«Da sind wir Apple zuvorgekommen»

Swatch-Chef Nick Hayek hält nicht viel von Computern am Handgelenk. Ganz aus dem Geschäft heraus hält er sich aber doch nicht.

Seit 2003 Chef der Swatch Group: Der 59-jährige Nick Hayek.

Seit 2003 Chef der Swatch Group: Der 59-jährige Nick Hayek. Bild: Keystone

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Nach dem Siegeszug des Smartphones bereiten viele Elektronikhersteller den Sprung in einen neuen Markt vor: in jenen der Smartwatches. Diese Uhren sind eigentliche Computer am Handgelenk, die mit dem Smartphone kommunizieren. Am Mittwoch hat Hersteller Motorola Bilder seiner Smartwatch veröffentlicht, in Kürze will Konkurrent LG nachziehen. Auch iPhone-Hersteller Apple arbeitet derzeit an einem Gerät namens iWatch – wie jüngst bekannt wurde, ist der kalifornische Konzern auf der Suche nach Unterstützung aus der Schweizer Uhrenbranche.


Man wird nicht ganz schlau aus Ihrer Haltung zu den Smartwatches: Einerseits machen Sie sich lustig über Anstrengungen von Google und Co., andererseits betonen Sie, dass Sie der Konkurrenz technisch voraus sind.
Ich mache mich nicht lustig, aber wir sind in diesem Bereich Pioniere, wir haben alle diese Erfahrungen schon gemacht. Die erste Uhr mit einem Chip für drahtlose Datenübertragung war die Access Swatch. Man kann diese zum Beispiel für Ski-Abos oder für Hoteltüren verwenden. Und wir waren die Ersten, die eine Touchscreen-Uhr entwickelt haben, noch vor den Smartphones.

Woher kommt denn Ihre Skepsis gegenüber den Smartwatches?
Ein Punkt ist die Batterie. Die Konsumenten wollen ihre Uhr nicht aufladen müssen – und noch ein Kabel mehr haben. Wissen Sie: In den letzten drei Jahren kamen alle, die jetzt von Smartwatches reden, bei uns vorbei.

Weshalb?
Sie wollten unseren Rat. Das Problem ist: Eine Uhr ist ein Schmuckstück. Eine Smartwatch benötigt aber Software, und die Software erhält laufend Updates. Sie benötigen fast jedes Jahr ein neues Smartphone, weil die neue Software nach neuer Hardware verlangt. Dazu kommt, dass die Bildschirme von Handys immer grösser werden. Zumindest Damenuhren kann man aber nicht mit einem grossen Display ausstatten.

Was haben Sie den Rat suchenden Unternehmen gesagt?
Welche Funktionen soll es auf einer Smartwatch überhaupt geben, die man nicht schon auf dem Telefon oder auf dem Tablet hat? Wenn ich Auto fahre, kann ich mein Telefon mit einer Hand bedienen. Wenn ich eine Uhr bedienen muss, benötige ich aber beide Arme. Und für die Spracherkennungsfunktion kann man auch gleich das Smartphone benutzen. Die Menschen kaufen Uhren nicht wegen Funktionen, sondern wegen Emotionen. Warum sonst sollte man eine Blancpain für 30 000 Franken kaufen?

Sie haben ja einst auch gemeinsam mit Microsoft eine Internetuhr lanciert ...
Wir haben 2004 in den USA mit Microsoft die Swatch Paparazzi auf den Markt gebracht. Wir haben heute noch viele davon am Lager. In einem Jahr gingen lediglich 100'000 Stück über den Ladentisch. Zum Vergleich: Weltweit verkaufen wir 100'000 Swatch-Uhren in zwei Tagen.

Sie wollen sich dem Trend aber nicht ganz entziehen: Gestern haben Sie eine Swatch mit Bluetooth-Funktion vorgestellt.
Die Swatch Touch Liquid Metal: Mit ihr kann beispielsweise die Fotofunktion des Mobiltelefons ausgelöst werden, man kann die Uhr also als Selbstauslöser verwenden. Das Gehäuse besteht aus einem speziellen Metall, das auch Funksignale durchlässt.

Es heisst, Apple wolle dieses Material ebenfalls verwenden.
Da sind wir Apple zuvorgekommen – die Swatch-Gruppe hat das Exklusivrecht, dieses Material für Uhren zu verwenden. Nachdem wir mit dem US-Unternehmen Liquid Metal den Vertrag abgeschlossen hatten, kam Apple und hat sich die Nutzung des Materials für andere Produkte gesichert.

Wird man mit dieser neuen Uhr auch telefonieren können?
Nein, das braucht es doch nicht. Wir müssten dann einen Lautsprecher einbauen, und dann wäre die Uhr nicht mehr wasserdicht. Und die Funktion würde zu viel Strom benötigen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.03.2014, 22:36 Uhr)

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