Wirtschaft

Das Portemonnaie der Manager kennt keine Krise

Aktualisiert am 05.05.2010 20 Kommentare

Die Saläre der obersten Führungskräfte legen in der Schweiz dreimal schneller zu als der Durchschnitt – trotz der Krise. In einer Branche ganz besonders.

Durchschnittslohn pro Konzernleitungsmitglied

Durchschnittslohn pro Konzernleitungsmitglied


In Millionen Franken

Quelle: «Handelszeitung»


Die Chef-Saläre

Die Chef-Saläre


In Millionen Franken

Quelle: «Handelszeitung»

Die Chefs geben Gas: Stefan Lippe, CEO Swiss Re. (Bild: Keystone )

Stichworte

Eine Umfrage der «Handelszeitung» bei den 55 grössten Schweizer Unternehmen für 2009 zeigt, dass sich das durchschnittliche Gehalt eines Geschäftsleitungsmitglieds um 6,2 Prozent auf 2,1 Millionen Franken erhöht hat. Das ist drei Mal mehr als für die breite Masse der Angestellten: Gemäss dem Bundesamt für Statistik sind die Nominallöhne im gleichen Zeitraum um 2,1 Prozent gestiegen.

Während die Basissaläre meistens unverändert blieben, stieg der Anteil variabler Vergütungen. Bei der Credit Suisse etwa erreicht der variable Lohnanteil mittlerweile 92 Prozent des Gesamtsalärs. Bei Julius Bär und Vontobel liegt dieser Lohnteil bei über 70 Prozent.

Finanzen und Pharma an der Spitze

Das Fazit der «Handelszeitung»: Die Vergütungen der Industrie-Manager sind 2009 tendenziell gefallen, befinden sich aber immer noch auf hohem Niveau. Die Topmanager im Bankensektor haben dagegen markant mehr verdient.

Bei den Management-Vergütungen (Basissalär und Boni in jeglicher Form) liegen Finanzen und Pharma an der Spitze. Mit grossem Abstand führt die Credit Suisse die Rangliste an. Das Durchschnittssalär für die Konzernleitungsmitglieder beträgt 11,5 Millionen Franken (+61% gegenüber dem Vorjahr).

Auf Credit Suisse folgt die Swiss Re (7,5 Millionen;+24,%) weiterhin auf Platz zwei. Roche (7,1 Millionen;+30%) ist von Rang fünf auf drei vorgestossen und hat damit den an vierter Stelle platzierten Branchenkonkurrenten Novartis (6,7 Millionen; +21%) überholt. Zurich Financial Services (4,6 Millionen; -12%) und der Luxusgüterkonzern Richemont (4,3 Millionen; -16%) folgen auf den Plätzen sechs und sieben. Die Medtech-Firma Synthes (4 Millionen; +17,4%) ist von Rang zehn auf acht vorgerückt und hat die Position mit Holcim (3,4 Millionen; -10%) getauscht. Nestlé (3,4 Millionen; -0,7%) verbleibt an neunter Stelle. ABB (3,3 Millionen) ist nach einem drastischen Lohnschnitt von über 40 Prozent aus den Top Ten gefallen.

Herausragende Beispiele

Die «Handelszeitung» hat auch die zwölf krassesten Einzelfälle beleuchtet. So bezeichnet die Wirtschaftszeitung die Lohnsteigerung des Swiss-Re-Chefs Stefan Lippe von 129 Prozent auf 12,59 Millionen Franken als erklärungsbedürftig. So hat der Rückversicherer 2009 zwar wieder einen Gewinn von 506 Millionen Franken erzielt. Im Vorjahr betrug der Verlust jedoch 864 Millionen Franken.

Den Vogel abgeschossen habe aber Brady Dougan. Der CS-Chef führt mit einer Lohnerhöhung von 571 Prozent auf 19,2 Millionen Franken die Lohnsprung-Rangliste an. Dazu kommen Mitte April aus dem Langfristprämienprogramm (PIP) noch 70 Millionen Franken. Die Credit Suisse wollte sein Salär nicht kommentieren.

An der Spitze der absoluten Zahlen steht nach wie vor Novartis-Präsident Daniel Vasella mit 20,47 Millionen Franken. Das sind aber 0,4 Prozent weniger als noch 2008. (bru)

Erstellt: 05.05.2010, 15:38 Uhr

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20 Kommentare

Roland Moser

05.05.2010, 15:53 Uhr
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Nicht nur die Steigerung ist grässlich, auch der Absolutwert der Einkommen. Der Markt hat in diesem Segment noch nie funktioniert, weil die Jungs ihren Lohn nämlich selber bestimmen. Zum totalen Marktversagen betreffend die Kaderlöhne kommt hinzu, dass es an GV noch nicht rumort hat, und die Eigentümer sich gegen das finanzielle Ausbluten der eigenen Firma noch nicht gewehrt haben. Antworten


Heinz Köhli

05.05.2010, 15:48 Uhr
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Vorschlag: Bringen Sie einmal eine Grafik, wieviel diese Leute nach Steuern verdienen. Listen Sie auf, welches Steuersubstrat die Elite liefert (auch AHV-Beiträge etc.). Wenn schon immer über Löhne diskutieren (herziehen), bitte umfassend. Das ist für die Versachlichung der Debatten nicht nur fair, sondern zwingend. Antworten



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