Wirtschaft
Das entschleunigte Skigebiet
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 03.12.2009 10 Kommentare
Und so sieht es heute aus: Nächtlicher Blick auf die Schatzalp.
Hochgerüstete Skigebiete mit Schneekanonen und flach gehobelten Pisten gebe es in Davos schon genug, sagt Pius App, Mitbesitzer der Davoser Schatzalp. Zweierlei könne er deshalb versprechen, wenn Schatzalp-Strela kurz vor Weihnachten nach sieben Jahren aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werde: «Die Lifte werden gleich langsam laufen wie vorher, und es hat garantiert nur Naturschnee.» Schatzalp-Strela werde «das erste entschleunigte Skigebiet» sein. Für das Liftpersonal seien SKA-Mützentragen und Brissagorauchen nicht Vorschrift, aber gern gesehen. Wenn sich zu viele Snöber auf den «langsamen Berg» verirrten, lasse er Ländlermusik laufen, «das selektioniert», sagt App nur halb unernst.
Entdeckt hatte App den Zauberberg – sogenannt nach Thomas Manns gleichnamigem Roman –, als er auf Tourenski am Jugenstil-Hotel vorbei auf den Strelapass hochfellte. Die Vorbesitzer hatten das Skigebiet 2002 mangels Ertrag stillgelegt. Als Pius App und Erich Schmid die Schatzalp im Frühling 2003 kauften, sagten sie, Sesselbahn und Schlepplift würden wieder in Betrieb genommen. Niemand glaubte ihnen; die Wirtschaft steckte damals in der Krise.
Babyboomer als Zielgruppe
Seither hat das Duo das Hotel sanft renoviert und zum Laufen gebracht, die Schlittelbahn betrieben und die Schatzalpbahn erneuert. Dass die Erweckung des Skigebiets erneut in eine Krisenzeit fällt, stoppt die Initianten nicht.
Die Philosophie der Langsamkeit passt zu den sanft abfallenden Hängen oberhalb der historischen Hotelanlage. Andere Skigebiete wie Davos-Parsenn und Laax hätten zwar auch gemerkt, dass ihr Angebot zu einseitig sei, und sogenannte Chillout-Pisten eingerichtet, sagt App: «Aber die meisten Fahrer rasen auch auf diesen Entspannungspisten, weil ihnen gar nicht bewusst ist, dass hier ein gemütlicheres Tempo angesagt wäre.» Das soll auf dem Zauberberg nicht passieren. Pistenraser würden gezielt entfernt.
«Unsere Zielgruppe sind vor allem Babyboomer, die es beim Skifahren gern gemütlich nehmen», sagt App. Ihm war aufgefallen, dass er zu einer immer grösser werdenden Gruppe gehörte, die hin und wieder noch eine Skitour macht, Skipisten aber meidet: «Ich fühlte mich, und das ist vielleicht auch eine Altersfrage, einfach nicht mehr wohl auf den glatten, unpersönlichen Schneeautobahnen.» Auch Jüngeren ergehe es so – das Alter der Aussteiger sinke ständig. Ihm sei ein Rätsel, warum die Skibranche nicht stärker versuche, die geburtenstarken älteren Jahrgänge als Kunden zurückzugewinnen.
Mit günstigen Preisen abheben
Die Nischenstrategie wird strikte durchgezogen. Von umliegenden Skigebieten will sich die Schatzalp mit günstigen Preisen abheben. Erwachsene zahlen für die Tageskarte unter der Woche 30, an Wochenenden und Feiertagen 35 Franken. Jugendliche zahlen ein Drittel, Kinder zwei Drittel weniger.
Wer nur wenig Lift fahren und dafür mehr in den vier Beizen oder an der «Snow Beach» auf der Davoser Sonnenseite ausspannen will, kann auch einen selbst gewählten Betrag auf die Chipkarte laden und Liftfahrten einzeln beziehen, sagt App.
Nicht garantieren könne er, dass das Skigebiet immer offen sei: «Wir behalten uns vor, bei Hudelwetter, Sturm oder Schneemangel zu schliessen.» Aber dann mache Skifahren ja ohnehin keinen Spass.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.12.2009, 07:19 Uhr
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10 Kommentare
Wow - die beste Idee seit langem für den Wintersport. Endlich jemand, der es gemerkt hat. Babyboomer sind aber nicht ganz so alt, wie die Foto des Strela-Liftes glauben macht. Um 1900 gab es noch keine Skilifte. Der erste - Bolgenlift in Davos - wurde in der Dreissiger-Jahren gebaut. Die Foto stammt wohl aus den Fünfzigerjahren. Antworten
Das Beste, was ich seit langem gehört habe. Ich freue mich riesig. Wir sind häufig auf die Schatzalp gegangen, genau aus dem Grund, dass dort einfach noch etwas mehr heile Skiwelt war. Hoffentlich kommt auch die Strelahütte wieder auf die Beine. Das Angebot war wegen der Gesundheitsbehörde so klein, dass da niemand mehr hinging. Wir wünschen viel Erfolg und freuen uns. Gruss Alex Hotz Antworten
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Paul Grünenfelder
Bravo, jetzt ist es wieder soweit. Wenn auf den Parsennpisten zuviele Skifahrer hat, sind wir immer nach Schatzalp gefahren, gute Pisten und wenig Leute. Die Fr. 30.-- führ eine Tageskarte bezahle ich noch gerne. Hoffentlich bleibt das noch lange. Grüsse aus dem Prättigau Paul Antworten