verhältnissen.»

  • 13:15  

    Ein Votant will wissen, wie stark Hans-Ulrich Doerig für die Credit Suisse aktiv ist, und ob Brady Dougan an seinem Wohnort ein Pauschalsteuerabkommen abgeschlossen hat.

    Die zweite Frage wird nicht beantwortet. Zur ersten sagt Doerig er sei an jeder VR-Sitzung präsent und arbeite 100 Prozent, «wenn nicht mehr», für die Bank.

  • 12:55  

    Der Spagat der Credit Suisse

    Die Voten einiger Aktionäre zeigen deutlich, in welchem kulturellen Spannungsfeld die Credit Suisse operiert: Sie steht mit einem Fuss als Traditionsbank inmitten der Schweizer Kultur, als Hausbank des Mittelstandes und der gewöhnlichen Bürger.

    Mit dem anderen Bein sieht sie sich dem kosmopolitischen, amerikanisch geprägten harschen Wind der internationalen Finanzbranche ausgesetzt. Nur 20 Prozent der CS-Aktien sind in Schweizer Händen.

    VR-Präsident Doerig bemüht sich um den Spagat. So antwortet er einem Aktionär, er verstehe, was dieser zum möglichen Imageschaden durch die hohen Boni gesagt habe – und schweigt anschliessend.

  • 12:52  

    Vorschlag einer Aktionärin: Die CS solle gesunde Boni zahlen, ethisch vertretbar, und sie werde «die besten Leute bekommen, das schwöre ich Ihnen». Die junge Generation sei reif für solche Ansätze.

    Ausserdem, so fügt die Votantin an: «Ich bin nicht eine Emanze oder so, aber warum sitzt hier vorne immer noch keine Frau?» Doerig sagt, die Bank lege grossen Wert auf Chancengleichheit, wenn auch noch nicht alles so sei, wie es sein sollte.

  • 12:46  

    Der aktuelle Votant fordert mit Filzstift auf einem Plakat: «Liebe Aktionäre, keine Boni oni Dividende, Ende»(sic). Er erntet Applaus.

    Die Antwort von Aziz Syriani: «Ich glaube, es wäre falsch, die Boni mit der Dividende in Verbindung zu setzen». Denn der Wert der Aktionäre bestehe auch in einem steigenden Kurs.

    Ein Votant appelliert an das Gewissen des «Bankiers Doerig» gegenüber der Gier der «Banker». Er weist nüchtern darauf hin, dass die Boni ein «Reputationsrisiko» für die Credit Suisse sei – und löbliche Anstrengungen bezüglich Risikomanagement zunichte mache.

    Zwei weitere Votanten nennen die Manager «Abzocker» ins Gesicht. Einer klatscht in die Hände und gratuliert zur «Abzockerei».

  • 12:35  

    Der aktuelle Votant hat ausgerechnet: Für drei Arbeitstage erhält Brady Dougan 1 Million Franken. Das ist das 250-Fache eines Schweizer Bundesrats.

  • 12:28  

    Insgesamt haben sich 22 Redner für Voten auf dem Podium gemeldet. Tagesanzeiger.ch/Newsnet wird die wichtigsten Voten für Sie begleiten.

  • 12:23  

    «Als Investmentbanker sind Sie sich gewohnt, schnell zu entscheiden», wendet sich Zeyer an Brady Dougan. «Entscheiden Sie sich – kaufen Sie sich keine neue Jacht, kaufen sie sich ein reines Gewissen.»

    VR-Präsident Doerig antwortet: Die Credit Suisse habe die Verantwortung übernommen und stehe bezüglich ihrem Umgang mit den Lehman-Opfern gut da im Vergleich zu anderen Banken.

    Man habe einen fairen Deal mit den Anlegern gemacht. Ausserdem habe die Finanzmarktaufsicht kein Fehlverhalten der CS festgestellt.

    Doerig wird ausgebuht.

