Wirtschaft

Decharge für Ospel & Co. höchst unsicher – Opposition gegen Villiger

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 25.03.2010

Grosse öffentliche Pensionskassen und die Beratungsorganisationen Ethos und Deminor stimmen Nein zur geplanten Décharge. Verwaltungsratspräsident Villiger soll zudem «nicht mehr fähig» sein.

Schaad

Wenn UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger in drei Wochen vor die Aktionäre tritt, kann er keineswegs sicher sein, dass er genügend Stimmen bekommt, um sein umstrittenstes Anliegen durchzubringen: die Erteilung der Décharge für die Jahre 2007, 2008 und 2009. Sämtliche Aktionärsvertreter sind dagegen, und in einer vom TA bei den Pensionskassen durchgeführten Umfrage sprach sich keine einzige Pensionskasse – es waren mehr als ein Dutzend, die antworteten – für die Entlastung der Verantwortlichen aus.

Ganz im Gegenteil: Die Pensionskasse der Stadt Zürich, die sich durch Ethos vertreten lässt, will Nein stimmen. Beim Kanton Zürich heisst es zwar, man habe noch nicht ganz entschieden, doch hinter den Kulissen spricht man klar davon, dass es ein Nein geben wird. Normalerweise, so ist der Webseite zu entnehmen, stimmt man nach den Vorgaben von Ethos. Bei den grossen Kassen des Bundes, das heisst bei der Publica und bei den Pensionskassen von Post, SRG und SBB, haben die Gewerkschaften ein gewichtiges Wort mitzureden. Gemäss Giorgio Pardini, dem Vizepräsidenten der Gewerkschaft Kommunikation, ist klar, dass sich die Unia-Vertreter in allen Kassen gegen die Décharge aussprechen werden. Ebenso werden die Kassen von Ringier, Presev und Association St-Camille Nein stimmen. Deren Direktor, Jacques Tinguely, sagt, er werde auch noch gegen Villiger persönlich stimmen, «weil wir meinen, dass er nicht mehr fähig ist».

Sinneswandel bei den Pensionskassen

Die übrigen Kassen haben die Parolen noch nicht gefasst. Interessant ist, dass die sogenannten Shareholder Services immer wichtiger werden für das Stimmverhalten der Pensionskassen. In der Schweiz ist das vor allem Ethos, in Amerika Riskmetrics (früher ISS). Viele grosse öffentliche US-Kassen richten sich sehr stark nach dieser Organisation. So etwa die grösste, die kalifornische Calpers. Überraschenderweise sagt auch die Pensionskasse der Swiss Re, die früher kaum je gegen das Management einer grossen Firma stimmte, sie richte sich nach den Vorgaben von Riskmetrics. Riskmetrics ist nach Angaben von Pressesprecherin Sarah Ball im Moment daran, ihre Parole zu fassen. Sieht man sich deren allgemeine Grundsätze im Internet an, so wäre alles andere als ein Nein eine Überraschung, denn es fand bereits im letzten Jahr ein Wechsel im Abstimmungsverhalten statt, in dem Sinne, dass Riskmetrics bei europäischen Banken mit Subprime-Problemen regelmässig die Décharge verweigert.

Die dritte solche Organisation ist Deminor. Ihre Kunden sind vor allem Pensionskassen von grossen europäischen Firmen, vornehmlich aus den Beneluxstaaten. Was die Décharge angeht, ist die Position klar: «Wir werden dagegenstimmen», sagt Denie Nada von Deminor. Die einzige Hoffnung für Villiger sind die Grossaktionäre, und hier vor allem die Trusts, die 34 Prozent der Stimmen haben. Bei denen weiss niemand so genau, wer dahintersteckt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2010, 06:45 Uhr

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