Wirtschaft
Daimler, Porsche und Co. drohen grüne Zeiten
Von David Nauer. Aktualisiert am 28.04.2011 5 Kommentare
Winfried Kretschmann (Grüne) (Bild: Keystone )
Nils Schmid (SPD) (Bild: Keystone )
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Ein bisschen ist dieser Mann der Schrecken aller Autofreaks: Winfried Kretschmann (62), designierter grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg. «Die Menschen haben sich für eine neue Politik entschieden, wir werden diesen Auftrag annehmen», sagte er gestern, exakt einen Monat nach seinem Wahlsieg, bei der Präsentation des grün-roten Koalitionsvertrags. Viel ist in dem Papier von besserer Bildung die Rede, von mehr alternativer Energie und mehr Bürgerbeteiligung.
Was aber Freunde und Feinde Kretschmanns aufschreckt, sind die Pläne in Sachen Mobilität. Ein sensibles Thema in Baden-Württemberg, diesem Autoland, wo bei Daimler, (DAI 38.05 -0.12%) Porsche ( 40.005 1.01%) und Co. rund 200 000 Menschen arbeiten, wo der Mercedes-Stern wie ein heiliges Emblem über der Landeshauptstadt Stuttgart prangt.
«Weniger Autos sind besser als mehr», hat der künftige Landesvater jüngst seine Haltung auf den Punkt gebracht. Deutschland müsse mit weniger Autos auskommen. In Zukunft sollten eher Mobilitätskonzepte verkauft werden statt nur noch Autos. «Wir wollen beweisen: Ökonomie und Ökologie gehören zusammen», so Kretschmann. Zwar müsse sich die Autoindustrie in Baden-Württemberg keine Sorgen machen, «aber sie muss in Zukunft Autos bauen, die viel weniger Sprit brauchen».
Die SPD distanziert sich
Mit diesen Ideen hat der Grüne in ein politisches Wespennest gestochen – die Empörung ist gross. Die CDU wirft Kretschmann vor, den Wirtschaftsstandort zu gefährden. CSU-Chef Horst Seehofer wetterte aus München, es sei ein «einmaliger Vorgang, dass der designierte Ministerpräsident eines deutschen Automobillandes sich offen gegen eine zentrale Säule des eigenen Wohlstandes stellt und für weniger Produkte wirbt». Mit solcher «grüner Planwirtschaft» werde Deutschland die Zukunft nicht gewinnen. Selbst der Koalitionspartner bemüht sich um Distanz. «Jede baden-württembergische Regierung hat Benzin im Blut», betonte SPD-Chef Nils Schmid gestern. Die Autoindustrie werde sich in eine ökologische Richtung weiterentwickeln. «Das wollen wir gemeinsam fortentwickeln.»
Mit anderen Worten: Die neue Landesregierung will quasi den Herstellern helfen, grünere Autos zu entwickeln. Dies sei auch ökonomisch sinnvoll: Die Zeiten des billigen Öls sind vorbei, sparsame Wagen deswegen ein Zukunftsmarkt. Als Beruhigungspille für die Autolobby kündigte Schmid zudem eine Aufstockung des Budgets für die Sanierung «maroder Landstrassen» an; auch wenn deren Ausbau im Gleichtakt mit einer Förderung des öffentlichen Verkehrs vor sich gehen soll.
Deutsche Hersteller mit Vorsprung
Die Autoindustrie hat gemischt auf die Ankündigungen der künftigen Regierung reagiert. Ein Sprecher von Porsche sagte, die Sportwagen seien ohnehin schon effizient und umweltschonend. Der Chef des Verbands der Autoindustrie erklärte dagegen, wenn Kretschmann grüne Autos sehen wolle, brauche er sich nur die Produkte anzuschauen, die in seinem Heimatland vom Band liefen. Die deutschen «Premiummarken» kämen bei der Reduzierung des CO2-Ausstosses «schneller voran als ihre Wettbewerber».
Davon wird sich der designierte Regierungschef (seine Wahl ist für den 12. Mai geplant) bald selber überzeugen können. Als Dienstwagen werde er erst einmal den Wagen fahren, den sein Vorgänger Stefan Mappus (CDU) noch bestellt hatte. «Ich vermute mal: ein Daimler», sagte Kretschmann. Nach einem Jahr könne er dann wechseln. «Ich werde sicher auch ein Fahrzeug nehmen, das in Baden-Württemberg gefertigt worden ist.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.04.2011, 08:01 Uhr
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5 Kommentare
Daimler, Porsche und Co sind Hitec-Weltmarken, die werden den ökologischen Quantensprung schon hinkriegen, da muss man sich keine Sorgen machen, schließlich sind die Deutschen nicht so blöd wie die anderen, siehe die radikale Energiewende weg von der Atomtechnologie. Die schaffen das, die werden uns zeigen, wie es geht. Antworten
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