Das 9-Uhr-GA stösst auf massive Ablehnung

De SBB wollen dieses Jahr ein 9-Uhr-Generalabo einführen. Dagegen regt sich heftiger Widerstand. Die grossen Bahnen lehnen das Projekt rundweg ab.

Alles fährt Zug: Rentner und Pendler kommen sich im Berufsverkehr in die Quere. Abhilfe soll das 9-Uhr-Generalabo schaffen.

Alles fährt Zug: Rentner und Pendler kommen sich im Berufsverkehr in die Quere. Abhilfe soll das 9-Uhr-Generalabo schaffen.
Bild: Keystone

Das von der SBB erwünschte 9-Uhr-Generalabonnement stösst bei den touristisch ausgerichteten Bahnen auf Widerstand. Diese machen drei Gründe geltend:

  • Mit einem verbilligten GA würden noch mehr Touristen zu touristischen Stosszeiten in Bahnen und Busse drängen, was die Engpässe verstärken wird.
  • Der Mehrverkehr schlägt sich bei den touristischen Bahnen nicht in Mehrerträgen nieder. Stattdessen steigen die Kosten bei sinkenden Erträgen.
  • Die verbesserte Transparenz unter den vielen Tarifen im Fernverkehr, die der Preisüberwacher verlangt, könnte nicht erreicht werden - im Gegenteil.

Richard Kummrow, der Chef der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (Golden Express) sieht zudem im Alltag Schwierigkeiten. Wie werden 9-Uhr-GA-Inhaber gebüsst, wenn sie um 8 Uhr 55 Zug fahren? Was, wenn die Kontrolle erst nach 9 Uhr passiert, der Reiseantritt aber vorher war? Was passiert bei Verspätungen mit Fahrkarten, die für die Zeit vor 9 Uhr vergeblich gelöst wurden? «Gerade die Gültigkeit zeitlich beschränkter Fahrausweise ist in der täglichen Praxis schwierig durchzusetzen», sagt Kummrow, der den Verband öffentlicher Verkehr präsidiert.

«Momentan keine Mehrheit dafür»

Den Entscheid über die Einführung des neuen GA fällen weder die SBB noch der Bund noch der Verband öffentlicher Verkehr, sondern eine für die Öffentlichkeit schwer fassbare «Kommission Personenverkehr». Ihr muss die SBB den Antrag stellen. Das Gremium besteht aus 9 Vertretern. Die Entscheide werden mehrheitlich gefasst. Einen festen Sitz haben die SBB und die Postautos. Delegiert vom Verband öffentlicher Verkehr sitzen dort der Zürcher Verkehrsverbund ZVV, die Basler und die Zugerland Verkehrsbetriebe, der Regionalverkehr Bern-Solothurn, die BLS, die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees und die Berner-Oberland-Bahnen/Jungfraubahnen. «Mit der momentanen grossen Ablehnung seitens vieler Unternehmen wäre es nicht opportun, ein 9-Uhr-GA einzuführen», sagt Marcel Mooser, Marketingchef der Matterhorn-Gotthardbahn. Im Klartext: Sie SBB finden keine Mehrheit dafür.

Dem Vernehmen nach sind nicht nur die touristischen Anbieter dagegen, sondern auch der Zürcher Verkehrsverbund und die Postautobetriebe. Der ZVV opponiert, weil mit einem 9-Uhr-GA sein Tarifgefüge unterlaufen würde. Und die Postautos sind dagegen, weil auch sie an Wochenenden und Feiertagen von massiv mehr Passagieren bei schlechteren Erträgen ausgehen müssten.

Und schliesslich übt auch der Interessenverband Pro Bahn Schweiz Kritik. Das Problem der SBB mit Platzmangel zu Stosszeiten beschränke sich auf die bekannten Pendlerstrecken, sagt Präsident Edwin Dutler. «Betroffen sind vor allem das goldene Dreieck Zürich-Bern-Basel, die Strecken von Zürich nach Winterthur und Luzern sowie Lausanne-Genf. Auf allen anderen Strecken ist meistens noch Kapazität vorhanden.» Insbesondere auf der Gotthardstrecke gibt es zwischen 7 und 9 Uhr freie Kapazitäten. Diese Strecke wäre geeignet, um mit Ausflüglern ausgelastet zu werden. «Aber mit einem 9-Uhr-GA würden Tagesausflüge nicht attraktiver werden.» Er rechnet vor: Wer zu Hause um 9 Uhr wegfährt, erreicht den Schnellzug in Zürich um 10 Uhr. Das Tessin wäre frühestens um 13 Uhr erreicht.

