Coop verkauft jetzt eigene Migros-Glace

Der berühmte Kopierer wird zum Opfer: Coop hat das Design der Verpackung von Glacestängeln geändert – es erinnert nun stark ans bekannte Migros-Pendant.

Tierisch nah am Original: Design der neuen Coop-Verpackung. <nobr>Foto: Doris Fanconi</nobr>

Tierisch nah am Original: Design der neuen Coop-Verpackung. Foto: Doris Fanconi

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Wenige Produkte der Migros haben einen solchen Kultstatus erreicht wie die Glacestängel. Vanille-Seehund, Schokolade-Bär oder Erdbeer-Affe zieren inzwischen sogar Fanartikel wie T-Shirts, Unterhosen und Taschen. Doch nun bekommen die Zirkustiere der Migros Konkurrenz. Mitbewerber Coop hat die Packung ihrer eigenen Stängel neu designt.

Der Basler Detailhändler wurde dabei ganz offensichtlich durch das 1975 vom Zürcher Grafiker Hans Uster gestaltete Migros-Original inspiriert. Statt Seehund, Bär und Affe zieren die Packungen von Coop neu ein Vogel bei der Geschmacksrichtung Vanille, ein Löwe bei der Schokoladevariante und ein unidentifizierbarer Hybrid aus Schwein und Nilpferd bei Erdbeere. Die Glace selbst ist auf dem Kopf dargestellt statt wie bei der Migros normal. Auch sonst gibt es den einen oder anderen Unterschied – doch die Ähnlichkeiten überwiegen. Auch das Format der Boxen, in denen sich die Stängel befinden, ist neu rechteckig statt quadratisch.

Bilder: Seit 1975 Kult: die Migros-Stängel-Glace

Früher waren die Coop-Packungen schlicht und zeigten nur das Produkt. Man überprüfe Produkte in regelmässigen Abständen und passe diese bei Bedarf an, sagt Coop-Sprecher Urs Meier. «So haben wir vor kurzem das Design der Glacestängel-Verpackung überarbeitet. Dabei haben wir uns für diesen verspielten Retro-Look entschieden, mit dem wir auch jüngere Kundinnen und Kunden ansprechen wollen.»

Coop versucht es nicht zum ersten Mal

Die Konkurrentin hat die Design­änderung von Coop bemerkt, gibt sich aber zumindest vordergründig gelassen. «Die Kunden können das kultige Original der Migros von der plumpen Coop-Kopie unterscheiden», so Sprecherin Martina Bosshard. Und sie erinnert: «Mit den Glacestängeln versucht Coop nicht zum ersten Mal, eine Migros-Marke zu kopieren.» Tatsächlich streiten sich die beiden Detailhandelskonzerne seit mehr als einem Jahr über einen weiteren Fall, in dem die Migros Coop vorwirft, dreist abgeschaut zu haben. Auch da geht es um Stängel, allerdings nicht Glace-, sondern Getreidestängel. 2016 unterzog Coop diese laut damals eigenen Aussagen einem «Rebranding». Sie wurden neu unter der Marke Country vertrieben – und sahen den Farmer-Riegeln der Mi­gros sehr ähnlich. Zu ähnlich, befand die Migros und leitete juristische Schritte ein. Mit Erfolg: Das Aargauer Handels­gericht erklärte im September, dass die Coop-Stängel dem Original so ähnlich sähen, dass eine Verwechslungsgefahr bestehe.

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Coop überarbeitete in der Folge das Design der Verpackung, vertrieb die Riegel aber weiter. Mehr Produkte unter der Marke Country herauszubringen, dürfte aber schwierig werden. Wie die Pendlerzeitung «20 Minuten» kürzlich berichtete, hatte die Migros die Wortmarke Country für Produkte wie Müesli und Kaffee schon im Mai 2016 im Markenregister schützen lassen – damals war der Streit erst gerade ausgebrochen.

Lidl änderte Eistee-Design

Es ist nicht das erste Mal, dass die Migros so auf eine Kopie reagiert: Der deutsche Discounter Lidl brachte in der Schweiz ebenfalls 2016 einen Eistee heraus, der verdächtig an den bekannten Ice Tea der Migros erinnerte. Auch hier reagierte diese und verschickte eine Unterlassungserklärung. Für den Fall, dass Lidl nicht nachgäbe, behielt man sich juristische Schritte vor. Einige Monate später passte Lidl das Design der Flasche an. Wie man im Fall der Coop-Glace vorgehen will, lässt die Migros offen. «Wir beobachten die Angelegenheit genau, möchten die juristische Situation aber nicht kommentieren», sagt Bosshard.

Dass ausgerechnet die Migros sich nun mit solchen Kopierfällen herumschlägt, dürfte den einen oder anderen zum Schmunzeln bringen. Immerhin ist der Detailhändler bekannt dafür, bei anderen Herstellern abzuschauen, es gehörte lange sogar zum Konzept. Der erste Fall war das Waschmittel Ohä, was für «ohne Hänkel» steht – und eine Anspielung auf den Persil-Konzern Henkel war. Auch Kaffee Zaun als Kaffee-Hag-Kopie erreichte Kultstatus. Heute immer noch im Verkauf ist ausserdem Eimalzin, die Migros-Version von Ovomaltine, oder die Adoro-Kugeln, die Migros-Version der Lindor-Kugeln.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2017, 21:13 Uhr

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