Wirtschaft

«Claude Béglés Vergleich der Post mit Nestlé war ungeschickt»

Die künftigen Verwaltungsräte der Post müssten harte Auseinandersetzungen führen können – und zwar ohne in Streit zu geraten. Das sagt Moritz Leuenbergers Chefbeamter Hans Werder.

«Béglé ist als Präsident, nicht als Konzernleiter der Post gewählt»: Hans Werder, Uvek-Generalsekretär.

«Béglé ist als Präsident, nicht als Konzernleiter der Post gewählt»: Hans Werder, Uvek-Generalsekretär.
Bild: Reuters

Unter Präsident Claude Béglé ist bei der Post ein heftiger Streit ausgebrochen. Es gab mehrere Abgänge. War Béglé die falsche Wahl?
Nein, das war es nicht. Seit die Post kein Monopol mehr hat, befindet sie sich in einem unruhigen Fahrwasser. Es ist durch die Konkurrenzsituation viel schwieriger geworden, diesen Betrieb zu führen. Da erwarten wir, dass die Verwaltungsräte verschiedene Meinungen einbringen und ausdiskutieren. In allen bundesnahen Betrieben gibt es ähnliche Auseinandersetzungen. Das ist nichts Aussergewöhnliches.

So viele Abgänge wie bei der Post sind doch nicht üblich.
Der Konflikt hat eine Vorgeschichte: Zwischen dem alten und dem neuen Verwaltungsratspräsidenten sind Konflikte entstanden. Danach gab es im Verwaltungsrat eine Lagerbildung. Es wurde rasch klar, dass eine schwierige Situation entstehen würde.

Bundesrat Moritz Leuenberger hat mittlerweile klare Distanz zu Béglé signalisiert. Ist seine Abwahl im Mai wahrscheinlich geworden?
Moritz Leuenberger hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Funktionsfähigkeit des Verwaltungsrates genau überprüfen wird und die personellen Neubesetzungen vorbereitet. Wir wollen dieser Analyse nicht vorgreifen. Wenn möglich wollen wir aber die Erneuerungswahl vor dem regulären Datum im Mai durchführen.

Ist ein solches Verfahren vor der Erneuerungswahl üblich, oder ist es als Misstrauensvotum gegenüber dem Gremium zu verstehen?
Bei den Gesamterneuerungswahlen überprüfen wir immer, wie die Gesamtleistung war. Zusätzlich werden wir nun einzelne Ereignisse genau aufarbeiten. Wir haben überdies mehr Vakanzen als üblicherweise. Bei der Personenwahl ist entscheidend: Wir müssen das Gremium so zusammensetzen, dass harte inhaltliche Auseinandersetzungen möglich sind, ohne dass sich persönliche Konflikte ergeben. Einen stromlinienförmigen Verwaltungsrat darf es nicht geben. Schon gar nicht einen, bei dem alle Mitglieder die Meinung des Präsidenten teilen.

Es heisst, dass Claude Béglé schon in früheren Funktionen in Konflikte geraten sei und einmal seinen Sessel abrupt wechseln musste.
Wir liessen den Werdegang von Claude Béglé gründlich und professionell abklären. Im Laufe seiner Karriere hat er verschiedene Funktionen ausgefüllt, was natürlich mit Wechseln verbunden ist. Es gab aber nie abrupte Abgänge.

Welche Rolle spielt die künftige Poststrategie? Béglé hat sich mit der Forderung, die Post müsse wie Nestlé (NESN 54.4 0.28%) werden, Kritik eingehandelt.
So hat das Béglé nie gesagt. In der aufgeheizten Situation nach dem Abgang von Konzernchef Michel Kunz war aber wohl allein schon ein Vergleich mit Nestlé ungeschickt, da er falsche Assoziationen auslöste. Béglé wollte nur illustrieren, dass sich die Post im Ausland engagieren und dennoch ein Schweizer Betrieb bleiben kann. Bis im Sommer prüfen der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der Post eine Weiterentwicklung der Auslandaktivitäten. Selbstverständlich werden sich anschliessend die Departemente und danach der Bundesrat mit den Vorschlägen befassen. Den Rahmen hat aber der Bundesrat mit den strategischen Zielen bereits gesetzt.

Die Wahl von Michel Kunz zum Konzernleiter war schon vorgespurt, bevor Béglé zum Präsidenten wurde. War das ein Fehler?
Es ist zweifellos nicht optimal, wenn der Konzernchef und der Verwaltungsratspräsident praktisch gleichzeitig ersetzt werden müssen. Bei der Post hat es sich leider so ergeben.

Béglé hat sich als Konzernchef selbst ins Spiel gebracht und mischt sich nun ins operative Geschäft ein. Hätte man ihn nicht besser zum Konzernchef ernannt?
Er ist als Präsident, nicht als Konzernleiter gewählt. Die Umstellung von der operativen Leitung zum Verwaltungsrat fällt vielen Managern zunächst nicht leicht. Aber es ist machbar.