  • 12:20  

    René Zeyer, der die Lehman-Opfer vertritt, steht hinter dem Mikrofon. Er nimmt die Bankspitze in die Verantwortung.

    «Shame on you, Mr Dougan! Haben Sie eine Ahnung davon, welches Leid Sie verursacht haben, während Sie Millionen abgreifen?» Die Schäden der Lehman-Opfer betrügen 600 Millionen Franken. Die CS habe nur einen kleinen Teil davon entschädigt.

    Zeyer fordert die Manager auf, von ihren «3 Milliarden Extra-Bonus» 10 Prozent an die Lehman-Opfer abzugeben. Grosser Applaus im Saal.



  • 12:13  

    Ethos-Präsident Dominique Biedermann hat gesprochen. Nur wenige Minuten, und seine Botschaft ist deutlich: «Ethos kann dem Vergütungsbericht nicht zustimmen». Als Gründe führt Biedermann an:

    Die Transparenz des Berichts sei ungenügend und die variable Komponente zu hoch. Im vergangenen Jahr 93 Prozent des CEO variabel waren. Bei den anderen 91 Prozent. Das könne dazu führen, dass zu hohe Risiken eingegangen werden.

    Biedermann rechnet vor: Mit den neuen Sisu-Einheiten erhielte die Geschäftsleitung mehr als 1 Milliarde Franken, wenn der Aktienkurs sich verdoppeln sollte.

    «Ausser den Kürzeln hat sich von einem zum anderen Jahr nichts geändert: Die CS offeriert Vergütungen mit einem enormen Gewinnpotenzial.» Biedermann empfiehlt sowohl ein Nein zum Vergütungsbericht als auch die Abwahl von Verwaltungsrat Aziz Syriani.

  • 12:06  

    Einige Worte von Syriani zum PIP-Programm:

    Syriani betont, dass der PIP heute nicht zur Abstimmung stehe. Trotzdem geht er aufgrund der «öffentlichen Kontroverse» darauf ein. Am 20. April seien die im Rahmen dieses Programms anstehenden Boni ausgezahlt worden. Sie betreffen die Leistung im Jahre 2004. Dabei gehe es darum, die obersten Führungskräfte zu halten.

    Syriani betont, dass bei sieben von acht vergleichbaren Banken weltweit aufgrund ihrer Leistung nichts ausbezahlt worden wäre. Diese anderen Banken aber hätten in der Zeit, in der die CS bereits das verzögerte PIP-Programm einführte, noch bare Boni bezahlt: «Die meisten bei anderen Banken haben Barmittel-Boni bekommen.»

    Syriani betont gegenüber den Aktionären: Jeder von ihnen hätte mit dem Kauf von Optionen dieselbe Leistung erzielen können.

    (Der Performance Incentive Plan PIP ist ein aktienbasiertes Vergütungsprogramm. Insgesamt 300 Manager erhielten 2005 PIP-Einheiten, die sie später nach Entwicklung der Bank umwandeln konnten. Die Einheiten konnten nun nach vier Jahren in je 4,8 Aktien umgetauscht werden. Brady Dougan beispielsweise erhielt 1,3 Millionen Aktien; der Gesamtwert aller Aktien war 71 Millionen Franken.)

  • 11:57  

    Neuerungen im Vergütungssystem:

    Konzernleitungsmitglieder erhielten 50 Prozent in bar ausbezahlt, 50 Prozent würden nun über vier Jahre gesperrt. Ausserdem seien die Boni wegen der britischen Steuer um 5 Prozent gekürzt worden. Der CEO muss 35'000 Aktien der Bank besitzen.

    Für die Spitze des Investmentbanking sei neu der Profit und nicht der Umsatz als Basis genommen worden.

  • 11:52  

    Syriani betont, dass der APP-Plan der Credit Suisse ausdrücklich auch negative Aspekte mit einbezieht. Die als Boni ausgezahlte Aktien blieben vier Jahre gesperrt.

