Wirtschaft

Das teure System der Pensionskassen

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 31.05.2011 30 Kommentare

Bisher ging man davon aus, dass die Verwaltung der Pensionskassengelder 2,8 Milliarden kostet. Nun zeigt das Bundesamt für Sozialversicherungen: Das Pensionskassensystem ist doppelt so teuer wie angenommen.

Im Vergleich zur erzielten Rendite verursachen Pensionskassen hohe Verwaltungskosten: Abtransport eines alten Rentenanstalt-Logos in Zürich (Archivbild).

Im Vergleich zur erzielten Rendite verursachen Pensionskassen hohe Verwaltungskosten: Abtransport eines alten Rentenanstalt-Logos in Zürich (Archivbild).
Bild: Keystone

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Das Schweizer Pensionskassensystem ist mit Gesamtkosten von 5,7 Milliarden Franken viel teurer als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV). Total liegen laut BSV 698 Milliarden Franken bei den Pensionskassen und grossen Lebensversicherungen. Um die Milliarden zu bewirtschaften und Renten auszuzahlen, braucht es bei den Pensionskassen eine Verwaltung (Kostenpunkt 792 Millionen), es braucht Marketing und Werbung (63 Millionen) sowie Verwaltungs- und Vertriebskosten der Lebensversicherer (918 Millionen). Dazu kommen die direkten Kosten der Vermögensverwaltung der Pensionskassen (795 Millionen) und der Versicherer (286 Millionen). Dies alles war längst bekannt.

Was nicht bekannt war, das waren die indirekten Vermögensverwaltungskosten. Dabei geht es um Kosten, die ein Fonds verursacht, wenn er Aktien kauft oder verkauft, um Steuern, die innerhalb des Fonds anfallen, oder auch um Löhne, die ausbezahlt werden. Gleiches gilt für Obligationenfonds und für strukturierte Produkte. Diese indirekten Kosten summieren sich auf 2,8 Milliarden Franken. Die Pensionskassen geben nur für die Vermögensverwaltung 3,9 Milliarden oder 0,56 Prozent des investierten Vermögens aus. Am happigsten sind die versteckten Kosten bei den «alternativen Anlagen», also bei Hedgefonds, Fonds of Hedgefonds, Private-Equity-Anlagen sowie strukturierten Produkten. Diese Anlagen, von denen niemand exakt weiss, was sie genau beinhalten, sind eigentlich eine kleine Anlagekategorie. Gerade mal 6,4 Prozent der Vermögen sind darin angelegt. Trotzdem verursachen sie 33 Prozent der Kosten.

«In die richtige Richtung»

Nun könnte es ja sein, dass die teuren alternativen Anlagen besonders hohe Renditen erzielen. Dann wären sie für die Versicherten trotzdem ein Gewinn. Doch dem ist gemäss BSV offenbar nicht so: «Werden die Kosten den mit den Vermögensanlagen erzielten Nettorenditen gegenübergestellt, so zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen den gemessenen Vermögensverwaltungskosten und der realisierten Nettorendite: je höher die Kosten, desto tiefer die realisierte Nettorendite.»

Einer, der die hohen Kosten der Pensionskassen schon lange kritisiert, ist Rudolf Strahm. Er gibt sich erfreut, dass man die versteckten Kosten endlich untersucht hat: «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch für mich sollte es grundsätzlich verboten sein, dass Pensionskassen in Hedgefonds investieren.» Finanzprofessor Martin Janssen möchte nicht so weit gehen. Aber auch er sagt: «Wenn die Vermögensverwaltung 0,56 Prozent kostet, ist das dreimal mehr, als wenn man das Geld passiv in einen Indexfonds investiert. Diese Mehrkosten müssten sich mit höherem Gewinn und besserer Diversifikation rechtfertigen. Es ist unklar, ob dem so ist.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2011, 11:55 Uhr

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30 Kommentare

Joe Amberg

31.05.2011, 12:01 Uhr
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Im Gegensatz zu den Krankenkassen - deren Pseudowettwettbewerb nur noch lächerlich ist, da sie eh alle diesselben Leistugen vergüten müssen - wäre ein echter Wettbewerb bei den PKs längst überfällig!!
=> Abkoppeln der PKs von den Arbeitgebern, freie Wahl der PK wie bei der 3. Säule.
Aber selbstverständlich wird sich der heutige "PK-Speckgürtel" massiv gegen einen Systemwechsel wehren...
Antworten


Geri Mouse

31.05.2011, 12:16 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Ist doch klar, hab selber mal bei der Rentenanstalt (heutige SWISSLIFE) gearbeitet. Irgendwie müssen ja all die Boni und die Millionengehälter bezahlt werden, geschweige denn von den vielen Aperos bei den sich die superklugen Manager selbst feiern und in Szene zu setzen wissen, auch ein Maschmeyer arbeitet nicht gratis. Also alles keine Ueberraschung. Alles wie immer im Kleingedruckten nachzulesen Antworten



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