SBB haben keinen Plan B

Hinzu kommt der Gerüchten zufolge hohe Preis von ungefähr 2400 Franken. Pro-Bahn-Präsident Dutler glaubt, dass ein zeitlich beschränktes GA etwa 1500 Franken kosten müsste, damit es erfolgreich wäre.

Die Zweifel an der Wirksamkeit eines 9-Uhr-GA mehren sich also. Einen Plan B gibt es offenbar nicht. «Die SBB hat einen grossen Fehler gemacht, dass sie das Projekt publik machte, bevor es entscheidungsreif war. Jetzt ist sie in Zugzwang», sagt der Chef einer Privatbahn. Die SBB schreiben: «Die Diskussion über dieses Angebot und dessen Ausgestaltung werden wir mit unseren Partnern innerhalb des Verbandes öffentlicher Verkehr führen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2009, 07:47 Uhr

25 KOMMENTARE

Elisabeth Brunner

03.05.2009, 12:35 Uhr

Was soll diese schlecht durchdachte Idee der SBB? Ich fahre als Rentnerin seit Jahren mit meinem GA. Ich schlafe sehr oft schlecht und erwache dann früh. Was gibt es Schöneres als beim Morgengrauen, bei Vogelgesang aufzustehen, auf Reisen zu gehen und dafür am Abend früh nach Hause zurückzukehren? Reisende mit GA sollten eigentlich viel mehr Rabatt erhalten, sie schädigen die Umwelt nicht!!


Fritz Müller

03.05.2009, 09:50 Uhr

Die einzige Lösung des Verkehrsproblems ist (wenn auch sehr utopisch): Wohn- und Arbeitsort müssten künftig wieder vermehrt identisch sein.


Adrian Frey

02.05.2009, 17:44 Uhr

Kapazität erhöhen und Strecken ausbauen scheint die einzige Lösung zu sein. Nur, man freue sich nicht zu früh. Es wäre wie beim Strassenbau; neue Strassen ziehen den Verkehr an. Eine 6-gleisige Zürich-Bern-Verbindung zieht demnach auch die Leute an und es wäre nur ein kurzer Moment zum Aufatmen. Sprich: gewöhnt euch doch einfach daran, dass die Züge zu Stosszeiten übervoll sind und bleiben werden.


Jürg Baeder

02.05.2009, 16:51 Uhr

Es scheint verrückt. Ver-rückt scheint nun auch die SBB mit Ihrem neuen GA. Wahrlich, es wird heute immer mehr ver-rückt, und so werden die Kunden langsam verrückt, wegen den vielen ver-rücken. Bleibt doch bei dem Beständigen, dem Bewährten, dem Funktionierenden. Dann kann es nicht fehlen, und man kann kleine Korrekturen machen, etwas daran schleifen, damit es besser geht. Aber so nicht.


Sven Halter

02.05.2009, 16:42 Uhr

Die senile Bettflucht treibt viele Rentner bereits um 3:30 Uhr aus dem Bett. Also wäre es vernünftig für diese Bahnkunden ein 4 Uhr Abo herauszugeben. Das Abo wäre von 4 Uhr bis 6:30 Uhr gültig und danach von 9 Uhr bis 16 Uhr, damit diese Leute auch rechtzeitig wieder ins Bett kommen!


Walter Kunz

02.05.2009, 15:33 Uhr

Vorläufig reise ich immer noch zu der Zeit Wenn, nötig oder wie es mir gefällt. Um den lästigen Platzmangel zu beheben muss sich auch die SBB entsprechend dem Fahrgastaufkommen aktiv bemühen. Das bedingt zwingend ein Ausbau des Streckennetzes, Erhalten der Bahnhöfe Beschaffung von Mehr und Zeitgemäßem Rollmaterial inklusive gut geschultem Personal. Alles andere ist Notlösung.


