Wirtschaft

Der Beginn eines neuen Abwertungsreigens?

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 16.11.2011 45 Kommentare

Moody's ortet bei Hypothekarkrediten ein grösseres Ausfallsrisiko. Das bekommt nun als Erste die Bank Raiffeisen zu spüren.

Raiffeisen im Visier der Ratingagentur Moody's: Blick auf das Raiffeisen-Logo einer Filiale in St. Gallen.

Raiffeisen im Visier der Ratingagentur Moody's: Blick auf das Raiffeisen-Logo einer Filiale in St. Gallen.
Bild: Keystone

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Die Ratingagentur Moody's hat in den vergangenen Wochen den Immobilienmarkt besonders genau unter die Lupe genommen. Mit dem Ergebnis, dass der Markt «überhitzt» sei.

Das hat laut Moody's Konsequenzen für jene Finanzinstitute, die im Immobiliensektor stark engagiert sind, etwa über die Vergabe von Hypothekarkrediten. Vor allem deshalb hat Moody's Raiffeisen von Aa1 auf Aa2 herabgestuft – zwei Stufen unter der Bonitätsbestnote Aaa. Das könnte die Eröffnung eines neuen Abwertungsreigens in der Schweiz sein.

«Aa2 nicht so schlecht»

Der Hintergrund: Moody's geht von einer Überhitzung des Immobilienmarktes aus, weil das Zinsniveau der Schweiz tief ist. Aufgrund tiefer Zinsen erscheint es daher attraktiver, in ertragreichere Anlageformen zu investieren. Dazu gehören auch Immobilien. Steigt die Nachfrage nach Immobilien überproportional stark an und ist zudem ein guter Teil der Immobilien auf Pump gekauft, droht nach einer Phase der Überhitzung ein ebenso massiver Preisverfall. Die Hypothekarkredite, mit denen die Immobilien finanziert wurden, haben nicht mehr den entsprechenden Gegenwert, wenn die Immobilienpreise in den Keller rasseln. Die Konkursrate unter den Kreditnehmern steigt und die Bank hat mehr Forderungsausfälle zu verbuchen.

Deshalb hat Moody's auch gleich die finanzielle Stärke der Bank Raiffeisen insgesamt schlechter eingeschätzt. Zudem hat die Ratingagentur den Ausblick für die Retailbank mit negativ bewertet. Raiffeisen macht indes gute Miene zum bösen Spiel: Im Umfeld der Bank fasst man Aa2 als «kein so schlechtes Rating» auf.

Ist die CS die Nächste?

Welche schlafenden Hunde noch in den Büchern anderer bedeutender Schweizer Finanzhäuser schlummern, ist fraglich. Denn nicht nur wird dem Immobiliensektor in der Schweiz eine Überhitzung nachgesagt, sondern auch andere Bankprodukte aus der Vermögensverwaltung und dem Investmentbanking stehen bekanntlich unter Druck.

Deshalb hat Moody's sich nicht nur Raiffeisen vorgeknöpft. Die Ratingagentur hat auch die Grossbank Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) auf dem Radar. Bereits vor einigen Wochen hat Moody's in einem Bericht in Aussicht gestellt, die Credit Suisse herabzustufen. Die langfristige Bewertung der Kreditwürdigkeit wurde schon vor einigen Wochen mit einem negativen Ausblick versehen.

Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass eine Herabstufung der CS-Bankensparte bevorsteht. Die gesamte Gruppe unter dem Dach der CS-Holding wurde bereits von Aa1 auf Aa2 herabgestuft. Damit die Bankensparte – derzeit noch auf Aa1 – nicht dasselbe Schicksal ereilt wie aktuell Raiffeisen, hat Credit Suisse gestern mit Pauken und Trompeten die Integration der Clariden Leu angekündigt und im Zuge dessen ein Sparpotenzial von mehr als 200 Millionen Franken propagiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2011, 13:08 Uhr

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45 Kommentare

petra kaiser

16.11.2011, 13:34 Uhr
Melden 39 Empfehlung

wie konnten wir früher ohne diese rating agenturen nur überleben??? Antworten


Oliver van der Waerden

16.11.2011, 14:13 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Strategische Tricks im Wirtschaftskrieg vermutlich. Sollen die Schweizer verunsichert werden ? Wozu druckt man solche Scheinmeldungen überhaupt ab ?
Unsere Zeitungen täten gut daran, diese so genannten Ratings und v.a. ihre Urheber eher kritisch zu durchleuchten als sie wie Wahrheiten zu übernehmen.
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