«Dem CS-Chefjurist fiel wohl das Gipfeli aus dem Mund»

Interview: David Vonplon. Aktualisiert am 18.12.2008 154 Kommentare

Die Credit Suisse will den Vertreter der Lehman-Geschädigten mit einer Klage zum Schweigen bringen. Doch René Zeyer denkt nicht daran: «Die CS ist beleidigt» sagt er und beruft sich auf die freie Meinungsäusserung.

«Es macht allen Anschein, als wolle die CS die Krise aussitzen»: René Zeyer, Vertreter der Lehman-Opfer, zur Klage der Grossbank gegen seine Person.

«Es macht allen Anschein, als wolle die CS die Krise aussitzen»: René Zeyer, Vertreter der Lehman-Opfer, zur Klage der Grossbank gegen seine Person.

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«Ein Bankraub mit System»

René Zeyer, Sprecher des Vereins Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer, veröffentlichte Ende Oktober in der Zeitung «Sonntag» einen Gastbeitrag unter dem Titel «Ein Bankraub mit System». Die CS nahm dies wörtlich und schlägt nun mit einer Klage vor dem Handelsgericht zurück. Sie fühlt sich «des Bankraubs bezichtigt», «in unlauterer und widerrechtlicher Weise in ihrer wirtschaftlichen Stellung sowie in ihren Geschäftsverhältnissen herabgesetzt »und «in ihrer Persönlichkeit verletzt».

Im Artikel warf Zeyer der Bank vor, der Vertrieb von Lehman-Anlageprodukten durch CS-Mitarbeiter sei «von reiner Geldgier und der Jagd nach Kommissionen» getrieben gewesen. Gemäss Recherchen des «Tages-Anzeigers» sind rund 4500 CS-Kunden mit einem Anlagevolumen in Lehman-Papieren von 700 Millionen Franken zu Schaden gekommen.

Herr Zeyer, Sie haben Ende Oktober in einem Artikel in der Zeitung «Sonntag» die Credit Suisse scharf angegriffen. Die CS will Ihnen nun mit rechtlichen Schritten verbieten, ihre Aussagen öffentlich zu wiederholen. Werden Sie nun schweigen?
Selbstverständlich nicht. Die Credit Suisse will von mir, dass ich nur noch sage, ihre Kundenberater hätten nach besten Wissen und Gewissen gehandelt. Doch das werde ich nie tun.

Die CS verklagt Sie, weil sie sich aufgrund Ihres Artikels «in ihrer Persönlichkeit verletzt» sieht. Was schliessen sie daraus?
Die CS ist beleidigt. Für eine Bank ist das sehr ungewöhnlich.

Sie halten das Vorgehen der Bank für irrational?
Ich kann mir das nicht anders erklären. Urs Rohner, der Chefjurist der CS, wohnt im Aargau. Ich glaube, dass Rohner an einem schönen Sonntagmorgen die Zeitung «Sonntag» aufgeschlagen hat – und ihm dann das Gipfeli aus dem Mund fiel, als er meinen Artikel gelesen hat. Dann hat er wohl den Rechtsdienst der Bank verständigt.

Sie sprachen in ihrem Artikel von einem «Bankraub». Haben Sie als ehemaliger NZZ-Journalist eine Klage bewusst in Kauf genommen?
Nein, absolut nicht. Ich ging davon aus, dass solche Aussagen, die sich im Übrigen nicht explizit auf die CS bezogen, im Rahmen der Meinungsfreiheit zulässig sind. Nicht zuletzt auch angesichts des Skandals, den sich die Credit Suisse in Zusammenhang mit den Lehman-Papieren geleistet hat.

Sie werfen der CS vor, sie sei von reiner Geldgier und der Jagd nach Kommission getrieben. Können Sie das belegen?
Es geht darum, dass die CS hoch spekulative Produkte an finanziell völlig unbedarfte Kleinanleger verkauft hat. Es ist dabei eine bekannte Tatsache, dass Anlageberater von Boni leben, dessen Höhe sich nach dem Umsatz bemisst, der erzielt wird.

Laut der Credit Suisse haben sich ihre Berater bloss in Einzelfällen gegenüber ihren Kunden falsch verhalten.
Das ist lächerlich. Auch die CS bestreitet heute nicht mehr, dass 4500 Kunden geschädigt wurden. Da kann man wohl kaum mehr von Einzelfällen sprechen.

Sie gehen in Ihrem Artikel voll auf Konfrontation – sind Sie an einer einverträglichen Lösung nicht interessiert?
Doch. Zusammen mit der Fédération Romande des Consommateurs, der grössten Konsumentenschutz-Organisation in der Westschweiz, haben wir die CS in einem Brief gebeten, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen mit dem Ziel, eine überindividuelle Lösung zu finden. Nach längerem Zögern liess die CS ausrichten, dass sie daran nicht interessiert ist.

Stehen Sie als Vertreter der Geschädigten noch in direktem Kontakt mit der CS?
Nein, die Kommunikation findet allein auf dem Rechtsweg statt – auch was die meisten Opfer betrifft. Zu den Geschädigten verhält sich die CS nicht anders als zu mir. In über 90 Prozent aller Fälle bietet sie keine Hand für eine einvernehmliche Lösung.

Erkennen Sie wenigstens eine gewisse Bereitschaft zu Konzessionen auf Seiten der Grossbank?
Nein. Gemäss unserer Einschätzung hat die CS noch immer keinen Kontakt zur Realität aufgenommen. Das beweist auch die Klage gegen mich. Mittlerweile sind doch schon drei Monate seit der Lehman-Pleite vergangen. Es macht allen Anschein, als wolle die CS die Krise aussitzen. Verfolgt sie diese Strategie weiter, wird unser nächster Schritt sein, die CS mit juristischen Mitteln zu belangen.

Welchen Weg wollen Sie einschlagen?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Rechtsweg beginnt schlicht und einfach mit einem Zahlungsbefehl von einzelnen Opfern gegen die CS. Anschliessend wird das voraussichtlich in einem Zivilprozess enden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.12.2008, 11:41 Uhr

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154 Kommentare

Hansjörg Lutz

18.12.2008, 09:18 Uhr
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@Stefan Meier: Sorry, aber jeder der in Finanzprodukte investiert hat sich bewusst zu sein, dass es keinen "Free Lunch" gibt, heisst: Kein Etrag ohne entsprechendes Risiko. Alles was über dem sogenannten risikolosen Zinssatz (bspw. Staatsobligationen) an Ertrag angeboten wird, weist Risiko auf. Sie können nicht 20% an Etrag einfahren und dabei meinen, das alles habe kein Risiko. Antworten


Beat Fasnacht

18.12.2008, 09:49 Uhr
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Da bleibt nur eines zu sagen: Haende weg von US Finanzprodukten. Wann lernen wir Europaeer endlich das die USA kein Anlage Land mehr sind. 25 Jahre Gewinne aus Bankgeschaeften sind durch die jetztige US Finanzkrise vernichtet worden. Antworten



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