    «Wir glauben, dass die neuen Eigenschaften der Vergütungssysteme verantwortlich und ausgewogen sind.» Es gebe eine 40:60-Aufteilung an fixer und variabler Komponente der Entschädigung.

    Bei der Konzernleitung fallen sämtliche Boni für 2009 zeitverzögert an, wie Syriani betont. Die britische Aufsichtsbehörde FSA habe die Lösung der Credit Suisse explizit gelobt. Auch die Aufsicht innerhalb des Konzerns sei vorbildlich, da Brady Dougan und Hans-Ulrich Dougan nur als Gäste an die Sitzungen zu Vergütungssystemen eingeladen seien. Entschieden werde von «unabhängigen Verwaltungsräten.»

    ( Neben Syriani gehören die Verwaltungsräte Peter Brabeck und Walter Kielholz zum Vergütungsausschuss.)

  • 11:49  

    Traktandum 1.2 Vergütungsbericht 2009

    Jetzt wird es spannend: Es spricht Aziz Syriani, der für das Vergütungssystem verantwortliche Verwaltungsrat. In diesen ersten Minuten geht er darauf ein, dass in den letzten Monaten neue Anforderungen an die Vergütungen gestellt worden sind.

    Es gelte, Vergütungssysteme «gesund, fair und nachhaltig» zu gestalten.

  • 11:47  

    Brady Dougans Rede

    «Ich habe eine Bitte an Sie.» Die Credit Suisse habe sich in den vergangenen Jahren entscheidend verändert. Sie plane eine der grössten Dividenden weltweit auszuzahlen.

    Wenn man mit diesem Ergebnis zufrieden sei und so in die Zukunft gehen wolle, sei es sehr wichtig, dass die Aktionäre der Bank die Mittel dafür in die Hand gebe und für die Anträge stimmten. Dougan weist damit wahrscheinlich auf den Vergütungsbericht hin, den Aziz Syriani gleich vorstellen wird.

  • 11:43  

    Dougan spricht sehr nüchtern und rasch, ohne auf ein Manuskript zu schauen.

  • 11:39  

    Drittes Thema,Vertrauen in Bank und Branche:

    Die Finanzindustrie hätte von der Unterstützung der Staaten profitiert, auch die Schwellenmärkte hätten die Wirtschaft stabilisiert.

    Zum Alltagsgeschäft sei man aber noch nicht zurück gekehrt: «Die Krise wird noch viele Jahre zu spüren sein», insbesondere, da in der Folge neue Regulatorien entstünden.

    Langfristig werde das System erst sicher, wenn die Finanzinstitute international neue Regeln beachten. Wichtig seien hier einerseits eine Pflicht zu ausreichendem Kapitalreserven sowie andererseits, dass Banken der Wirtschaft Liquidität bereitstellen (Stichwort Kreditklemme).

  • 11:35  

    Nach Doerig schickt auch Dougan eine Botschaft nach Bern: Der Schutz der Privatsphäre dürfe nicht dazu missbraucht werden, Steuervergehen zu schützen. Die Bank halte Doppelbesteuerungsabkommen für den richtigen Weg, mit dem Problem umzugehen.

    Wiederum distanziert sich also die Bank vom automatischen Informationsaustausch.

  • 11:32  

    Die Rede von Hans-Ulrich Doerig ist jetzt hier im Wortlaut erhältlich.

  • 11:30  

    Zweites Thema, Geschäftsergebnis:

    Die CS habe eine der höchsten Eigenkapitalrenditen erzielt. Das sei für die Bank wichtig. (Die CS beantragt eine Dividende von 2 Franken pro Aktie.)