Hans Werder (63) ist Generalsekretär des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2010, 06:07 Uhr

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11 Kommentare

kurt mäschli

15.01.2010, 02:03 Uhr
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Was um Himmelswillen muss dann Begle noch alles falsch machen, damit unsere Schweizer Schläfer Politiker und Verantwortlichen aufwachen?????? Antworten


reto huber

11.01.2010, 23:39 Uhr
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Die Post ist als Unternehmen bis anhin ordentlich geführt worden. Es geht auch nicht darum das mit der Wahl etwas schief gelaufen ist. Schlim ist dass man von Seiten Leuenbergers und der SP wieder versucht die Sache auszusitzen und sich aus der Verantwortungs zus tehlen. Wieder eine Steilvorlage für die SVP, wenn diese dann einlocht dann kann man ja wieder darüber jammern wie unfair die Welt iist. Antworten


Mona Lauber

08.01.2010, 17:10 Uhr
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Vor etwa 10 Jahren verlochte die Swisscom hunderte von Millionen in Indien und andern Entwicklungsstaaten. Blocher und die SVP warnten zuvor während Jahren, sie wurden vom links - netten Parlament abgewürgt. Man sagte dem, es sei lösungsorientierte Politik. Hoffen wir, dass dies sich nicht wiederholt denn mit Leuenberger im Rücken wird Begle die Postmillionen aus dem Fenster werfen. Antworten


Armin Müller

08.01.2010, 15:03 Uhr
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Wieder einmal mehr liegt es auf der Hand: Der Staat ist nicht fähig ein Unternehmen zu führen. Daran ändert auch alles Schönreden nichts. Ein überfordrter Bundesrat mit Chefbeamten, die sich auf die sich auf die Pensionierung vorbereiten und dahinter die Steuerzahler die Defizite berappen, sind zum vornherein ungünstige Voraussetzungen. Antworten


Hans Weder

08.01.2010, 12:48 Uhr
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Mit seiner internationalen Erfahrung und seinem exzellenten Leistungsausweis in der Privatwirtschaft weiss Hans Weder sicher, wovon er spricht - schliesslich war er auch Vorkauer für das Dossier des BAZL Direktors, der eine ebenso makellose Management-Vergangenheit ausweisen kann.... oder irre ich mich da. Langsam haben wir in Bern schon fast deutsche Verhältnisse, was Fehlbesetzungen angeht. Antworten


Markus Saurer

08.01.2010, 08:58 Uhr
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Hans Weder und Peter Siegenthaler werden die Sache jetzt an die Hand nehmen. Toll, zwei ausgewiesene Manager mit in- und ausländischer Erfahrung, wie sie die Post jetzt braucht... ähm... oder nicht? Antworten


Ueli Hoch

08.01.2010, 08:54 Uhr
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Die Post kann von mir aus schon eine Auslands-Expansionsstrategie fahren, aber bitte erst, wenn sie zu 100% unabhängig vom Staat ist. Antworten


Jean-Claude Maeder

08.01.2010, 08:52 Uhr
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Die Idee der Liberalisierung war nicht, dass nun der (Halb-)Staatsbetrieb mit all seinen Wettbewerbsvorteilen den etablierten schweizerischen Speditionsfirmen das Wasser abgräbt. Aber der Vergleich mit Nestlé zeigt den Grössenwahnsinn, der beim Präsident des Verwaltungsrats Einzug gehalten hat. Da ist es nur logisch, wenn man sich über Beschlüsse des Verwaltungsrats einfach hinwegsetzt. Antworten


Terri Zubler

08.01.2010, 08:03 Uhr
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Weder: In allen bundesnahen Betrieben gibt es ähnliche Auseinandersetzungen. Das ist nichts Aussergewöhnliches. Kein Wunder empfindet er das so, schliesslich ist er auch der Chefbeamte von Moritz Leuenberger! Antworten


René Merten

08.01.2010, 07:41 Uhr
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hier wird wieder einmal ein Problem verwedelt. Fest steht: BR Leuenberger ist wieder einmal ins Fettnäpfchen getreten. Er hat mit Beglé den falschen Mann ausgewählt und will den Fehler nicht eingestehen. Dass Probleme bestehen hat Leuenberger trotz Warnungen nicht eingesehen. Wie lange werden diese massiv gehäuft autretenden Führungsfehler von der SP eigentlich noch toleriert ? Antworten


Stefan Werner

08.01.2010, 06:14 Uhr
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Bleibt noch die Frage, wem es denn was gebracht hat, dass die Post jetzt kein staatlicher Monopolbetrieb mehr ist. Der Service wird immer schlechter und die Zukunft immer ungewisser. Wozu? Antworten



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