Wirtschaft
Das Debakel der UBS mit der Vermögensverwaltung in den USA
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 27.05.2011 30 Kommentare
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Die Kritik an der Strategie der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) wird lauter. Im Mittelpunkt steht meist das Investmentbanking – jenes Geschäft, das die Bank in die Krise getrieben hat, das hohe Risiken birgt und deshalb auch viel Kapital bindet.
In der Kritik steht aber auch das Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA. Das Wealth Management Americas ist ökonomisch betrachtet eine Pleite. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man bis ins Jahr 2000 zurückblendet – dem Jahr der Übernahme des US-Finanzhauses Paine Webber.
«Himmlische Verbindung»
Man schrieb den 12. Juli, als der damalige Konzernchef der UBS, Marcel Ospel, mit Paine-Webber-Chef Donald Marron im New Yorker Hotel Waldorf Astoria vor die Medien trat. Abgestimmt auf die prunkvollen Kronleuchter im Empire-Saal formulierte Ospel pathetisch: «Diese Verbindung wurde im Himmel gemacht.» Die Transaktion werde Kunden, Mitarbeitern und Aktionären Freude bereiten. Das wagt rückblickend niemand mehr zu behaupten, schon gar nicht, wer UBS-Aktien besitzt. Für die Aktionäre hat sich der Kauf nie gerechnet.
Gemäss dem Geschäftsbericht 2000 kostete der Paine-Webber-Kauf die UBS 12,5 Milliarden Dollar – beim damaligen Wechselkurs von über 1.70 Franken pro Dollar waren das 22 Milliarden Franken. Ein stolzer Preis, fanden die Marktbeobachter schon damals. Und doch stiess der Kauf auf breite Zustimmung, teilte man doch damals die Meinung Ospels, dass eine starke Präsenz auf «dem grössten und am schnellsten wachsenden Vermögensverwaltungsmarkt der Welt» ein Muss war.
Paine Webber wurde mit dem bereits bestehenden US-Geschäft der UBS fusioniert. Heute firmiert dieses Geschäft mit den Reichen und Superreichen der USA und Kanadas unter dem Namen Wealth Management Americas. Auf einen grünen Zweig kam die UBS mit dieser Einheit nie. Zwei Jahre (2008 und 2010) brachten Verluste. Über die zehn Jahre seit der Übernahme resultierte ein Vorsteuergewinn von gut 2,3 Milliarden Franken – ein Zehntel des Kaufpreises.
«Klare Fehlinvestition»
«Das Geschäft ist und bleibt chronisch defizitär», sagt ein UBS-Insider. Er wird unterstützt von Analystenseite. Roger Degen von Julius Bär sagt: «Der Kauf von Paine Webber war eine klare Fehlinvestition.» Er rechnet vor, dass auf den Kaufpreis von 22 Milliarden Franken für Paine Webber seither ein kumulierter Vorsteuerverlust von ungefähr 2 Milliarden erwirtschaftet worden ist. Dabei sind nicht einmal die Währungsverluste eingerechnet. Der Dollar ist seit der Übernahme von über 1.70 Franken auf unter 90 Rappen getaucht.
Etwas gnädiger urteilt Teresa Nielsen, Analystin von Vontobel. Zwar ist auch für sie das Wealth Management Americas ein Verlustgeschäft. Sie verweist aber auf die Verbesserungstendenzen seit Mitte des letzten Jahres. Die Zahl der Kundenberater sei inzwischen stabil. Deshalb könne man von einer Verbesserung der Profitabilität ausgehen. Aber auch Nielsen schränkt ein: «Das Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA wird nie so profitabel sein wie anderswo auf dieser Welt.»
Degen bezweifelt, dass mit den rund 6800 US-Kundenberatern die Profitabilität gesteigert werden kann. Diese wüssten sehr genau, was sie wert seien. Mit höheren Einnahmen würden einfach ihre Boni steigen. Deshalb sagt Degen: «Überschüsse werden grossteils durch die Kundenberater abgeschöpft.» Es sei sehr schwierig, steigende Gewinne den Aktionären zukommen zu lassen.
Unverkäuflich im Moment
Damit stellt sich nicht zum ersten Mal die Frage, ob die Schweizer Bank ihr US-Geschäft nicht besser verkaufen würde. Es sei wohl klar, dass sich die UBS aus dem Geschäft verabschieden möchte, sagt Degen. Nur sei es zurzeit nicht verkäuflich, jedenfalls nicht zu einem Preis, zu dem man ohne markanten Verlust aus diesem Markt herauskommen würde. Teresa Nielsen bezweifelt demgegenüber, dass die UBS tatsächlich aus diesem Geschäft aussteigen möchte. Dafür sei der Markt zu wichtig. Der ökonomische Beweis für dieses Argument steht allerdings noch aus.
Vor einer Woche dementierte die UBS Verkaufsabsichten ihrer US-Vermögensverwaltung. Ein Gerücht wollte wissen, dass Wells Fargo 6 Milliarden Dollar (rund 5,2 Milliarden Franken) für das USA-Geschäft der UBS biete. In der Bilanz weist die Bank per Ende 2010 für das Wealth Management Americas einen Goodwill von 3,3 Milliarden Franken aus. Die UBS bestätigt, dass der grösste Teil davon Paine Webber betrifft. Diese Summe müsste bei einem Verkauf abgeschrieben, also vom Erlös abgesetzt werden. Damit bliebe bei einem solchen Verkaufspreis unter dem Strich noch ein Gewinn von 2 Milliarden Franken. Kein Wunder, dass die Bank Verkaufsabsichten energisch dementiert.
Übrigens: Auch die Credit Suisse kaufte in den USA für rund 20 Milliarden Franken ein: Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ), im August 2000. Auch das ein Kauf, den die Bank heute kaum mehr tätigen würde. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.05.2011, 10:09 Uhr
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30 Kommentare
Und wer hatte der UBS (und der CS) vor 11 Jahren solch übertriebene Zukauf-Deals empfohlen? War auch dort Mc Kinsey Hunter-Project mit im Spiel - so wie bei Swissair und Ciba SC? Beide waren Hunter-Zukaufs-aktiv zu übertriebenen Preisen. Swissair wie Ciba SC sind inzwischen vom Markt verschwunden - massive Verluste für die Aktionäre (Anleger wie AHV, SUVA, Kranken- und Pensionskassen, Private..) Antworten
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