    Die Kennzahlen:

    Reingewinn: 6,7 Milliarden Franken

    Eigenkapitalrendite: 18, 3 Prozent

    Neugelder: 44,2 Milliarden Franken

  • 11:26  

    Erstes Thema, getroffene Massnahmen:

    Die CS verfüge über eine der solidsten Bilanzen der Branche. Früh habe die Bank Risiken im Subprime-Markt abgebaut.

    Zusammengefasst habe die CS zwischen 2006 und 2008 die Risiken im Investmenbanking reduziert. Dadurch habe die Bank mit einem Vorsprung ins 2009 starten können.

  • 11:23  

    Traktandum 1.1: Jahresbericht und Jahresrechnung

    Brady Dougan hat übernommen. Er kündigt drei Themen an: Massnahmen für den langfristigen Erfolg, Ergebnis 2009 und erstes Quartal 2010, Erfolg über finanzielles Ergebnis hinaus.

  • 11:16  

    Interessantes Detail: Doerig betont, die GV werde klimaneutral durchgeführt. Das Programm hat gar einen Namen: «Credit Suisse Cares for Climate».

    Es folgen einige Hinweise zu Formalien: Nein-Stimmen müssten auf einem Formular festgehalten und an den Stimmenzähler abgegeben werden.

    Doerig bittet «alle Votanten dringend» nicht länger als fünf Minuten zu sprechen.

    Es folgt die Vorstellung und Wahl der Stimmenzähler.

  • 11:10  

    Doerig stellt die anwesenden Verantwortlichen der Bank vor. Der Chef des Investmentbanking Paul Calello ist als einziges Geschäftsleitungsmitglied nicht präsent. Er könne krankheitshalber nicht teilnehmen, so Doerig.

  • 11:08  

    Zum Schluss ein Motivationsspruch des Präsidenten: «Wir von der Credit Suisse wollen zur angesehensten Bank werden. Das ist ambitiös, aber unser Erbe verpflichtet. (...) Es bestehen grosse Chancen für den Brand Credit Suisse und Swiss Banking.»

    Doerigs Rede ist gespickt mit Worten wie «Integrität», «Transparenz», «Disziplin». Er schliesst.

  • 11:04  

    Doerig appelliert an den «gesunden Menschenverstand» der Schweizer. Er vertraue an den Pragmatismus, den «die DNA der Bergler und Bauern» (!) den Schweizern mitgegeben habe.

    Möglicherweise nimmt Doerig hier nicht nur auf den erwarteten Widerstand gegen den Vergütungsbericht Bezug, sondern auch gegen die Volksinitiative gegen die Abzockerei von Thomas Minder.

  • 11:01  

    VR-Präsident Doerig nimmt offensichtlich Kritik am Vergütungsbericht der Bank vorweg.

    Er behauptet: «Wir meiden exzessive Risiken, um niemals auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.» CS gelte heute als Vorreiter in Bezug auf Transparenz der Bilanz, speziell der Risikosituation und der Vergütung.

    Fast an jedem zweiten Arbeitstag gebe es eine Sitzung der CS mit den Behörden. Wer behaupte, die Bank habe keine Kenntnisse aus der Krise gezogen, irre. Die CS habe gegenüber dem Ausland eins bis zwei Jahre Vorsprung bezüglich Regulatorien.

    Trotzdem fürchtet Doerig: «Ein Regulativsturm ist im Anzug.» Er fragt die Aktionäre, was ihre Lebenserfahrung ihnen sage bezüglich Dingen, die in zu grossem Masse getan würden.

    Er mache sich Sorgen um den Standort Schweiz, sollten Regeln eingeführt werden, die das Wachstum von Unternehmen bremsen. «Freiraum und Reaktionsfähigkeit» müssten gerade in einem kleinen Staat für Unternehmen gross sein.

  • 10:54  

    Reputationsmanagement: Die Credit Suisse wolle die angesehenste Bank sein. «Ohne Vertrauen und Sicherheit keine Bank.» Doerig lobt den Entscheid seiner Bank, vor fünf Jahren bereits konkrete Verhaltensrichtlinien an die Mitarbeiter verteilt zu haben. «Vor allen anderen.» (Der VR-Präsident meint damit insbesondere auch Richtlinien, wie sich CS-Banker im Ausland zu verhalten haben.)

