Wirtschaft

Den Emmentaler-Fälschern auf der Spur

Von Erika Burri. Aktualisiert am 29.11.2010 5 Kommentare

Die Emmentaler-Käser haben genug von billigen Kopien. Ab Januar mischen sie ihrem Käse Bakterien bei, die Fälschern das Handwerk legen sollen.

Bald werden sie nicht mehr so leicht zu kopieren sein: Im Sandsteinkeller Kaltbach von Emmi können 13'000 Käselaibe gelagert werden.

Bald werden sie nicht mehr so leicht zu kopieren sein: Im Sandsteinkeller Kaltbach von Emmi können 13'000 Käselaibe gelagert werden.
Bild: Keystone

Es gibt den echten Emmentaler Käse mit dem Gütesiegel, der auf den Laib geprägt wird. Und es gibt Käse, der wie der Emmentaler Löcher hat und auch in etwa wie Emmentaler schmeckt — Fälschungen. Laut der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland sind rund 10 Prozent des «original Schweizer Emmentalers» auf dem Weltmarkt billige Kopien.

Ihre Erschaffer halten sich nicht an das Pflichtenheft der AOC (Appellation d’0rigine Contrôllée). Dieses definiert, was einen echten Schweizer Emmentaler ausmacht. Die vielen Qualitätsvorschriften machen die Produktion aufwendig. In den Ladenregalen ist der echte Schweizer Emmentaler rund 40 Prozent teurer als die Kopien aus dem In- und vor allem aus dem Ausland.

Kopien zu Schweizer Preisen

Einige ausländische Käser – etwa in Finnland und Italien – sind offenbar besonders geschickt darin, den Emmentaler zu kopieren, ihn in eine Verpackung mit der Aufschrift «echter Schweizer Käse» zu stecken und genauso teuer zu verkaufen. Eine illegale Machenschaft, die sich die echten Emmentaler-Käser nicht länger gefallen lassen wollen.

Um Fälscher zu enttarnen, hat die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope deshalb eine raffinierte Methode entwickelt: Ab Januar mischen die Schweizer Käser ihren Emmentalern Milchsäurebakterien bei. Diese Bakterien können dann die Laboranten im Berner Liebefeldquartier noch nach einer Reifezeit von einem Jahr mithilfe eines Tests nachweisen.

Der Geschmack bleibt

Die ersten Emmentaler AOC mit den Identifikationsbakterien werden im Frühling auf den Markt kommen. Spätestens im Sommer lässt sich Fritz Sommer, Qualitätsüberwacher von Emmentaler Switzerland, Emmentaler aus aller Welt zuschicken. Die Laboranten von Agroscope unterziehen den Käse einem molekularbiologischen Test, der ähnlich funktioniert wie ein Vaterschaftstest. Dann wird auskommen, welche Emmentaler Beschiss sind. «Gegen die Fälscher werden wir rechtliche Schritte unternehmen», sagt Sommer.

Die Lebensmittelchemiker von Agroscope brauchten zwei Jahre, bis der Test genug ausgeklügelt war. Die Bakterien würden weder den Geschmack noch die Qualität des Käses beeinträchtigen, versichert Sommer. Künftig will er pro Jahr 50 Stichproben testen lassen.

450'000 Franken Kosten

Die Käser können die Bakterien direkt von Agroscope für einen geringen Unkostenbeitrag beziehen. Die Hauptkosten trägt die Sortenorganisation. Emmentaler Switzerland rechnet mit einem Aufwand von insgesamt rund 450'000 Franken pro Jahr.

Der echte Emmentaler Käse stammt längst nicht mehr nur aus dem Berner Emmental. Auch Käsereien anderer Regionen in der Schweiz dürfen ihn produzieren, aber nur, wenn sie AOC-zertifiziert sind. Die Emmentaler-Käser produzieren pro Jahr aus 320 Millionen Liter Milch rund 30'000 Tonnen Käse. 2009 gingen 18'000 Tonnen davon ins Ausland. Hauptabnehmer sind Detailhändler in Italien, Deutschland, Frankreich und den USA. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2010, 22:45 Uhr

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5 Kommentare

Hans Osterwalder

29.11.2010, 12:04 Uhr
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Leider haben es "Emmentaler-Macher" verpasst, ihren Käse früh genug zu schützen. Dennoch, mir käme nie in den Sinn nicht den originalen zu kaufen... Antworten


Dieter Wundrig

29.11.2010, 08:16 Uhr
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Emmentaler ist Emmentaler, Löcher überall. Aber was man darin alles noch verstecken will, einfach als Zutaten noch einige andere Bakterien und dann noch dieses und jenes. Vielleicht sollte man den Käse überhaupt nicht mehr essen, ganz gleich woher er kommt!? Antworten



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