Wirtschaft

Matthias Chapman
Ressortleiter Wirtschaft


«Das ist nichts anderes als zynisch!»

Aktualisiert am 30.10.2012 228 Kommentare

Was die Politik zur Schrumpfung der UBS-Investmentbank sagt. Und welche Vorschläge für die Leute gemacht werden, die bald ohne Job dastehen.

1/5 «Wenn nun Tausende Stellen gestrichen werden sollen, muss dies über die natürliche Fluktuation erfolgen und nicht über Entlassungen. Alles andere wäre für einen Konzern, der jährlich mehrere Milliarden Franken in Boni ausschüttet und den Verwaltungsratspräsidenten schon beim Amtsantritt mit Millionenzahlungen überhäuft, geradezu skandalös»: Christian Levrat. (Archivbild)
Bild: Keystone

   

Personalverband sieht wegen UBS-Stellenabbau Qualität gefährdet

Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) hat sich besorgt über die angekündigten Stellenabbau bei der UBS geäussert. Er verlangt von der Grossbank, jede Kündigung genau abzuwägen - denn der Erhalt der Fachkräfte spiele für die Zukunftsfähigkeit der Banken eine zentrale Rolle.

Sogenannte «Optimierungsmassnahmen» seien in den vergangenen Tagen bereits eingeleitet worden, heisst es in einem SBPV-Communiqué vom Dienstag. Davon seien viele IT-Angestellte betroffen.

Diese Entlassungen und Verlagerungen bezeichnet die Arbeitnehmervertretung als fragwürdig. Sie seien risikoreich und untergrüben das «Swissness-Qualitätssiegel», von dem die Reputation der Banken ganz wesentlich profitiere.

Der Verband begrüsst zwar den Umbau des kapitalintensiven Investment-Bankings grundsätzlich. Die Redimensionierung müsse aber mit dem «grösstmöglichen Respekt» gegenüber den Mitarbeitenden geschehen.

Der Strategiewechsel werde über drei Jahre hinweg umgesetzt. Diese Zeit sei zu nutzen, um den Angestellten ihre Arbeitsplätze zu sichern. «Schliesslich steht die UBS gegenüber der Schweizer Gesellschaft, die vor vier Jahren das Überleben der Bank ermöglicht hat, in einer besonderen Verantwortung», schreibt der SBPV. (sda)

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«Wenn dieser drastische Stellen-Abbau mit den neuen gesetzlichen Auflagen begründet wird, ist das nichts anderes als zynisch!», sagt SP-Präsident Christian Levrat. «Wenn nun Tausende Stellen gestrichen werden sollen, muss dies über die natürliche Fluktuation erfolgen und nicht über Entlassungen. Alles andere wäre für einen Konzern, der jährlich mehrere Milliarden Franken in Boni ausschüttet und den Verwaltungsratspräsidenten schon beim Amtsantritt mit Millionenzahlungen überhäuft, geradezu skandalös.»

Mit den heutigen Nachrichten aus der UBS (UBSN 18 0.45%) bestätige sich klar, dass das Investmentbanking für die Schweizer Grossbanken und den Finanzplatz schädlich war, heisst es in einem Communiqué der SP. Für die Partei sei denn auch klar, dass die Konzentration der UBS auf das Vermögensverwaltungsgeschäft mit einer klaren Weissgeldstrategie einher gehen müsse. Dazu gehöre eine Selbstdeklaration und die strikte Verweigerung der Annahme jeglicher nicht steuerkonformer Gelder. Ausserdem müsse die UBS mit ihrem Umbau die bislang eingegangenen Risiken weiter reduzieren. Das gelte umso mehr, weil die Grossbank aufgrund ihrer Systemrelevanz weiterhin eine faktische Staatsgarantie geniesse.

«Der Abbau muss sozialverträglich erfolgen», sagt SP-Nationalrätin und Finanzpolitikerin Susanne Leutenegger-Oberholzer. Die UBS hat heute Morgen bekannt gegeben, dass sie ihre Investmentbank schrumpft und dabei rund 10'000 Jobs wegfallen. In der Schweiz werden rund 2500 Arbeitsplätze betroffen sein, wo die Bank in erster Linie Investmentbanker entlässt. Damit verbunden baut die Bank auch Informatikerstellen ab.

