«Der Ausbau ist eine logistische Meisterleistung»

In der 300 Meter hohen Bauruine Ryugyong im nordkoreanischen Pyongyang soll 2013 ein schickes Hotel seine Türen öffnen. Projektleiter Michael Henssler sagt, wie die Idee zustande kam und was er vor Ort antrifft.

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Herr Henssler, warum ausgerechnet Nordkorea?
Wir von Kempinski glauben, dass sich Nordkorea mittel- bis langfristig öffnet und gerade im Reisebereich sich ein interessanter Markt entwickelt. Zudem sahen wir uns schon immer als Pioniere. Wir gehörten zu den ersten internationalen Hotelmarken, die in die Märkte Russland und China eingestiegen sind. Als wir vor 25 Jahren in Peking mit einem Hotel begannen, stellte man uns dieselben Fragen. Warum gerade da? Wie man sieht, haben sich diese Regionen stark entwickelt.

Zurück zum Ryugyong in Pyongyang. Waren Sie schon im Gebäude drin?
Ja, klar. Da wird nun gearbeitet, was das Zeug hält. Die Betonstruktur ist saniert, die Fassade erstellt. Es geht jetzt darum, dass die Haustechnik wie Heizung, Sanitäranlagen usw. installiert wird. 70 Lifte müssen eingebaut werden. Der Ausbau ist eine logistische Meisterleistung.

Und wer führt die Arbeiten aus?
Das Bauprojekt wurde von Orascom (die Firma von Samih Sawiris, der in Andermatt das Tourismusresort baut, Anm. der Redaktion) übernommen. Im Endeffekt sind es vor allem chinesische Firmen, die dann die Bauaufträge ausführen.

Mit was für einer Kundschaft im Hotel rechnen Sie?
In einer ersten Phase werden die Kader des nordkoreanischen Regimes den wichtigsten Teil der Kundschaft stellen. Dann werden sich aber sicher auch internationale Delegationen da niederlassen. Und nicht zuletzt soll das Hotel natürlich Touristen empfangen. Der Tourismus aus China nach Nordkorea ist stark am Wachsen. Aber es gibt auch immer mehr Reiseprojekte aus westlichen Ländern. Was uns vor allem bestärkt hat, war das Presseecho auf die Ankündigung, dass wir da einsteigen. Das war enorm und zeigt uns, dass sich viele Menschen für dieses Land interessieren.

Sie müssen über gute Verbindungen zur nordkoreanischen Regierung verfügen, ansonsten kämen Sie kaum zu einem solchen Projekt.
Wir haben seit Jahren gute Kontakte zu hohen Diplomaten bei den Vereinten Nationen. Die haben uns auf ein mögliches Hotelprojekt im Ryugyong angesprochen. So kamen Verhandlungen mit Regierungsvertretern zustande. Dazu nur so viel: Unser Eindruck ist, dass die Regierung sehr bestrebt ist, das Land nach aussen hin zu öffnen. Und das soll auch für den Tourismus gelten.

Verstehen Sie Ihr Engagement auch als politische Botschaft?
Aus Sicht der Firma lautet die Antwort «nein». Wir wollen einen neuen Markt erschliessen und sehen, dass wir mit unserem 350-Zimmer-Projekt praktisch keine Konkurrenz haben. Die Chancen stehen also gut, dass wir damit wirtschaftlich Erfolg haben können. Wenn Sie mich als Privatperson fragen, dann steckt sicher auch der Glaube drin, mit diesem Projekt ein kleines bisschen dazu beizutragen, dass sich in Nordkorea etwas zum Guten entwickeln kann. Ich bin der Überzeugung, dass der Tourismus an sich zur Völkerverständigung beiträgt.

In Nordkorea, wo die Menschenrechte nicht viel gelten, bewegen Sie sich aber auf schwierigem Terrain.
Klar. Da stellt sich aber die Frage, wie man damit umgeht. Ich glaube, ein Land mit einem Embargo zu belegen, bringt nicht viel. Die Abschottung – zugegebenermassen grösstenteils selbstverschuldet – hat das Land doch nur blockiert. Persönlich denke ich, dass es besser ist, wenn man die Zusammenarbeit mit Nordkorea sucht. Wir auf jeden Fall bieten lieber Aussichten, als das Land mit Nichtbeachtung zu bestrafen.

Von welchen Aussichten sprechen Sie?
Einerseits, dass Menschen dieses Land besuchen und kennenlernen. Und andererseits bieten wir den Menschen im Land Arbeitsplätze.

Das heisst, Sie werden nordkoreanisches Personal einstellen?
Das wird so sein. Zwar braucht es ein ausländisches Management. Aber den grössten Teil der Angestellten werden wir im Land selber rekrutieren. Und weil es dort noch keine Tradition der Hotellerie gibt, werden wir die Leute auch selber ausbilden.

Sie vertreten einen international tätigen Hotelkonzern. Wie sichern Sie sich bei einem solchen Projekt, das auch politische Risiken birgt, ab?
Mit diesen Risiken lebt unsere Branche. Wir sind ja sehr stark im Mittleren Osten vertreten. Und in Russland oder China wussten wir vor 25 Jahren ja auch nicht, wohin die Reise geht. Trotzdem sind wir da hingegangen. «Thats the name of the game», wie wir zu sagen pflegen.

Was bedeutet das Projekt in Pyongyang Ihnen persönlich?
Das ist sicher ein Highlight meiner Karriere. Es ist stimulierend, etwas Neues zu erschaffen, etwas, bei dem man nicht auf Erfahrung bauen kann. Ich war nun schon etliche Male in Nordkorea. Für mich ist das auch so etwas wie ein Intensivkurs in Weltgeschichte. Diese Arbeit empfinde ich als absolutes Privileg.

Wann eröffnen Sie das Hotel in Pyongyang?
Wir rechnen damit, Ende 2013 die ersten Gäste zu empfangen. Aber bitte behaften Sie mich nicht darauf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.12.2012, 15:23 Uhr)

«Wir haben gute Kontakte zu nordkoreanischen Diplomaten bei den Vereinten Nationen»: Michael Henssler, Präsident Kempinski Hotels China.

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Das Projekt

Der Bau des 300 Meter hohen Gebäudes in der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang wurde 1987 gestartet. Es sollte ein Hotel der Superlative werden, mit 3000 Zimmern und viel Luxus. Wegen Geldmangels und anderer Probleme wurde es nie fertiggestellt.

Nun hat Orascom von Samih Sawiris die Nutzungsrechte erworben und zeichnet zusammen mit der nordkoreanischen Regierung für die Fertigstellung verantwortlich. Orascom wird Kempinski per Managementvertrag mit dem Betrieb des Hotels mandatieren. Kempinski wiederum macht das in Zusammenarbeit mit KEY International, dem Joint Venture mit der Beijing Tourism Group. So ist indirekt auch die chinesische Regierung am Projekt beteiligt.
Das Gebäude besteht aus drei Flügeln. Das Hotel wird in den Stockwerken 70 bis 100 eingerichtet. In den Stockwerken 5 bis 70 gibt es Büros und Apartments, in den Etagen –3 bis 5 soll es eine Shoppingmall geben. (cpm)

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