Wirtschaft

Continental schlägt zurück

Aktualisiert am 20.05.2009 5 Kommentare

Nachdem sich die Familie Schaeffler mit der feindlichen Übernahme von Continental völlig verhoben hat, dreht der Pneuhersteller jetzt den Spiess um – und will Schaeffler kaufen.

Von der Käuferin zur Übernahmekandidatin: Maria-Elisabeth Schaeffler.

Von der Käuferin zur Übernahmekandidatin: Maria-Elisabeth Schaeffler.
Bild: Keystone

Dem angeschlagenen fränkischen Autozulieferer Schaeffler droht die Übernahme durch Continental. Diese Option werde gemeinsam geprüft, teilten beide Unternehmen am Mittwoch überraschend mit und bestätigten damit einen Bericht des «Handelsblatt». Die Börse reagierte begeistert, die Continental-Aktie schoss um 16 Prozent hoch.

Schaeffler hatte die weit grössere Continental zu Beginn der Finanzkrise 2008 übernommen und sucht angesichts zweistelliger Milliardenschulden jetzt verzweifelt einen Ausweg. Unter anderem hatte Firmenchefin Maria-Elisabeth Schaeffler die Öffentlichkeit erzürnt, als sie die Möglichkeit einer Staatshilfe erwähnte.

Die Banken sind nicht abgeneigt

Jetzt prüfen Unternehmensberater der Firma Roland Berger laut «Handelsblatt», die Schaeffler-Gruppe umgekehrt komplett in den Conti-Konzern zu überführen. «Das ist ein Modell, das funktionieren könnte, und es scheint derzeit das einzige Modell zu sein», zitierte die Zeitung Gläubigerkreise.

Die Banken hofften, mit einem Zusammenschluss unter dem Dach von Conti hohe Abschreibungen auf ihre Kredite vermeiden zu können. Bei einer Teilumwandlung ihrer Kredite in Conti-Aktien könnten sie diese später besser verkaufen als Anteile an der nicht börsennotierten Schaeffler-Holding.

Schaeffler und Continental erklärten, sie arbeiteten an Optionen für eine künftige Zusammenarbeit. «Die Integration ist ebenfalls eine Option, die wir prüfen.» Das Ergebnis sei offen.

Arbeitnehmer sind skeptisch

IG-Metall-Betriebsbetreuer Müller sagte: «Aus Arbeitnehmersicht wäre es wichtig, endlich klare Verhältnisse zu schaffen.» Mit einer Fusion unter dem Dach von Conti könne die derzeitige Patt-Situation aufgelöst werden.

Der Gesamtbetriebsrat von Schaeffler forderte ebenfalls eine schnelle Lösung, lehnte aber eine Übernahme des fränkischen Konzerns durch Continental ab. Das wäre genauso falsch wie zuvor die Übernahme von Conti durch Schaeffler, sagte Betriebsratschef Norbert Lenhard. «Wir sind eher für einen Zusammenschluss auf Augenhöhe», sagte Lenhard. «Faire Partner sind uns lieber als aggressive Übernahmen.»

Konzernsitz soll in Bayern bleiben

Eine wichtige Voraussetzung für einen Zusammenschluss sei, dass der Konzernsitz unbedingt in Bayern bleiben müsse. Schaeffler-Betriebsrat und IG Metall hätten eine mögliche Übernahme durch Conti schon vor Monaten durchgespielt: «Es ist eine der möglichen Lösungen», sagte Lenhard.

Firmen-Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler steht einer Übernahme durch Conti laut «Handelsblatt» wohlwollend gegenüber. Schaeffler will bis zu 4500 Stellen der insgesamt 66'000 Stellen streichen, um 250 Millionen Euro Personalkosten einzusparen. Continental beschäftigt weltweit 220'000 Mitarbeiter, davon 45'000 in Deutschland. In der Politik gebe es breite Unterstützung für eine Übernahme durch Conti, berichtete das «Handelsblatt». (oku/ap)

Erstellt: 20.05.2009, 18:00 Uhr

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5 Kommentare

Ronnie König

20.05.2009, 18:22 Uhr
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Ja, der Grössenwahnsinn! Ich hoffe für die Arbeitnehmer gibt es eine Zukunft. Eine heilsame Lektion für Kapitalisten, aber die Erfahrung zeigt, dass die Gier meist den Verstand bei solchen Aktionen ausschaltet. Wie im Kasino. Die Zahl muss doch bei diesem Spiel kommen! Und am Ende reicht das Geld gerade noch, um nicht nach hause zu laufen müssen. Wären da nur nicht die Arbeiter, würde ich lachen. Antworten


Bruno Bänninger

20.05.2009, 18:48 Uhr
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Diese Lösung wäre genial. Conti und tausende von Arbeitsplätzen wären gerettet. Conti ist ein gesundes Unternehmen mit Top-Produkten. Es sollte gelingen, Conti für einen symbolischen Betrag zurückzukaufen, danach die insolvente Schaeffler-Gruppe aus dem Konkurs zu übernehmen, so blieben die Milliardenschulden bei Frau Schaeffler und den kreditgebenden Banken, die den Grössenwahn finanzierten. Antworten



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