Wirtschaft
Cablecom-Chef attackiert Swisscom
Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 31.05.2011 7 Kommentare
Zur Person
Eric Tveter empfängt in seinem Büro in Zürich zum Gespräch. Auf dem Schreibtisch des US-Amerikaners mit norwegischen Wurzeln liegen Deutschlehrmittel. «Ja, ich will Deutsch lernen», erklärt der 52-Jährige. Er ist seit Mai 2009 CEO von UPC Cablecom.
UPC steht für United Pan-Europe Communications. So heissen auch zehn weitere europäische Tochterfirmen der US-Muttergesellschaft Liberty Global. Vor seinem Amt bei UPC Cablecom war Eric Tveter bei mehreren US-Telecomunternehmen in verschiedenen Managementpositionen tätig. Aufgewachsen ist er in Brooklyn, New York, momentan wohnt er in Meilen ZH. Tveter ist verheiratet und hat einen 17-jährigen Sohn. In seiner Freizeit spielt er gerne Golf.
Glasfasernetz
UPC Cablecom hat ihr Kabelnetz in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Das Netz besteht aus Glasfasern bis in die Quartierverteiler. Von dort führen bereits bestehende Koaxialkabel bis in die Wohnungen. Die Swisscom dagegen ist seit Herbst 2008 dabei, ihre alten Telefondrähte mit Glasfasern bis in die Privathaushalte zu ersetzen.
Sie will so für künftige Generationen höhere Übertragungsraten garantieren. Die Swisscom baut derzeit in 23 Gemeinden. In Bern, Basel, Zürich, Luzern, St.Gallen und Genf will sie mit den örtlichen Elektrizitätswerken zusammenarbeiten und vier Fasern verlegen. Eine oder zwei Fasern sind für die Swisscom reserviert. Die restlichen Fasern können die Elektrizitätswerke an andere Telecomfirmen vermieten. Die Wettbewerbskommission (Weko) findet aber, die Verträge enthielten problematische Klauseln. Sie prüft deshalb, ob einzelne Projekte gegen das Wettbewerbsrecht verstossen.
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Herr Tveter, die Swisscom
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baut zurzeit in der ganzen Schweiz Glasfasernetze. Ist das eine Gefahr für Ihre Wettbewerbsfähigkeit?
Eric Tveter: Unser Kabelnetz ist bereits heute so stark, dass wir schweizweit Internetgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde anbieten können.
Also so viel, wie die Swisscom mit ihren Glasfasernetzen direkt in die Privathaushalte ermöglichen will.
Genau. Und mit 100 Megabit sind unsere Netze noch lange nicht ausgelastet. Die Öffentlichkeit erhält hier einen falschen Eindruck. Die Swisscom stellt es so dar, als sei es auch für UPC Cablecom unausweichlich, Glasfasernetze bis in die Wohnungen zu legen. Doch das stimmt nicht. Die Milliardenkosten für den Glasfaserausbau tragen letzten Endes die Steuerzahler und die Konsumenten. Wir sind deshalb froh, dass die Wettbewerbskommission die geplanten Glasfaserprojekte genau unter die Lupe nimmt.
Reden wir über den Kundenservice von UPC Cablecom. Als Sie vor zwei Jahren angetreten sind, haben Sie versprochen, er werde besser. Doch es gibt noch immer Klagen.
Der Kundenservice ist uns sehr wichtig. Wir sind zwar noch nicht perfekt, haben inzwischen aber ein gutes Niveau erreicht.
Ein gutes Niveau im Vergleich zu früher oder zur Konkurrenz?
Beides. Wir haben uns deutlich verbessert. Unsere Mitarbeiter beantworten Anrufe freundlich, die Wartezeiten sind vernünftig. Wir messen die Kundenzufriedenheit regelmässig und sehen, dass sie in letzten zwei Jahren um 25 Prozent gestiegen ist.