Für Leutenegger-Oberholzer kommt der Schritt der UBS «wenig überraschend». «Wir haben immer gesagt, es sei unumgänglich, dass ein Umbau erfolge.» Es brauche nun aber eine entsprechende Strategie des Bundes. «Der Bund muss helfen, die Banker umzuschulen», so Leutenegger-Oberholzer. Das sei eine Frage der Industriepolitik.

«Wenn es der Stabilität der Bank dient ...»

«Das ist ein harter Schlag für die Schweizer Finanzindustrie», sagt SVP-Ständerat Hannes Germann zu den Veränderungen bei der UBS. Wenn diese Schrumpfung der Investmentbank aber der Stabilität der Bank insgesamt diene, dann sei das wohl unumgänglich und für die Schweiz letztendlich positiv. Angesprochen auf die Anregung von Leutenegger Oberholzer, wonach sich der Bund nun für Umschulungsprogramme stark machen solle, sagt German: «Es ist noch zu früh, um solche Massnahmen zu fordern.»

«Das ist ein bitterer Einschnitt für die betroffenen Mitarbeiter», sagt CVP-Finanzpolitiker Pirmin Bischof. Es sei das erste Mal, dass eine Schweizer Bank einen dermassen grossen Einschnitt, den die Schweiz betreffe, plane. Der Schritt komme aber auch für ihn nicht überraschend.

«Too big to fail»-Vorlage funktioniert

Die CVP habe aber immer entsprechende Forderungen gestellt, was eine Schrumpfung des sogenannten Eigenhandels betreffe, so Bischof. Er gehe aber davon aus, dass der kundenorientierte Bereich weitergeführt werde. Das sei für den internationalen Erfolg der UBS wichtig.

Bereits am Wochenende waren entsprechende Pläne für eine Schrumpfung der UBS-Investmentbank durchgesickert. FDP-Präsident Philipp Müller, der sich in den vergangenen Jahren für eine schärfere Bankregulierung starkgemacht hatte, begrüsst den Schritt. Das wäre ein Beweis dafür, dass die «Too big to fail»-Vorlage funktioniere, sagt Müller gegenüber dem «Sonntag».

«Die neuen Anforderungen fürs Eigenkapital sind so streng, dass die Banken das Investmentbanking von sich aus herunterfahren – oder eben ausgliedern.» Die vorbereitende Expertenkommission zu «Too big to fail» habe zwar betont, die Abspaltung des Investmentbanking bringe nichts, da die Bank so oder so mit ihrem Namen für die abgespaltene Division haften müsse, sagt Nationalrat Müller. «Nun sieht es die UBS offenbar anders. Aber das Gute ist, dass sie den Schritt freiwillig vollzieht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2012, 08:12 Uhr

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228 Kommentare

Daniel Kaelin

30.10.2012, 10:59 Uhr
Melden 642 Empfehlung 54

"Umschulungsprogramme"? Vom Bund bezahlt oder wie oder was? Gerade für die Banker, die gutes Geld verdient haben? Und was ist mit anderen Arbeitslosen, erhalten die auch solche Unterstützung??? Die, die mit wenigen 1000 Fr. monatlich über die Runden kommen müssen?Es ist bald nicht mehr in Worte zu fassen! Antworten


Olivia Moone

30.10.2012, 11:12 Uhr
Melden 616 Empfehlung 40

Als Tausende Informatiker in der Schweiz 2001 ihre Stellen verloren, half niemand. Kein Politiker engagierte sich für sie. Seither wurden schon tausende Informatikerstellen nach Asien, Osteuropa usw. verlagert, oder durch Inder und Deutsche ersetzt und viele CH-Informatiker (die nicht den Job gewechselt haben) arbeiten heute zu Löhnen, wie sie als Berufsanfänger in den 90er Jahren verdient haben. Antworten



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