Das Migros-Geschäft mit den Restposten

Die Migros-Genossenschaften eröffnen in der Schweiz immer mehr Outlets. Dort verkaufen sie Markenartikel, die es im konventionellen Laden nicht gibt – zu Schleuderpreisen.

Überschussware der M-Industrie: Outlets führen Artikel von gewohnter Qualität – aber zu Tiefstpreisen. Foto: Dominique Meienberg

Überschussware der M-Industrie: Outlets führen Artikel von gewohnter Qualität – aber zu Tiefstpreisen. Foto: Dominique Meienberg

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«Willkommen im Schnäppchen-Paradies», steht auf dem Prospekt. Der Flyer stammt nicht von einem Discounter, nein, er trägt den Schriftzug der Migros. Angepriesen werden Angebote des ­Ladenformates Outlet. Barilla-Tomatensauce kostet hier etwa 1.90 Franken, ein ganzes Schweizer Poulet 5.90 Franken. Socken gibt es für 1 Franken. Weitere Outlet-Aktionen sind Chips von Pringles für 2.50 Franken oder eine Daunenjacke für 20 Franken.

Solche Schleuderpreise findet der Konsument sonst nur bei Otto’s und Discountern wie Aldi, Lidl und Denner. Die Schnäppchenjäger sollen jetzt aber auch vermehrt bei der Migros haltmachen können. Denn die Genossenschaften bauen ihren Outlet-Kanal aus. Genf, Luzern und die Ostschweiz haben in den vergangenen Monaten und Wochen je einen neuen Standort eröffnet. Die Genossenschaft Zürich wandelt nächsten Sommer eine Supermarktfiliale in Eglisau in einen Outlet um. Insgesamt betreiben acht der zehn Genossenschaften 18 Standorte. Weitere sind in Prüfung oder können dazukommen, falls sich eine gute Gelegenheit ergibt.

Bis zu 90 Prozent Rabatt

Der erste Outlet entstand in Luzern schon vor 12 Jahren. Die Genossenschaft nimmt deshalb Koordinationsaufgaben für die anderen wahr. Vor sechs Jahren wurde ein einheitliches Logo und eine einheitliche Ladengestaltung entworfen. Seither entstanden immer mehr Schnäppchenparadiese der Mig­ros. «Uns dienen die Outlets als Liquidationskanal für Migros-Produkte», sagt Migros-Luzern-Sprecherin Rahel Probst stellvertretend für die Genossenschaften. Bei allen Produkten handle es sich um Artikel von gewohnter Qualität – aber zu Tiefstpreisen. Fleisch in Grosspackungen, Biscuits, Tiefkühlprodukte und andere Überschussware der M-Industrie wird in den Outlets verkauft. Der Grossteil des ständig wechselnden Sortiments sind Nonfood-Artikel. Kleider, Schuhe, Spielzeug, Haushaltsgeräte und Gartenartikel, die in den normalen Filialen und Fachmärkten unverkäuflich waren, landen in den Outlet-Regalen.

Doch nicht nur Migros-Produkte sind im Angebot. Die Genossenschaften kaufen speziell für ihre Billigstläden auch Rest- und Überbestände bei externen Lieferanten zu. So haben die Outlets wechselnd Marken wie beispielsweise Barilla, Pringles und Sherpa-Outdoor­jacken sowie Produkte im Angebot, die in konventionellen Migros-Supermärkten gar nicht zu finden sind.

Für die Kunden ist das attraktiv. Die Outlet-Rabatte auf den Originalpreisen betragen 50 bis 70 Prozent, bei Räumungsverkäufen sogar 90 Prozent. «Das Konzept Preis - Leistung wird in den Outlets auf die Spitze getrieben», sagt ein Migros-Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte. Ein anderer spricht von «verdiscountern» der eigenen Produkte.

Fragliche Rentabilität

Wie sehr sich das Geschäft für die Migros selber lohnt, darf hinterfragt werden. Das Restantenmanagement ist ein Riesenthema bei Detailhändlern. Sie belasten die Filialen, die keinen Platz für neue Waren haben, und binden Kapital. Gut ist, wer alles über Aktionen abverkaufen kann. Migros-Konkurrentin Coop hat keine speziellen Ladenformate für Ladenhüter. Sie führt von Zeit zu Zeit ­Liquidationsverkäufe durch.

Über Umsatz und Rendite der Outlets machen die Genossenschaften keine Angaben. Migros-Luzern-Sprecherin Rahel Probst erklärt dazu einzig: «Wir können die vier Outlets Migros rentabel betreiben.»

Auf Otto’s Spuren

Klar ist, die Umsätze sind wegen der Tiefstpreise niedrig. Zahlen zweier Outlets, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegen, zeigen, dass der Umsatz pro Quadratmeter mit 5000 Franken beziehungsweise mit 9000 Franken sehr bescheiden ausfallen, auch für Discounterverhältnisse. Unter dem Strich wird da nicht viel übrig bleiben.

Denn das Geschäft im Billigstsegment ist hart. Stationäre und immer mehr Onlineanbieter kämpfen mit harten Bandagen um die Schnäppchenjäger. Der Luzerner Detailhändler Otto’s verkauft seit 30 Jahren Rest- und Überbestände und bezeichnet sich selbst als Paradies für Schnäppchenjäger.

Konkurrenz für Denner?

Auch die Migros selbst lockt bereits mit verschiedenen Kanälen und Sortimenten die sehr preissensible Klientel. Dafür führt sie Budget-Produkte in den konventionellen Läden und den Discount-Kanal Denner. Teilweise überschneiden sich die Standorte von Denner und Outlet. Auch am künftigen Outlet-Standort der Migros Zürich, in Eglisau, wird das Migros-Schnäppchen­paradies auf Denner treffen. Wobei sich die beiden Migros-Anbieter nicht nur gegenseitig die Stirn zu bieten haben, sondern auch noch mit ausländischen Händlern konkurrenzieren müssen. Eglisau liegt nämlich direkt an der deutschen Grenze.

Denner will zu den Migros-Outlets keinen Kommentar abgeben, wie Denner-Sprecherin Paloma Martino sagt. ­Migros-Luzern-Sprecherin Rahel Probst sagt: «Die Migros-Outlets sind nicht als Konkurrenz von Denner zu sehen, denn die Hauptaufgabe ist die Liquidation von Migros-Produkten.» Zudem führten die Outlets ja keine Standardsortimente. Die Produkte wechseln jede Woche.

Alle Genossenschaften machen beim Schnäppchenjagen aber nicht mit. Neuenburg-Freiburg und Basel betreiben bisher keine Outlets. Das mag mit den freien Mitteln zu tun haben, die zu Verfügung stehen, aber auch mit Vorlieben. Die Migros Basel beispielsweise investiert derzeit lieber in bestehende Filialstandorte. Migros-Basel-Sprecherin Nadine Kleiber sagt: «Zurzeit ist eine Outlet-Migros-Filiale nicht in Planung.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.12.2014, 23:34 Uhr)

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