  • 10:52  

    Einige Worte zur Personalpolitik: Doerig betont den hohen Wert, den die CS der Entwicklung der Mitarbeiter zukommen lässt.

  • 10:48  

    Einige Worte zum Steuerproblem: «Wir danken unseren Behörden, die sich zum Glück zunehmend mit der Problematik befassen», beginnt Doerig.

    Er macht die Position der Bank zum Problem der undeklarierten Gelder klar.
    1. Den automatischen Informationsaustausch wollen wir nicht
    2. Die beste Lösung sind Doppelbesteuerungsabkommen im Sinne der OECD.
    3. Geschäftsmodell ist auf deklarierte Gelder auszulegen
    4. Eine Zinsausgleichsteuer für europäische Gelder
    5. Bereinigung politisch und bilateral gelöst werden. Doerig schlägt eine Amnestie mit einmaliger Abgeltungssteuer vor.
    6. Verbesserten Zugang zu ausländischen Märkten.
    7. Die Unterscheidung Steuerhinterziehung/-betrug soll nicht aufgehoben werden.
    8. Grundsätzlich soll überlegt agiert werden, Verhandlungspositionen nicht durch Aktionismus geschädigt werden. «Gefragt ist mehr Stille und Diplomatie und weniger Opportunismus.»

    Bei diesem Abschnitt von Doerigs Rede wird erstmals leises Raunen im Saal laut. Doerig wirkt angespannt.

  • 10:44  

    Es ist extrem still im Saal. Doerig ist inzwischen zu einem konkreten Blick auf die Bilanz übergegangen. Wiederum lobt er die konservative Risikostrategie der Bank, die sich auch in der Bilanz zeige: 60 Prozent der Aktiven seien in drei bis sechs Monaten abbaubar, so Doerig.

  • 10:39  

    Einige Worte zum Risikomanagement. Die Bank führe seit Jahren ein «konservatives Risikomanagement», so VR-Präsident Doerig. Das habe Millionen gekostet, sich aber in der Krise ausgezahlt. Die Kundenkredite von 229 Milliarden seien zu 122 Prozent mit Depositen gedeckt.

    Und noch einmal ein Plädoyer für eine grosse Universalbank. Grosse Unternehmen seien eine beliebte Zielscheibe für «Populismus», so Doerig. Doch relevante Steuereinkünfte und Aufträge für KMU kämen von Grossfirmen. «Grösse einer Bank allein darf nicht alleiniger Massstab sein.» Mit Grösse seien stets auch Chancen verbunden: Die Grossbanken hätten eine Scharnierfunktion für die Finanzinfrastruktur.

  • 10:32  

    VR-Präsident Hans-Ulrich Doerig hat die Aktionäre begrüsst und stellt die aktuelle Organisation der Credit Suisse vor. Dabei lobt er explizit den Vorteil der Universalbank: «Erst das Investmentbanking hat das Swiss Banking wirklich auf die Weltkarte gesetzt.»

    Eine Aufspaltung wäre, so Doerig, «ein klassisches Eigengoal». Die Schweiz brauche starke, global tätige Banken. Eine Aufspaltung entspräche «einem Rückzug ins Reduit».

  • 10:30  

    Noch hat die GV nicht begonnen. Hier noch einmal im Überblick die Traktanden:
    1. Jahresbericht 2009, inklusive Konsultativabstimmung über Vergütungsbericht 2009
    2. Entlastung der verantwortlichen Organe für 2009
    3. Verwendung des Bilanzgewinns
    4. Statutenänderung (Anpassung an Bucheffektengesetz, Verzicht auf Namenaktien)
    5. Wahlen, inklusive Erneuerung des Verwaltungsrats

  • 10:15  

    Heute Freitag um 10.30 Uhr treffen sich die Aktionäre der Credit Suisse im Zürcher Hallenstadion zur ordentlichen Generalversammlung. Vor allem Kleinaktionäre dürften den Anlass dazu nutzen, ihre Umzufriedenheit mit den Riesen-Boni für das Topkader deutlich zum Ausdruck zu bringen.

