Damit Lachs wieder gesund wird

Die Chemieunternehmen DSM und Evonik wollen Omega-3-Fettsäuren aus Algen für die Fischzucht gewinnen. Das soll den Wildfischbestand schützen.

Lachs gab es früher nur zu besonderen Anlässen – heute ist der Fisch vergleichsweise günstig. Foto: Xavier Richer (Getty Images)

Lachs gab es früher nur zu besonderen Anlässen – heute ist der Fisch vergleichsweise günstig. Foto: Xavier Richer (Getty Images)

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Schweizer lieben Lachs. Und das von Jahr zu Jahr mehr. 12'644 Tonnen Lachs wurden 2014 in die Schweiz importiert – mehr als doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor, wie es in der Fischereistatistik des Bundesamts für Umwelt heisst. Weltweit hat sich der Lachsfang seit den 50er-Jahren mehr als verachtfacht, wobei der Anteil der Zuchtfische inzwischen die Hälfte des Bedarfs deckt. Kein Wunder, denn Lachs gilt als gesund und ist mittlerweile eher günstig. Doch die Entwicklung birgt auch Probleme.

Fragwürdige Zuchtmethoden

Die steigende Nachfrage führt dazu, dass die Fischfarmer Lachs mit teils fragwürdigen Methoden hochzüchten. Berüchtigtstes Beispiel sind mit Medikamenten – vor allem Antibiotika – belastete Proben. Ein weiteres, unbekannteres Thema ist der mithin geringe Gehalt an Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren. Dieser ist bei Zuchtlachs häufig nicht so hoch wie bei Wildfängen. Das Chemieunternehmen DSM mit Schwerpunkt auf Nahrungsergänzungsmittel will die Lachszucht wieder nachhaltig machen. Die Firma aus Kaiseraugst investiert gemeinsam mit dem Spezialitätenchemie­konzern Evonik in ein Joint Venture, um essenzielle Omega-3-Fettsäuren für die Lachszucht mittels Algen herzustellen.

Dies soll langfristig helfen, den Wildfischbestand zu wahren. Denn bevor der Lachs auf den Teller kommt, muss er fressen und die Nährstoffe sowie Fettsäuren einlagern. In der Regel geschieht dies über die Fütterung mit Kleinfischen wie Sardellen, Hering und Sandaal, die diese wiederum aus Meeresalgen auf­genommen haben. 16 Millionen Tonnen Wildfisch werden jährlich laut Welternährungsorganisation FAO gefangen, um damit Fischöl und Fischmehl herzustellen. Die kleinen Fische fehlen dann im natürlichen Nahrungskreislauf der Weltmeere mit negativen Folgen für den gesamten Fischbestand. Heute werden für ein Kilogramm Zuchtlachs 2,6 Kilogramm Wildfisch zu Futtermittel verarbeitet, sagt Christoph Goppelsroeder, Präsident und Chef von DSM Nutritional Products. Ein Wert, der künftig sinken soll. Für Goppelsroeder steht dabei nicht nur die Frage nach der gesunden Ernährung der Menschen im Zentrum, sondern auch die Frage, in welchem ­Ausmass die Kleinfischbestände in den Meeren überfischt werden, wenn die Nachfrage nach Lachs weiter zunimmt.

Das Produkt der niederländischen DSM und der deutschen Evonik soll es ermöglichen, bei der Zucht diesen Zwischenschritt des Wildfangs auszulassen. Dafür planen sie bis 2019 für insgesamt 200 Millionen Dollar in den USA den Bau einer Fabrik, in der die Fettsäuren direkt aus den Algen gewonnen werden können und an Lachse verfüttert werden.

Ohne Einsatz von Gentechnik

Die entsprechende Alge mit den potenten Mikroorganismen für die Fettsäurenherstellung wurde an der Küste vor Nordamerika gefunden, sagt Goppelsroeder. Seither sei diese weiter­gezüchtet worden – ohne den Einsatz von Gentechnik. Ein möglicher Anreiz für Fischzüchter: Diese sollen mit den Fettsäuren von DSM und Evonik auch in Zukunft ihren Lachs ­entsprechend mit Labels auszeichnen, die Umweltschutz ausweisen. Vor allem die Nachfrage der Konsumenten nach Fisch, dessen Zucht die Wildfisch­bestände weniger belastet, soll den künftigen Absatz des Öls fördern, sagt Goppelsroeder.

«Das Algenöl wird es der Futtermittelindustrie ermöglichen, Schritt zu halten mit dem ansteigenden Bedarf nach für die Ernährung essenziellen Omega-3-Fettsäuren», so Goppelsroeder weiter. Lediglich vier grosse ­Firmen bieten laut Goppelsroeder Futter für die Lachszucht an – ein überschaubarer Markt.

Eine Besonderheit der neuen Anlage: Sowohl die Omega-3-Fettsäure EPA als auch die Fettsäure DHA sollen dort hergestellt werden. Beide wirken besonders auf die Entwicklung von Augen und Gehirn bei Kindern sowie für die Gesundheit der Augen und des Herzens bei Erwachsenen. Die Konkurrenz auf dem Markt biete bislang lediglich die Fettsäure DHA an – EPA müsse weiter über Wildfang zugefüttert werden. Bis zu 15 Prozent des Bedarfs der Zuchtfarmen an den beiden Omega-­3-Fettsäuren EPA und DHA soll die Anlage in den USA künftig liefern. Für DSM dürfte sich die Entwicklung lohnen: «Unsere Margen werden sicher nicht darunter leiden», sagt Goppelsroeder.

Ehemalige Roche-Sparte

Die Firma DSM, 1902 als Dutch State ­Mines gegründet, übernahm im Jahr 2002 das frühere Vitamingeschäft von Roche und machte 2016 mit der Ernährungssparte 5,2 Milliarden Euro Umsatz. Bereits heute ist DSM mit dem Pigment Astaxanthin in der Fischzucht vertreten. Es sorgt dafür, dass das Fleisch der Zuchtlachse die kräftige ­Pigmentierung erhält. Im offenen Meer fressen die Lachse kleine Krustentiere und lagern die Pigmente auf diese Weise natürlich ein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2017, 23:44 Uhr

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