Georgette Bernhard

02.05.2009, 13:42 Uhr

Ich finde die Idee auch schlecht. Will ich ins Tessin oder in die Westschweiz inkl. Wallis, so stehe ich auch beizeiten auf um etwas vom Tag zu haben, bzw. auch eine Wanderung und einen Restaurantbesuch zu ermöglichen. Der Vorteil der Tageskarte bzw. des GA liegt ja im ungeplanten, je nach Wetter spontanen Tun. Fängt man damit zuhause erst um 9Uhr an, kommt man nirgendwohin.


Alexandra Hamilton

02.05.2009, 12:26 Uhr

Ein 9-GA für 1500 Fr. (2. Kl) richtet sich nicht an ZVV Pendler! Die haben mit 9-Pass eine günstigere Lösung (1100/Jahr ganzes Netz). Es ist nicht das primäre Ziel mehr Einnahmen zu generieren, sondern die Publikumsströme zeitlich besser auf die Infrastruktur zu verteilen. Spezialbillete die zum 9-GA gelöst werden müssen, wenn man früher als 9 los muss lösen ein weiteres Anliegen.


Christian Vogler

02.05.2009, 11:46 Uhr

Der grosse Andrang auf gewissen Strecken lässt sich am Ende nur mit Ausbau lösen. D.h. Strecken ausbauen oder neue Strecken bauen. Der Grossteil der Bahninfrastruktur stammt aus dem 19. Jahrhundert. Neu gebaut wurden nur die NEAT (Gotthard/Lötschberg) und "Mattstetten–Rothrist". Die Infrastruktur hat bisher der Staat bezahlt, also muss man das nicht zwingend auf die Preise abwälzen!


Dominic Rüttimann

02.05.2009, 11:24 Uhr

Ich bin von der Wirksamkeit auch nicht wirklich überzeugt.Wie hoch ist der Anteil von Nicht-Pendlern in der 7.41 S12 Winterthur-Zürich?!Ich glaube schwindend klein.Aber Lösungen müssen gesucht werden,da grössere Kompositionen und mehr Züge auf dem Liniennetz nicht möglich sind.Wie wärs mit ein paar Milliarden weniger für Cargo-Strecken und ein bisschen mehr für den Personenverkehr?


Urs Nünlist

02.05.2009, 11:11 Uhr

Das darf nicht die Lösung sein! Die SBB muss die Kapazitäten erhöhen! Das Problem kann nur so längerfristig gelöst werden! Die bestehende Strategie ist nur auf raschen Profit aus! Cargo zeigt wohin das führt! Es freut mich, dass sich viele wehren! Es gibt Personen, die können die Reisezeit nicht bestimmen und die sollten nicht bestraft werden. Urs Nünlist


Ulrich Knobel

02.05.2009, 10:44 Uhr

Seit 4 Jahren bin ich Inhaber eines GA 1. Kl. Wenn ich es irgendwie richten kann, fahre ich immer nach der grossen Pendler-Hatz um 9 Uhr. Dann kann man einigermassen reisen. Wenn dann aber die neue 9 Uhr-GA-Hatz losgeht, kann man das Reisen vergessen. Deshalb bin ich entschieden dagegen. Doch die SBB-Oberen werden immer etwas finden, wie sie den Reisenden schikanieren können.


Franz Klammer

02.05.2009, 10:41 Uhr

Anstatt es auf dem Rücken der Kunden auszubaden, sollten die Herren der SBB mal über einen 15 oder 20 Minuten Takt zwischen Bern und Basel nachdenken. Und im Winter von Chur her an den Wochenenden ebenfalls einen 20 Minutentakt. Aber eben das Kostet und der Kunde hat den nutzen. Und genau dies passt nicht ins SBB bild.


Ruth Schärer

02.05.2009, 09:57 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren Ich pers. finde dies eine s e h r gute Idee. Da dieses GA somit auch günstiger wird. Super Idee. Hoffentlich kommt dies bald zur Anwendung. Freundliche Grüsse Ruth Schärer


Tom Schneider

02.05.2009, 09:53 Uhr

Statt einem 9-Uhr-GA sollten die SBB lieber ein Gleis7-GA für alle Altersklassen anbieten. Damit könnten einige der in der überfluteten Morgenspitze anreisenden Leute auf die Abendzüge am Vortag umgelegt werden. Ein solches Angebot würde das normale GA nicht kanibalisieren, könnte deutlich billiger als das normale GA angeboten werden und würde damit sicher zu einem Erfolg.


