Wirtschaft
Das iPhone kommt die Mobilfunkanbieter teuer zu stehen
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 10.09.2009 15 Kommentare
Kostet die Mobilfunkanbieter mehr Geld als es bringt: Das iPhone. (Bild: Keystone)
Für Sunrise war es eine herbe Schlappe: Die Telecomfirma durfte das iPhone als einzige Anbieterin nicht verkaufen. Apple hatte Swisscom und Orange im Sommer 2008 als Exklusivpartner erkoren.
Im Nachhinein könnte sich die Blamage als Glücksfall erweisen. So argumentiert immerhin der dänische Telecom-Berater John Strand in einer neuen Studie. Er sagt, das iPhone sei für Apples Exklusivpartner ein Verlustgeschäft. Strand hat mehrere Anbieter untersucht, die das iPhone verkaufen. Darunter AT&T in den USA, Telia Sonera in Skandinavien, T-Mobile in Deutschland oder Orange in Österreich. Sein Fazit: Mit dem iPhone lassen sich keine neuen Kunden gewinnen. Keiner der Anbieter konnte nach dem Verkaufsstart seinen Marktanteil steigern. Auch finanziell hatte das Gerät keine positiven Effekte. Die Telecomfirmen verdienten nicht mehr, die Umsätze waren stabil.
Sunrise am stärksten gewachsen
Die Schweiz kommt nicht explizit in der Studie vor, man erkennt aber durchaus Parallelen. Swisscom und Orange verkaufen das Handy seit dem 11. Juli 2008 exklusiv. Ein Blick auf das Kundenwachstum nach der Einführung zeigt: Am stärksten gewachsen sind nicht Orange oder Swisscom, sondern Sunrise. Also jene Anbieterin, die das iPhone gar nicht im Sortiment hatte. Orange führt allerdings einen Einmaleffekt an, der das Wachstum nach unten verzerre.
Studienautor Strand, der die Schweizer Verhältnisse gut kennt, überrascht der Triumph von Sunrise allerdings nicht. Das Problem sei, dass sich die Exklusivpartner zu sehr auf das Apple-Handy konzentriert hätten. «All jene Kunden, die nicht daran interessiert waren – und das ist die Mehrheit –, wurden vernachlässigt», sagt Strand. «Sunrise hat das ausgenutzt und mit einer grossen Auswahl an stark subventionierten Geräten all jene Kunden angesprochen, die nicht auf das iPhone fixiert waren.»
Dennoch: «Ein Erfolg»
In eine ähnliche Kerbe schlägt Ralf Beyeler vom Internetvergleichsdienst Comparis: «Meines Erachtens hat insbesondere Orange Kunden mit anderen Geräten vernachlässigt.» Wer ein iPhone hatte, konnte lange billiger aufs Internet als andere Kunden. Dazu sagt Orange: «Wir haben niemanden vernachlässigt.» Und: «Für uns ist das iPhone ein Erfolg.»
Auch die Swisscom hält fest, dass das iPhone eine Erfolgsstory sei. Zwar habe man den Marktanteil mit dem iPhone nicht ausgebaut. Aber: «Im ersten halben Jahr hat die Mehrheit der Neukunden ein iPhone gekauft. Die Frage ist, was passiert wäre, wenn wir das iPhone nicht im Angebot gehabt hätten», sagt Carsten Roetz.
450 Franken pro iPhone
«Wahrscheinlich nichts», hält Strand dem entgegen. Genau wie in den anderen Ländern. Komme hinzu, dass die Swisscom seine Überlegungen indirekt stütze. Seiner Meinung nach ist das iPhone auch deshalb ein schlechtes Geschäft, weil die Anbieter es zu günstig verkaufen. Tatsächlich musste die Swisscom im ersten Quartalsresultat nach der Einführung des iPhones eine ausserordentliche Minderung des Betriebsgewinns (Ebitda) kommunizieren. Schuld war das iPhone. In drei Monaten hatte sie 100 000 vergünstigte Apple-Handys verkauft, was zu einem Minus von 45 Millionen führte. Im Schnitt hat die Swisscom also jedes Gerät mit 450 Franken subventioniert – deutlich mehr als üblich.
Swisscom und Orange sind überzeugt, dass sie dieses Geld wieder hereinholen werden, weil iPhone-Kunden mehr Umsatz generieren. Strand bezweifelt, dass diese Rechnung aufgeht. «Heute argumentieren die meisten Anbieter so. Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommen wird.» Grund: Er rechnet damit, dass die Preise fürs Surfen arg ins Rutschen kommen werden und die Anbieter ihre Gewinnerwartungen revidieren müssen. Tiefere Preise wären indes eine gute Nachricht – und zwar für die Kunden sämtlicher Anbieter.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.09.2009, 04:00 Uhr
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