Ein Gegenbeispiel: Wenn sich ein Konsument mit einem Problem an UPC Cablecom wenden will, kann er dies nur per Telefon tun. Auf Ihrer Webseite ist keine E-Mail-Adresse angegeben.
Es gibt ein Kontaktformular und eine kostenlose Rückruffunktion auf der Website. Ausserdem beantworten unsere Mitarbeiter auch über das soziale Netzwerk Twitter Fragen. Das geht sehr schnell. Und wir überraschen unsere Kunden gerne positiv: Wenn Sie heute bei uns ein Angebot bestellen, dann sind die Geräte schon morgen bei Ihnen zu Hause.
Stichwort Geräte, insbesondere Set-Top-Box: Die Swisscom hat bald mehr Digital-TV-Kunden als UPC Cablecom. Ärgert Sie das?
Der Vergleich hinkt: Swisscom erreicht geografisch 50 Prozent mehr Wohnungen als wir. Für einen echten Vergleich müssten deshalb die Kundenzahlen aller 240 Kabelnetzbetreiber im Land herangezogen werden. Und dann sieht man: Die Kabelbranche konnte ihren Vorsprung von mehreren Hunderttausend Kunden im ersten Quartal sogar ausbauen. Was uns betrifft: Mit über 30'000 neuen Kunden im Digitalfernsehen sind wir so gut wie noch nie ins neue Jahr gestartet.
Kritisiert wird aber Ihr Video-on-Demand-Angebot. Filme gibt es nur in der deutschen Übersetzung.
Wir haben auf die Kundenwünsche gehört und bieten seit kurzem auch Filme in Originalsprachen an. Ausserdem verbreiten wir eine Vielzahl mehrsprachiger Sender.
Wie versuchen Sie sonst noch, gegen die harte Konkurrenz zu bestehen?
Wir starten nächstes Jahr eine neue Produktgeneration, die das Fernsehen zu Hause revolutionieren wird. Kunden können dann fernsehen, telefonieren und surfen über ein einziges Gerät. Ausserdem können sie Filme, Songs oder Bilder auf ihrem Handy oder PC am Fernseher anschauen oder umgekehrt.
Es gibt Gerüchte, dass UPC Cablecom mit Orange kooperieren will. Die France-Télécom-Tochter Orange könnte so neu Festnetztelefonie anbieten und UPC Cablecom Mobilfunk.
Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht. Es ist aber korrekt, dass wir unseren Kunden künftig auch Mobilfunkprodukte anbieten wollen.
Seit April tritt die ehemalige Cablecom unter dem Namen UPC Cablecom auf. Wieso haben Sie den belasteten Namen behalten?
Ich wollte mit dieser Entscheidung signalisieren, dass wir einerseits unsere Hausaufgaben gemacht haben und andererseits auf dem starken Fundament des Unternehmens aufbauen. Cablecom beziehungsweise früher die Rediffusion war schon immer ein höchst innovatives Unternehmen. Mit unserer Mutterfirma Liberty Global, die weltweit 30 Millionen Kunden betreut, haben wir zudem eine riesige Kraft im Rücken. Dieses Jahr etwa können wir wiederum 200 Millionen Franken in unser Netz in der Schweiz investieren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.05.2011, 11:51 Uhr
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7 Kommentare
wenn man bedenkt, dass upc mit der übertragung von "gratis" inhalt geld verdient, so ist diese aussage plausibel.
durch die glasfaser wird es möglich das tv monopol zu bechen und jeder kann seinen anbieter selber wählen.
daher ist es laut upc nicht nötig eine faser in jede wohnung zu ziehen!!!
Antworten
Herr Tveter ist einer der wenigen Firmenchefs der sich darüber aufregt, wenn die Konkurrenz (nach seiner Ansicht) Fehlinvestitionen tätigt. Eigentlich müsste er sich darüber freuen und sich die Hände reiben. Sollte er recht behalten, so wäre das für UPC - hinter der Liberty Global steht - ein Wettbewerbsvorteil. Antworten
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