Den Schweizern schmeckt die deutsche «Volkslimo» nicht
Von David Vonplon. Aktualisiert am 18.03.2010
«In der Schweiz offensichtlich weniger beliebt»: Das deutsche Soft-Getränk Bionade.
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Die Bionade-Legende
Hinter dem deutschen Kultgetränk steht eine legendenähnliche Entstehungsgeschichte: Im Jahr 1995 erfindet der hoch verschuldete fränkische Provinzbrauer Dieter Leipold ein neues Getränk: die weltweit erste Limonade auf der Grundlage von fermentiertem Bio-Gerstenmalz. Doch in der Spass-Gesellschaft der 90er Jahre interessiert sich kein Mensch für die Biobrause, die im Ruf steht, etwas für Weltverbesserer zu sein.
Erst nach und nach merken die Leute, dass Öko chic sein kann, und plötzlich ist die Bionade cool und in aller Munde – und wird zum Szenegetränk. Ein paar Jahre später steht das Getränk auf Platz drei der Softdrinkhersteller Deutschlands und kann sich vor Kaufangeboten von Grossunternehmen kaum mehr retten. 2004 will Coca-Cola die Bionade übernehmen, die Familienbrauerei lehnt das grosszügige Angebot jedoch ab.
2009 dann wird das Bionade-Unternehmen doch noch von einem Grosskonzern geschluckt: Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe übernimmt die Mehrheit. Seither können die Bionade-Schlürfer ihr Getränk nicht mehr im wohligen Wissen konsumieren, ein kleines nettes Unternehmen zu unterstützen.
Längst gilt die Bionade in Deutschland als Ikone des gesundheitsvernarrten, aber apolitischen Bio-Bürgertums. In den letzten Jahren hat das Soft-Getränk dort einen einzigartigen Siegeszug durch Bars, Clubs und Cafés der Gross- und Kleinstädte angetreten. Über 200 Millionen Flaschen werden landesweit im Jahr verkauft.
Doch was den Deutschen schmeckt, mundet den Schweizern nicht: Auf helvetischem Boden gelingt es der Bionade nicht, Fuss zu fassen. Wegen Absatzschwierigkeiten hat Coop das Getränk aus den Regalen genommen: «Wir haben den Artikel aus dem Sortiment gestrichen, weil er sich keiner grossen Nachfrage erfreute», bestätigt Sprecherin Denise Stadler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Fermentierte Malz-Erfrischungsgetränke seien offensichtlich in der Schweiz weniger beliebt oder bekannt als in Deutschland.
Coop gibt Eigenmarke Naturaplan den Vorzug
Coop hatte das deutsche Soft-Getränk im Sommer 2008 in vier Geschmacksrichtungen ins Regal gestellt in der Hoffnung, dass sich die Bio-Brause auch in der Schweiz etablieren könnte und in der Coop-Zeitung für die deutsche Volkslimo kräftig die Werbetrommel gerührt. Trotzdem blieb das Getränk ein Ladenhüter: Der jährilche Umsatz kam in der Schweiz über spärliche 200'000 Franken nicht hinaus. Nun will der Basler Detailhändler im Biosegment vermehrt auf Eigenmarken setzen: Statt Bionade gibt es die Erfrischungsgetränke-Reihe von Naturaplan.
Erst letzte Woche wurde bekannt, dass Coop Rivella Gelb zwei Jahre nach der Lancierung aus seinen Filialen verbannt. Im Gegensatz dazu könnte der Coop-Rauswurf der Bionade jedoch dessen Todesstoss in der Schweiz sein: Denn auch beim zweiten grosse Detailhändler, der Migros, ist das Bio-Getränk nicht erhältlich. In den Schweizer Getränkegestellen haben es deutsche Drinks schwer: Mit Rivella, Carpe Diem und aromatisiertem Mineralwasser hat es bereits genug Produkte mit dem Image des natürlichen Erfrischungsgetränks mit lokalen Wurzeln.
Falsche Vertriebsstrategie?
Der Coop-Rauswurf ist ein herber Rückschlag für den Schweizer Vertreiber Thurella. «Wir bedauern den Entscheid von Coop. Damit müssen wir nun aber leben», erklärt Sprecher Peter Stephani. Er ist aber nach wie vor überzeugt, dass sich die Bionade in der Gastronomie durchsetzen kann und so wie in Deutschland über diesen Absatzkanal zum Kultgetränk aufsteigen könnte. «Vielleicht hätten wir mit dem Vertrieb über Grossverteiler ohnehin zuwarten sollen, da das Produkt noch zu wenig bekannt war.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 12:06 Uhr
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