Chrysler wird zur Kollektive – Arbeiter übernehmen Mehrheit
Mehrheitseigner: Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger (l.) und Vizepräsident General Holiefield. (Bild: Keystone)
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In der Nacht auf Montag nahm der überschuldete US-Autobauer Chrysler eine weitere Hürde im Kampf um seine Rettung. Die amerikanische Gewerkschaft UAW, Chrysler, Fiat sowie die US-Regierung einigten sich auf ein Rahmenabkommen, dessen Details aber nicht bekannt gegeben wurden.
Inzwischen sind Informationen über die Eckdaten des Deals an die Öffentlichkeit gesickert. So berichtete die Onlineausgabe des «Wallstreet Journal» (WJS) über die neuen Besitzverhältnisse. Demnach übernimmt die Gewerkschaft UAW mit 55 Prozent die Mehrheit der Chrysler-Aktien. 35 Prozent gehen an den italienischen Fiat-Konzern, die restlichen 10 Prozent sollen im Besitz der Gläubiger sowie der US-Regierung sein.
4000 neue Jobs in den USA
Gemäss dem WJS-Bericht wird Fiat rund acht Milliarden Dollar investieren. Im Gegenzug soll Fiat die Chrysler-Technologie für die Produktion von Kleinwagen erhalten. Die Allianz zwischen Fiat und Chrysler soll die Schaffung von 4000 neuen Stellen in den USA ermöglichen. Angeblich lässt Fiat Kleinwagen in einem amerikanischen Werk produzieren.
Gemäss dem Rahmenabkommen müssen die Angestellten von Chrysler Lohneinbussen hinnehmen: So sollen die Löhne nicht an die Teuerung angepasst werden, Überstunden werden nur teilweise entschädigt. Die aktiven und pensionierten Mitglieder der Gewerkschaft werden um aussergewöhnliche Opfer gebeten, um Chrysler am Leben zu erhalten, hiess es aus Gewerkschaftskreisen. Die Kosten müssten drastisch gesenkt werden.
Schulden von 23,5 Milliarden Dollar
Die US-Regierung hatte Chrysler eine Frist bis am nächsten Donnerstag, 30. April, gesetzt. Bis dahin muss der Autobauer eine neue Lösung für seine Rettung vorlegen, wenn er weitere Hilfen der amerikanischen Regierung erhalten will. Dazu gehören eine Einigung mit den Gläubigern über einen Tausch von Schulden gegen Aktien und eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft über einen Gesundheitsfonds für Pensionäre.
Chrysler schuldet rund 45 erstrangigen Gläubigern - Banken und Hedgefonds - etwa 6,9 Milliarden Dollar. Zusammen mit schon gewährten staatlichen Notkrediten von 4 Milliarden liegt die Schuldenlast bei etwa 23,5 Milliarden. Enthalten darin sind 10,6 Milliarden für einen Gesundheitsfonds zu Gunsten der Chrysler-Arbeiter. Dazu kommen weitere Schulden in der Höhe von zwei Milliarden, Gläubiger ist vor allem der momentane Mehrheitseigner Cerberus.
Der deutsche Autohersteller Daimler hat sich inzwischen endgültig von Chrysler getrennt. Nach monatelangen Verhandlungen gibt Daimler seinen Chrysler-Restanteil von 19,9 Prozent an den Mehrheitseigner Cerberus ab, wie das Unternehmen mitteilte. (vin)
Erstellt: 28.04.2009, 16:55 Uhr
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