Wirtschaft
Der Buchungstrick der Billigflieger
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 23.08.2010 57 Kommentare
Seit vier Jahren müssen Fluggesellschaften die Preise für Tickets von Anfang an inklusive aller Gebühren angeben. Eine Gebühr ist davon jedoch ausgenommen, und sie wurde von den Billigfliegern zum Teil gar erhöht: die Gebühr für das Zahlen mit Kreditkarte.
Der britische Billigflieger Easyjet etwa verlangt heute mindestens 16 Franken dafür – je nach Ticketpreis. Vor zwei Jahren gab man sich noch mit 10 Franken zufrieden. Ein Flug von London nach Zürich, der für 70 Franken angeboten wird, verteuert sich dadurch um 22 Prozent. Dabei machen die Kommissionen der Kreditkartenfirmen höchstens 3 bis 4 Prozent aus.
Kaum Alternativen zur Kreditkarte
Thomas Haagensen, bei Easyjet für die Schweiz und 15 weitere Länder zuständig, hat kein Problem damit. Im Winterthurer «Landboten» sagte er unlängst, entscheidend für die Kunden sei der Gesamtpreis, und dieser sei schon zu Beginn des Buchungsvorgangs ersichtlich. Dies ist allerdings nicht der Fall, muss sich der Kunde zuerst doch durch diverse Zusatzangebote (Reiseversicherung, Hotel, Mietwagen etc.) klicken, bis er den Gesamtpreis erfährt.
Hinzu kommt, dass man als Schweizer kaum eine Alternative zur Zahlung mit der Kreditkarte hat. Nur wer eine Prepaid-Karte oder eine Debit-Karte von Visa besitzt, zahlt nämlich keinen oder nur einen reduzierten Zuschlag. Erstere ist nur schwach verbreitet, Letztere wird erst 2011 eingeführt. Die Alternativen sind also bloss Scheinalternativen.
Lastschriftverfahren ist günstiger
Auch bei Air Berlin ist es so, dass aus der Schweiz nur Zahlungen per Kreditkarte möglich sind. Die 15 Euro, die dabei fällig werden, als «Servicegebühr» zu bezeichnen, ist nichts als Schönfärberei. Laut Hans-Christoph Noack, dem Sprecher der deutschen Airline, ergibt sich der Zuschlag aus dem höheren Aufwand. «Beim Lastschriftverfahren liegt die Servicegebühr deutlich niedriger», so Noack.
Die Swiss verlangt nach wie vor keine Kreditkartengebühr. Das Thema ist zwar in Diskussion, aber noch hat man nicht entschieden, sagt Sprecher Jean-Claude Donzel. Wie in anderen Bereichen geht die Schweizer Lufthansa-Tochter auch hier ihren eigenen Weg: Der Mutterkonzern erhöht die Servicegebühr, die bei Barzahlung 30 Franken beträgt, bei Kreditkartenzahlung um 7 Franken. Keine Gebühr verlangt auch Helvetic Airways.
In Deutschland unzulässig
Der Bundesgerichtshof hat in Deutschland in einem wegweisenden Urteil diesen Frühling entschieden, dass die Kreditkartengebühr des irischen Billigfliegers Ryanair nicht zulässig ist. Das Unternehmen dürfe zwar die Annahme von Bargeld verweigern. Aber Ryanair müsse den Fluggästen die Möglichkeit geben, «die Zahlung auf einem gängigen und zumutbaren Weg zu entrichten», ohne dass dafür eine zusätzliche Gebühr fällig wird.
Dass die Fluglinie diese Möglichkeit ausschliesslich bei Nutzung einer Prepaid-Karte einräumt, genüge diesen Anforderungen nicht. Ryanair verlangte bei Zahlung mit Kreditkarte pro Passagier und einfachen Flug eine Zusatzgebühr von 5 Euro. Eine vierköpfige Familie zahlt für Hin- und Rückflug also schon mal 40 Euro.
Gesetz noch nie getestet
In der Schweiz dürfe ein Anbieter für die Bezahlung mit der Kreditkarte eine Gebühr erheben, sagt Guido Sutter, Leiter Ressort Recht im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). «Diese muss aber im Flugpreis eingeschlossen sein, ausser der Kunde hat Wahlfreiheit, das heisst, er kann auch anders bezahlen.» Sutter weiss, dass ein Anbieter wie Easyjet diese Bestimmung unterläuft, indem er Scheinalternativen anbietet. In der Schweiz sei aber bisher noch keine Klage eingereicht worden, und deshalb habe auch noch kein Gericht entscheiden können, ob es eine echte Alternative brauche oder nicht.
Die Stiftung für Konsumentenschutz ist in der Sache bisher noch nicht aktiv geworden. Geschäftsleiterin Sara Stalder will aber darauf drängen, dass die Praktiken von Easyjet im Zug der Revision der Preisbekanntgabeverordnung auch in der Schweiz verboten werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.08.2010, 13:53 Uhr
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Diese sogenannten Low fare Airlines arbeiten immer mit hinterhältigen Methoden. Solange es dem Kunden gefällt und niemand Korrekturen einleitet, treiben diese das Spiel weiter. Diese Airlines sind in Service und Preis manchmal im Vergleich zu den Netzwerk Airlines echt schlechter. Es ist jeder selbst schuld, wenn er sich auf solche Machenschaften einlässt und diese sind hinlänglich bekannt. Antworten
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