Franziska Bolliger

02.05.2009, 09:35 Uhr

Die SBB baut immer mehr Service ab, spart sogar bei den WCs und gleichzeitig gehen die Preise hoch. Als wäre nicht genug abgezockt, büsst die SBB mit 2. Reisende die in der 1. Klasse sitzen wie Schwarzfahrer und jetzt wollen sie zeitlich begrenzte Abos einführen. Es ist Zeit das die GL ausgewechselt wird, da diese den Ausbau an Rollmaterial schlicht verpennt haben und dafür abzockten!!!!!


Rofl Kehrli

02.05.2009, 09:31 Uhr

"Plan B" wäre der Ausbau der stark / überbelasteten Linien, damit während Stosszeiten mehr Züge verkehren könnten. Längere oder höhere Kompositionen sind wohl nicht realisierbar. Eine solche Investition würde ich auch unterstützen (Abo-Preis), den Rest könnte man mit den 25% (siehe Initiative "für den öffentlichen Verkehr) aus der Mineralölsteuer finanzieren.


Adrian Hunziker

02.05.2009, 09:02 Uhr

Ich dachte im ernst auch die SBB müsse sparen!!!!


Noël Delaloye

02.05.2009, 08:57 Uhr

Guten Tag Finden-ich eine sehr gute Idee von SBB. Viele Leuten reise ab 0900 hr Aber die Leute reklamieren immer Grusss Noël,


Ronnie König

02.05.2009, 08:57 Uhr

Das ist eine Schnapsidee. Nur kranke Staatshirne können so krumm denken! Es wird in Zukunft weniger Sitzplätze habenund die Züge werden auf einigen Strecken sehr voll sein. So oder so! Ausser wir bauen ein 2. unterirdisches Bahnsystem. Das oben wäre dann teurer, man hätte Panorama. Aber die Hilflosigkeit bei den Bahnen ist erschreckend. Oder fahrt mehr Velo!


Adolf Kurt Leemann

02.05.2009, 08:09 Uhr

Das Problem erkennen scheint die derzeitigen "Fachleute" zu überfordern. .... Zu viele Leute werden in die öffentlichen Verkehrsmittel gedrängt und diese sind ganz einfach nicht in der Lage diese Mehrbelastung zu erfüllen. Wiedereinmal haben unsere staatlichen Verkehrs Guru kläglich versagt. Wechseln wir doch diese endlich aus !


Hans Willi

02.05.2009, 07:58 Uhr

Schnapsidee. Im Prinzip wäre es sowieso eine Aufgabe des Staates für den ÖV zu sorgen. Kosten über die Steuern = Sozial. Aber das gleiche gilt ja auch für andere Bereiche. Wär von den Politikern fängt endlich an den Staat an seine Aufgaben zu erinnern?


Erich Burkhalter

02.05.2009, 07:51 Uhr

Rentner haben jahrzehnte lang gearbeitet und sollen nun abwarten bis ihre Züge freigegeben werden?


Karl Mrak

02.05.2009, 07:34 Uhr

Die SBB und der Bürger sollte wohl eher zugeben dass die Kapazitäten der Bahn in Stosszeiten erreicht sind und man die Bundesgelder für den Ausbau der Strassen einsetzen könnte, als auf gleichbleibendem Schienennetz immer mehr Rollmaterial zu bestellen.


Barbara Sigg

02.05.2009, 07:05 Uhr

Die Tarife sind jetzt schon nicht immer durchsichtig. Fahr ich eine Strecke mit S-Bahn oder will ich auch mit dem Intercity oder Interregio die gleiche Strecke fahren können, gibt es zwei verschiedene Tickets. Die SBB soll es so einfach wie möglich machen. Strecke von A nach B soll immer gleich viel kosten. Das Platzproblem wird eh nicht gelöst, wenn alles auf die grossen Zentren konzentriert ist.




Publireportage

Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung

ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.

Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobsuche

Kaum wird irgendwo ein Job frei, ist er auf jobwinner.ch.

Weiterbildung

Weiterbildung AusbildungFinden Sie die passende Schule für Ihre Weiterbildung in Beruf und Freizeit.
Jetzt nach Weiterbildung suchen:

BMI-Rechner

Body-Mass-Index Rechner



[Alt-Text]



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten