Wirtschaft

Credit Suisse hat die Nase auch künftig vorn

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 31.03.2010

Laut einer neuen Studie hat Credit Suisse auch in Zukunft die besseren Aussichten als Lokalkonkurrentin UBS. Der Aktienkurs der CS hat gemäss den Autoren ein grosses Wachstumspotenzial.

Die Credit Suisse übertrumpft ihren einstigen Chef: CS-Chef Brady Dougan (links), Oswald Grübel, heute UBS-Chef, einst CS-Chef.

Die Credit Suisse übertrumpft ihren einstigen Chef: CS-Chef Brady Dougan (links), Oswald Grübel, heute UBS-Chef, einst CS-Chef.
Bild: Keystone

Die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) sticht die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) nach wie vor deutlich aus. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Analysten von Morgan Stanley zu europäischen Banken. Selbst die überraschende Meldung von gestern, gemäss der die UBS im Investmentbanking bereits im ersten Quartal 2010 wieder mehr als erwartet verdienen wird, ändert daran nichts. Die Morgan-Stanley-Studie beruht unter anderem auf einer Konferenz mit Spitzenmanagern der europäischen Banken.

Die Analysten sind auch der Ansicht, dass die aktuellen Aktienkurse die Stärke der Credit Suisse weit weniger reflektiert als jene der UBS: Das Kursziel für die Aktie der Credit Suisse setzen sie bei 69 Franken an, jenes der UBS bei 17. Das impliziert für die Credit Suisse, deren Aktie aktuell bei 54.3 notiert, einen Kursgewinn von mehr als 27 Prozent. Bei der UBS dagegen, deren Aktie aktuell bei 17,15 notiert, einen Kursverlust von fast einem Prozent.

Anhaltende Schwierigkeiten für die UBS

Laut der Studie hat die Credit Suisse in der Vermögensverwaltung gute Chancen von Geldabflüssen bei Konkurrenten zu profitieren. Hier ist wohl vor allem die UBS gemeint, die daran besonders leidet. Die CS habe bereits viele Risiken abgebaut, doch sei sie auch nie in ähnlich grosse Schwierigkeiten geraten wie viele andere Finanzinstitute. Die Austattung mit Kapital sei bei der Credit Suisse derart gut, dass sie sich problemlos auch Zukäufe anderer Institute leisten könne. Der Credit Suisse werde es ausserdem auch künftig weniger schwerfallen als anderen, rückzahlbares Fremdkapital zu ersetzen. Dies ist laut den Analysten für die europäischen Banken ansonsten eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre.

Bei der UBS werden zwar die «entschiedenen Aktionen» hervorgehoben, um wieder zu langfristiger Wertgenerierung zurückzukehren. Doch die Profitabilität der Bank bleibe weiterhin in Frage gestellt. Belastend seien noch immer die Geldabflüsse im Nachgang der Auseinandersetzungen mit den US-Steuerbehörden und die Bedrohung durch weitere Steueramnestien. Schliesslich befinde sich die UBS noch immer mitten in einer tiefen Restrukturierung. Die Grossbank werde auch weiterhin unter dem Druck von hohen Lohnforderungen stehen, um wichtige Beschäftigte zu halten oder neu zu gewinnen. Der Ruf der Marke UBS habe als Grund für eine Beschäftigung bei der Grossbank gelitten.

Credit Suisse dennoch unterbewertet

Trotz der schlechteren Ausgangslage für die UBS ist die Aktie der Credit Suisse laut den Schätzungen von Morgan Stanley billiger als jene der UBS. Das Verhältnis des Aktienpreises zum erwarteten Gewinn pro Aktie (KGV oder PE) für das Jahr 2010 ist bei der UBS 10.8, bei der Credit Suisse dagegen bloss 8,6. Damit ist die CS auch günstiger als die europäischen Banken im Durchschnitt (mit einem Wert von 10,5). Die UBS ist leicht teurer.

In den allgemeinen Aussagen zum Bankensektor heben die Analysten hervor, dass dort noch immer sehr grosse Unsicherheit vorherrsche. Das bezieht sich vor allem auf Regulierungen, die sich noch in der Pipeline von Regierungen und Bankaufsichtsbehörden befinden. Zudem bleiben die Banken stark davon abhängig, ob sich die weltwirtschaftliche Erholung fortsetzt. Einen Rückschlag würden alle übermässig stark zu spüren bekommen. Schliesslich bliebe im Bereich des Private Banking – der Vermögensverwaltung für Reiche – auch der Druck auf die Margen hoch.

Anhaltender Druck auf die Margen

Die Kunden seien hohen Risiken nach wie vor abgeneigt. Daher investieren sie ihr Geld noch immer hauptsächlich in Anlagen, an denen die Banken wenig verdienen: So etwa Geldmarktfonds und Anlagen mit festem Zinssatz. Hedgefonds und strukturierte Anlagen würden tendenziell noch immer gemieden. Immerhin bleiben die Aussichten für die Bruttomargen der Credit Suisse laut Morgan Stanley trotzdem beneidenswert hoch: Um 1,25 Prozent sollen es bleiben. Im letzten Jahr lag sie bei 1,3 Prozent. Die UBS strebt noch immer an, diesen Wert auf 1 Prozent zu bringen, 2009 schaffte sie es auf 0,82 Prozent. Der reine Vermögensverwalter Julius Bär erreicht gemäss der Studie 1,08 Prozent. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.03.2010, 14:08 Uhr

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