    Der Bonusregen für die CS-Oberen hat aber auch grössere Anleger auf den Plan gerufen: So will die Pensionskassenstiftung Ethos, die mit ihrem Direktor Dominique Biedermann inzwischen zur profilierten Kritikerin von Bonus-Exzessen geworden ist, die Ablehung des Vergütungsberichtes 2009. Unterstützt wird der Aufruf von den amerikanischen Beratungsfirmen ISS und Glass-Lewis, die wie Ethos mit Pensionskassen verbunden sind. Die Abstimmung zum Vergütungsbericht hat allerdings rein konsultativen Charakter.

    Dougans Boni zur Diskussion

    Ethos, ISS, Glass-Lewis, weitere Aktionärsgruppen sowie zahlreiche Kleinaktionäre hatten an der GV der Grossbank UBS am vergangenen 14. April ein Nein von 39,4 Prozent zum Vergütungsbericht erwirkt. Für eine grosse Überraschung hatte gleichentags gesorgt, dass die Aktionäre der UBS-Spitze die Décharge für 2007 verweigerten.

    Fürs Geschäftsjahr 2009 gibt die CS, die einen Jahresgewinn von 6,7 Milliarden Franken ausweist, 6,9 Milliarden Franken Boni aus. Konzernchef Brady Dougan erhält neben 1,25 Millionen Franken Fixgehalt 17,9 Millionen Franken gestaffelten Bonus. Die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten 71 Millionen Franken aus dem Langfrist-Prämienprogramm PIP von 2004 für Dougan sind allerdings nicht Teil des Vergütungsberichtes 2009.

    Ethos will Verwaltungsrat Syriani abwählen

    Neben dem Vergütungsbericht stimmen die Aktionäre über die Jahresrechnung, die Gewinnverwendung, einige Statutenänderungen und die Revisionsstelle ab. Die Décharge ist im Gegensatz zur UBS wenig umstritten. Bei der Wahl der Verwaltungsräte haben Ethos, ISS und Glass-Lewis hingegen Widerstand angekündigt: Die Anlagestiftung will die Abwahl von VR Aziz Syriani. Weil der 42-jährige Kanadier mit libanesischen Wurzeln seit 2004 den CS-Vergütungsausschuss präsidiert, macht Ethos ihn für die Bonus-Exzesse mitverantwortlich.

    Neu in den Verwaltungsrat gewählt werden sollen der Amerikaner Robert Benmosche, Chef des US-Versicherers AIG, der schon 2002 bis 2002 CS-Verwaltungsrat gewesen war, sowie Yassim Bin Hamad Al-Thani, Mitglied des katarischen Herrscherhauses. Das Öl-Emirat Katar hatte der CS 2008 inmitten der Finanzkrise Kapitalhilfen von etwa 10 Milliarden Frankengegeben und hält nun 9,9 Prozent an der CS.

Erstellt: 30.04.2010, 10:08 Uhr

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15 Kommentare

adrian wehrli

30.04.2010, 15:50 Uhr
Melden

Ich bin auch neidisch auf die hohen Boni, und will dass man das verbietet. Und alles was über mein klägliches Mittelmass herausgeht sollte man auch verbieten! ICH, das VOLK, der kleinkarrierte Bünzli hat gesprochen. Antworten


Hansjackob Kelller

30.04.2010, 13:59 Uhr
Melden

Profilierungsneutrotiker Wermuth einmal im passenden Outfit: Als (Sammi-)Chlaus! Antworten



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