Wirtschaft

Denner testet Läden mit verlängerten Öffnungszeiten

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 09.09.2011 14 Kommentare

In Zürich-Höngg wird eine kleine Filiale in einen Denner Express umgebaut. Der Discounter möchte am Boom der Convenience-Shops teilhaben.

Hier entsteht die erste Denner-Express-Filiale: Meierhofplatz in Zürich-Höngg.

Hier entsteht die erste Denner-Express-Filiale: Meierhofplatz in Zürich-Höngg.
Bild: Doris Fanconi

Deutscher gegen Schweizer

Bald wird der Denner-Verwaltungsrat unter Leitung von Präsident Philippe Gaydoul und Vize Dieter Berninghaus den neuen Denner-Chef küren. Die Wahl dürfte zwischen zwei Namen fallen: Mario Irminger und Stephan Fanderl.

Irminger führt Denner seit dem abrupten Abgang von Peter Bamert interimistisch. Dafür erntet er Anerkennung, doch dem Finanzier fehlt laut Insidern das Händler-Gen. Der Deutsche Fanderl hat in den letzten Monaten als Berater an der neuen Dennerstrategie gefeilt, die sich am deutschen Discounter Netto orientiert. Für ihn spricht die Erfahrung im Supermarkt- und Discountgeschäft. Beide wären rasch verfügbar.

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Im Moment deutet in der Denner-Filiale in Zürich-Höngg nichts auf eine Veränderung hin. Doch schon bald werden sich Handwerker an ihre Arbeit machen: Wie der TA erfahren hat, wird der kleine Denner demnächst umgebaut zu einer Pilotfiliale von Denner Express. Damit will der Migros-Discounter im boomenden Markt der Tankstellen-, Bahnhof- und Convenience-Shops mitspielen.

Denner-Sprecherin Grazia Grassi bestätigt die Recherchen des TA. «Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Konzepts der Denner-Satelliten, die in dieser Filiale geprüft wird.» Wie die 320 Satelliten werden die neuen Shops von selbstständigen Unternehmern im Franchisesystem geführt. Diese werden von Denner unterstützt, stellen aber selber Personal an und betreiben das Geschäft auf eigenes Risiko. Laut Grassi soll Denner Express ein Discounter für kleine Flächen mit den Schwerpunkten Convenience-Lebensmittel und Wein sein.

Eigenmarken und Markenartikel

Weitere Angaben macht Grassi nicht. Klar ist aber: Falls weitere Läden folgen, werden diese an Standorten mit hohem Publikumsverkehr in Städten liegen. Nur dort machen sich die längeren Öffnungszeiten bezahlt, auf die Denner Express mit Sicherheit setzen wird. Die Filiale in Höngg ist heute von 8 bis 19 Uhr offen und kennt sogar eine einstündige Mittagspause. Der neue Laden wird wohl um 6 Uhr öffnen und erst um 22 oder gar 23 Uhr schliessen – so wie das die Konkurrenzläden Coop Pronto oder Migrolino in Zürich tun. An der nötigen Kundschaft wird es kaum fehlen: Am belebten Meierhofplatz kreuzen sich eine Tram- und drei Buslinien. Einzig der Sonntag wird aus gesetzlichen Gründen auch für Denner Express heilig bleiben müssen – ausser an Bahnhöfen und Tankstellen.

Man darf davon ausgehen, dass Denner sein Image als Günstiganbieter auch in den neuen Shops ausspielen wird. So dürfte es den hauseigenen Energy-Drink und andere Eigenmarkenartikel zu Denner-Preisen geben, genau wie Migrolino M-Budget zu Migros-Preisen verkauft oder die Avec-Shops des Handelskonzerns Valora die Marke ok. Für Markenartikel dürfte Denner Express hingegen etwas mehr verlangen. Coop fährt in den Pronto-Shops eine andere Strategie: Die Billiglinie Prix Garantie bleibt aus den Regalen verbannt.

Auch Spar testet Express-Läden

Neben den erwähnten Anbietern testet die Spar-Kette unter dem Namen Spar Express seit Juli Läden mit verlängerten Öffnungszeiten, die sieben Tage pro Woche offen sind. Zu den zwei Shops an den Avia-Tankstellen am Zürcher Mythenquai und in Winterthur-Grüze kommt auf Frühjahr 2012 eine Filiale am Bahnhof Dietikon hinzu. Weitere Standorte sind geplant. Der landesweite Boom der Läden ermöglicht immer mehr, sich bis spätabends mit Alkohol einzudecken.

Die Expansionspläne passen gut zu Aussagen, die das für Denner zuständige Migros-Geschäftsleitungsmitglied Dieter Berninghaus kürzlich in der deutschen «Lebensmittelzeitung» gemacht hat: «Es kommt in der Schweiz nicht nur auf die Flächengrösse, sondern auf die Nähe zum Kunden an.» Denner wolle mit kleineren Flächen Citylagen, Wohngebiete und Dorfläden besetzen. Verlaufen die Tests erfolgreich, dürften die Shops also schweizweit eingeführt werden.

Eine Umfrage der Zuger Beratungsfirma Fuhrer & Hotz bei 450 Discount-Kunden, die am Donnerstag an einer Fachtagung in Horgen vorgestellt wurde, gibt interessanten Hintergrund zu den Plänen von Denner. Danach kaufen die Kunden des Schweizer Discounters im Schnitt nur 5,5 Artikel ein; bei der Konkurrenz Aldi und Lidl sind es 14 und 10 Artikel. Zudem beträgt der Einkaufsbetrag bei Denner bei 3 von 10 Kunden weniger als 10 Franken; auch hier liegen die Konkurrenten höher. Viele Kunden nutzen Denner also bereits heute für Kleineinkäufe – genau wie das bei Convenience-Läden der Fall ist.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2011, 06:57 Uhr

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14 Kommentare

Thomas Frei

09.09.2011, 10:26 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Wird zeit, dass in der Schweiz endlich 7/23 (seven-eleven) läden kommen... ich muss die ganze zeit aus der arbeit rennen um noch vor ladenschluss im coop zu sein! ich wär bereit viel mehr auszugeben, wenn die läden flexiblere öffnungszeiten hätten... so schlimm wie in der schweiz ists sonst nirgends auf der welt! Antworten


Ronnie König

09.09.2011, 09:09 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Diese Art von Ernährung wird noch viele frühzeitig unter den Boden bringen. Oder will man länger Alkoholika verkaufen? Bei der Gründung von Denner dürfte Karl Schweri eher andere Ziele gehabt haben. Und die heutige Besitzerin Migros scheint auch vor nichts mehr zurück zu schrecken. Dutti würde heute sein Laden wohl schliesssen lassen zum Wohle der Schweiz. Antworten



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