Davos' «goldenes Ei», ein faules Ei

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Luxushotels Intercontinental ist dessen Betreiberfirma bereits pleite. Betroffen ist auch die Credit Suisse. Was läuft schief?

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Das Davoser Luxushotel Intercontinental sorgt für Verluste. Foto: Andy Mettler

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Das Davoser Luxushotel Intercontinental sorgt für Verluste. Foto: Andy Mettler

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Die Davoser nennen ihr neues Luxushotel «das goldene Ei» – weil es durch seine eigenwillige Form auffällt und in der Sonne glänzt. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Schon gar nicht in der Hotellerie. Das zeigt sich jetzt im Landwassertal besonders krass.

Nur sechs Monate nach der Eröffnung des Davoser «Intercontinental» geht dessen Betreibergesellschaft schon das Geld aus. Die Stilli Park AG müsse ihre Insolvenz erklären, vermeldete die «Südostschweiz» am Wochenende. Verwaltungsratspräsident Martin Buchli mochte dies gestern weder bestätigen noch dementieren. Er werde sich erst heute Montag äussern, liess er verlauten.

Weniger verschlossen gibt sich der andere der beiden Stilli-Park-Verwaltungsräte, Ex-Ständerat This Jenny. Der Glarner Bauunternehmer bestätigt den Konkurs. Er selbst besitzt einen Viertel des Aktienkapitals von zwei Millionen Franken und verliert nun dieses Geld.

Das habe er kommen sehen, sagt der ehemalige SVP-Ständerat. Er habe die Aktien im vergangenen Jahr von einem anderen Unternehmer übernommen, um diesem in der Not zu helfen. Bereits damals seien die Aussichten schlecht gewesen. Den jetzigen Abschreiber von einer halben Million Franken empfindet Jenny nicht als besonders schmerzhaft. Der Betrag dürfte einen Bruchteil dessen ausmachen, was der Glarner mit dem Bau des Hotels verdient hat. Seine Toneatti AG erstellte den 155 Millionen Franken teuren Komplex als Generalunternehmerin zusammen mit einer Davoser Baufirma.

Hoher Pachtzins, wenig Gäste

Bezahlt hat der CS-Immobilienfonds Real Estate Fund Hospitality. Ihm gehört das zehnstöckige Gebäude. Und er hat das Luxushotel mit seinen 216 Zimmern und Suiten für 20 Jahre an die Stilli Park AG verpachtet. Diese wiederum schloss mit der Intercontinental-Gruppe – der grössten Hotelkette der Welt – einen Management-Vertrag ab.

«Die Interconti-Leute haben sich aufgespielt und grosse Töne gespuckt», sagt Jenny. Den Beweis ihres Könnens seien sie aber schuldig geblieben. In den ersten Monaten soll die Auslastung lediglich 40 Prozent betragen haben und im Februar gar auf 20 Prozent gefallen sein. Auf der anderen Seite, moniert Jenny, habe der CS-Immobilienfonds einen viel zu hohen Pachtzins verlangt – etwa das Doppelte dessen, was das Hotel verdient habe. Unter solchen Bedingungen habe die Stilli Park AG keine Überlebenschance gehabt, sagt der Glarner Bauunternehmer. Schon früh habe er der Credit Suisse mitgeteilt, dies könne nie funktionieren.

Der Manager des CS-Immobilienfonds, Lucas Meier, zeigte sich gegenüber der «Südostschweiz» aber völlig überrascht ob der Schwierigkeiten der Pächterin. «Quatsch», sagt Jenny, der sich gegenwärtig in einer Davoser Rehaklinik von einer Magenoperation erholt. Selbstverständlich hätten die CS-Leute Bescheid gewusst. Als Tagesanzeiger.ch/Newsnet gestern Meier mit diesem Widerspruch konfrontieren wollte, mochte dieser gar nichts mehr sagen.

Warum aber hat die Stilli Park AG den Vertrag mit dem angeblich überrissenen Pachtzins unterzeichnet? Laut Jenny geschah dies schon vor Jahren. Damals sei es den Teilhabern vor allem darum gegangen, das Hotel bauen zu können. Die nun anfallenden Betriebsverluste wollte und konnte die schwach kapitalisierte Firma jedoch nicht tragen. Offenbar hat sie den Pachtzins nur zum Teil bezahlt. «Wir haben an die CS nur weitergegeben, was hereingekommen ist», sagt Jenny. Will heissen: Faktisch trug der CS-Immobilienfonds das Risiko des Hotelbetriebs mit.

Damit nicht genug: Harzig läuft auch der Verkauf der Eigentumswohnungen, die dem Hotelgebäude vorgelagert sind und einen wesentlichen Beitrag an die Baukosten liefern sollen. Von den 38 Wohnungen sind erst 17 verkauft – eine davon an This Jenny. Er ist mit seiner Ferienwohnung zufrieden, ärgert sich aber über die hohen Preise fürs Essen im nahen «Intercontinental».

Wer fängt das Hotel auf?

Was heisst die neue Situation nun für Davos? Landammann Tarzisius Caviezel und Tourismusdirektor Reto Branschi wollten sich am Wochenende nicht äussern. Wahrscheinlich übernimmt nun eine Auffanggesellschaft den Betrieb des Hotels. Auch sie könnte mit der Intercontinental-Gruppe zusammenarbeiten. So würde sich fürs Hotelpersonal wenig ändern. Der CS-Immobilienfonds hingegen muss seine Renditeerwartungen wohl nach unten korrigieren. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.06.2014, 23:06 Uhr)

Update vom 2. Juni 2014, 12:00 Uhr

Harter Schlag für den Ferien- und Kongressort Davos: Nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung hat die Pächterin des Intercontinental Hotels, die Stilli Park AG, am Montag beim Bezirksgericht Plessur in Chur die Bilanz deponiert. Das bestätigte Verwaltungsratspräsident Martin Buchli auf Anfrage.

Buchli stellte weitere Informationen am Montagnachmittag in Aussicht. Die Stilli Park AG hat die Luxusbaute von der Grossbank Credit Suisse (CS) gepachtet und mit der international tätigen Hotelkette Intercontinental, der Hotelbetreiberin, einen Management-Vertrag abgeschlossen.

Der Immobilienfonds der CS investierte 155 Millionen Fr. in das Hotel. Weitere Gelder flossen in den Bau von 38 Zweitwohnungen. Fondsmanager Lucas Meier schwärmte nach der Eröffnung des Luxushotels und sagte, das Intercontinental in Davos sei eines der grössten Hotelprojekte überhaupt im Alpenraum.

Tatsächlich beeindrucken die Dimensionen des Hotels, das wegen seiner Form und Farbe «Goldenes Ei» genannt wird: 216 Zimmer und Suiten mit Balkonen stehen zur Verfügung. Der Spa erstreckt sich auf über 1200 Quadratmeter, die Fläche für ein Dutzend Konferenzräume misst 1500 Quadratmeter. Drei Restaurants, Bars und ein Sportgeschäft sind ebenfalls Teil des Hotels. Für das Wohl der Gäste sorgen über 200 Beschäftige, darunter 45 Köche.

Den Konkurs der Pachtfirma hatte am Samstag die Tageszeitung «Südostschweiz» vermeldet, allerdings noch ohne Quellenangabe. (sda)

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Das Intercontinental in Davos

Das Intercontinental in Davos Das neue Luxus-Hotel in den Bündner Alpen.

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