Credit Suisse offenbar in den Espírito-Santo-Skandal verwickelt

Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge hat die CS mitgeholfen, Schulden der bankrotten Espírito-Santo-Gruppe zu bündeln – zu Papieren, die später den Kunden der Bank Espírito Santo angedreht wurden.

Muss faule Wertpapiere von Kunden zurückkaufen: Banco Espírito Santo in Lissabon.

Muss faule Wertpapiere von Kunden zurückkaufen: Banco Espírito Santo in Lissabon. Bild: Keystone

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Die Credit Suisse hat offenbar eine Rolle bei der Finanzierung der Espírito-Santo-Gruppe gespielt. Dies schreibt das «Wall Street Journal» in seiner Ausgabe vom Montag. Dem Bericht zufolge agierte die CS als «Arrangeur und Händler» für Wertpapiere, in denen Schulden der Espírito Santo gebündelt waren. Diese Wertpapiere wurden anschliessend an Investoren, darunter auch Retailkunden der Banco Espírito Santo, verkauft.

Konkret haben portugiesische Ermittler laut WSJ vier Anlagevehikel mit Sitz in Steueroasen ausgemacht, bei deren Gestaltung die Credit Suisse mitgewirkt haben soll. Die Vehikel mit Namen wie «Top Renda» (deutsch etwa: Topertrag) oder «Poupanca Plus Investments» (Sparen plus Investments) investierten grossmehrheitlich in Schuldtitel der maroden Espírito-Santo-Gruppe. Sie sollen gezielt für Privatkunden strukturiert worden sein. Der Verlust über 1,25 Milliarden Dollar, den die Banco Espírito Santo mit dem behördlich erzwungenen Rückkauf der Papiere erlitten hatte, hatte wesentlich zum Zusammenbruch der Bank vor zwei Wochen beigetragen.

Genaue Rolle der CS ist unklar

Die Geschäftsbeziehung zwischen der Credit Suisse und Espírito Santo geht gemäss Unterlagen bis Mitte der Nullerjahre zurück. Die CS soll Aktien der Finanzvehikel im Wert von bis zu 2,5 Milliarden Dollar gezeichnet haben. Diese Programme seien bis ins Jahr 2013 gelaufen. Gemäss dem WSJ war die Schweizer Grossbank auch zuständig für die Begleichung von Rechts- und Buchprüfungsgebühren. Ob sie am Verkauf der Papiere an Retailkunden beteiligt war, ist unklar. Die CS selbst konnte dazu am heutigen Montagvormittag keine Stellungnahme abgeben.

Das Firmenimperium der portugiesischen Familie Espírito Santo war im Juli zusammengebrochen. Der Konkurs hatte auch die Banco Espírito Santo, eine von Portugals grössten Banken, in Mitleidenschaft gezogen. Das Finanzhaus in Teilbesitz des Espírito-Santo-Clans musste vom Staat mit insgesamt 4,9 Milliarden Euro gestützt werden. Die Entflechtung der Finanzbeziehungen beschäftigt die Behörden nach wie vor. Wie sich herausstellte, vermochte die Espírito-Santo-Gruppe in den Jahren nach der Finanzkrise deshalb zu überleben, weil Kleinanleger von Banco Espírito Santo dazu gebracht wurden, indirekt Schulden des Firmenkonglomerats zu übernehmen.

Eine weitere Schweizer Gesellschaft im Fokus

Der Konkurs von Espírito Santo hatte Ende Juli auch in den Verkauf der Banque Privée Espírito Santo, einer in der Schweiz domizilierten Tochter von Espírito Santo, geführt. In den Brennpunkt der Medien geriet auch die Lausanner Gesellschaft Eurofin: Sie soll gemäss Recherchen des «Wall Street Journal» ähnlich wie die CS eine Rolle bei der Strukturierung der Wertpapiere gespielt haben, die von Banco Espírito Santo an Anleger verkauft wurden. Weiter existierten zwischen dem portugiesischen Firmenimperium und Eurofin enge persönliche Verflechtungen.

Eurofin widerspricht der vergangenen Donnerstag geäusserten Einschätzung der amerikanischen Finanzzeitung, wonach sie bei der Finanzierung des Espírito-Santo-Konglomerats eine zentrale Rolle gespielt habe. Man habe nie Finanzprodukte für Retailkunden erstellt. Angaben des WSJ zufolge wurde Eurofin 1999 gegründet, um die Finanzierung des Imperiums zu managen. 2009 verkaufte Espírito Santo die Beteiligung an Eurofin. Der Zeitung «Le Temps» sagte Firmenchef Alexandre Cadosch am Freitag, interne Analysen zum Fall seien im Gang. Im Zusammenhang mit dem Konkurs von Espírito Santo wurden bereits 20 Personen bei Eurofin entlassen. (ssc)

(Erstellt: 18.08.2014, 12:40 Uhr)

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