Wirtschaft

«Das wird Google letztlich stärker machen»

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 25.11.2009

Microsoft und News Corp. üben den Aufstand. Kann es ihnen gelingen, mit einem exklusiven Abnahmevertrag die Marktmacht des Suchmaschinenriesen zu brechen?

Er glaubt, dass Google seinen Magazinen und Zeitungen die Geschichten stiehlt: Medienmodul Rupert Murdoch, hier am World Economic Forum 2009 in Davos, plant deshalb einen Schlag gegen den Internetriesen.

Er glaubt, dass Google seinen Magazinen und Zeitungen die Geschichten stiehlt: Medienmodul Rupert Murdoch, hier am World Economic Forum 2009 in Davos, plant deshalb einen Schlag gegen den Internetriesen.
Bild: Keystone

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Dem Medienmogul Rupert Murdoch ist Google (GOOG 591.53 -2.01%) schon lange ein Dorn im Auge. Die Suchmaschine «stiehlt unsere Geschichten», sagte er kürzlich in einem viel beachteten Interview. Die News Corporation ziehe es vor, wenn Google nicht mehr länger die Inhalte des «Wall Street Journal» und anderer Medien weiterverbreite. Er wolle lieber, dass die Internetnutzer für die Inhalte direkt bezahlten, auch wenn deswegen die Verbreitung abnehme. Mit Microsoft, (MSFT 29.06 -0.03%) einem anderen verärgerten Konkurrenten von Google, glaubt Murdoch nun endlich einen Verbündeten gefunden zu haben (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Kritiker sehen diesen Versuch einer «Nachrichten-Opec» als wenig aussichtsreich.

Murdoch und Microsoft haben Sondierungsgespräche mit Blick auf einen Google ausschliessenden Abnahmevertrag aufgenommen. Demnach würde die News Corporation die Auswertung ihrer Produkte, vom «Wall Street Journal» bis zur «New York Post», nur der Suchmaschine von Microsoft, Bling, zur Verfügung stellen. Wie der angepeilte Deal finanziell aussehen soll, ist nicht bekannt, Microsoft und News Corp. ( 19.43 0.26%) nahmen keine Stellung zu entsprechenden Berichten. Dagegen machte Google erneut klar, dass es jedem Medienkonzern frei stehe, die ihm zusagenden Suchmaschinen zu bedienen.

Den Stein der Weisen hat noch kein Verlag gefunden

Die Avance von Murdoch ist ein weiterer Versuch, für den journalistischen Aufwand von Zeitungen besser entschädigt zu werden, wenn Texte auf dem Internet zweitverwertet werden. Führende Verleger wie die «New York Times» oder das «Wall Street Journal» haben Teile der Inhalte online bereits kostenpflichtig gemacht. Sie versuchen aber, höhere Abgeltungen zu erzielen, um die sinkenden Einnahmen für die Druckausgaben auszugleichen. Den Stein der Weisen hat bisher noch kein Verlag gefunden. Erschwert wird die Sache dadurch, dass die Werbeerträge als Folge der Rezession auch im Internet sinken und allgemein nicht halten, was man sich erhoffte.

Murdoch spielt die Rolle des Eisbrechers nicht ohne Eigeninteresse. Als er 2005 das Online-Musik-Netzwerk Myspace für 580 Millionen Dollar kaufte, hoffte er, den grossen Sprung in die sozialen Webseiten des Internets geschafft und eine grosse Einnahmequelle erschlossen zu haben. Mit Google wurde ein Abnahmevertrag ausgehandelt, der Murdoch bis Mitte 2010 ein Einkommen von 900 Millionen Dollar versprach. Doch Myspace geriet rasch unter Druck, weil Facebook innovativer war und zur Nummer eins dieser sozialen Netzwerkgruppen wurde. Die Credit Suisse schätzt inzwischen, dass Myspace jährlich nur 250 statt 300 Millionen Dollar einnimmt und weiter an Boden verliert.

Risiko zu scheitern ist gross

Wenn Google den Deal erneuert, dann nur zu einem deutlich tieferen Preis. Die Credit Suisse schätzt, dass Google Murdoch künftig nur 100 Millionen Dollar Jahreseinnahmen zusichern könnte.

Ein Zusammengehen mit Microsoft sehen Experten als Versuch, Google zu einem besseren Angebot zu bewegen. Das Risiko des Scheiterns ist aber beträchtlich, weil Google fast zwei Drittel der Suchanfragen in den USA abwickelt; Bling von Microsoft dagegen nur knapp zehn Prozent. Die Beachtung der Inhalte der News Corporation im Internet könnte somit drastisch sinken. Internetpionier Craig Newmark sagt zudem, dass exklusive Abnahmeverträge dem offenen Konzept des Onlinenetzes zuwiderliefen. «Der Geist des Internets ist, dass Leute zusammenarbeiten; und dies ist Teil der Ethik von Google», so der Gründer der grössten Online-Anzeigenseite. «Deshalb glaube ich, dass der Zug (von Murdoch, die Red.) letztlich Google stärker machen wird.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2009, 10:14 Uhr

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