Wirtschaft

Der Chef sang «nur schön klingende Arien»

Aktualisiert am 26.11.2009 3 Kommentare

Die Seele des Opel-Personals kocht: Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ist enttäuscht und wütend. Der neue GM-Europachef Nick Reilly habe nichts als schöne Worte vorgetragen.

Verärgerte Bürger: Demonstration in Rüsselsheim.

Verärgerte Bürger: Demonstration in Rüsselsheim.
Bild: Reuters

Keinerlei konkrete Zusagen: GM-Europachef Nick Reilly.

Keinerlei konkrete Zusagen: GM-Europachef Nick Reilly. (Bild: Keystone)

Gewerkschaftsvertreter: Klaus Franz.

Gewerkschaftsvertreter: Klaus Franz.

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Keinerlei konkrete Zusagen zur Zukunft von Opel hat er nach eigenen Worten vom neuen GM-Europachef Nick Reilly bekommen, «nur schön klingende Arien». In Verhandlungen mit General Motors will er nun nur noch mit Anwalt gehen.

Das Jahr 2009 ist bald vorüber und es wird Klaus Franz wahrscheinlich als eine Art Achterbahnfahrt aus Erfolgen und Niederlagen in Erinnerung bleiben, sowohl für Opel wie auch für ihn persönlich. Gerade erst hat der Rüsselsheimer Autobauer für den neuen Astra das «Goldene Lenkrad» verliehen bekommen. Für Klaus Franz gab es den Titel «Kommunikator des Jahres» der Deutschen Public Relation Gesellschaft.

Franz sei «das Gesicht von Opel» geworden, lobten die PR-Profis vor wenigen Wochen. Er habe «einen nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag zur Neuaufstellung des Unternehmens Opel geleistet». Doch weder kommunikative Fähigkeiten noch die breite politische Unterstützung von CDU und SPD reichten aus, um Opel mehr Selbstständigkeit zu verschaffen.

Als GM Anfang November entschied, den deutschen Autobauer nicht zu verkaufen, stand Franz auch persönlich vor einem Scherbenhaufen. Zum Trost lud ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Regierungszentrale ein. In enger Abstimmung wollten Betriebsrat und Bundesregierung bei der Opel-Rettung weiter vorgehen, verkündete Franz anschliessend.

Einigkeit mit Bundesregierung vorbei

Doch die Einigkeit war spätestens nach der Verkündung der neuen GM-Pläne dahin. Während Merkel am Mittwochabend verkündete, General Motors biete allen deutschen Opel-Werken «eine gute Perspektive», kündigte Franz Widerstand an. Der Gesamtbetriebsratschef stört sich daran, dass im ungünstigsten Fall mehr als die Hälfte des Personalabbaus die deutschen Opel-Beschäftigten trifft.

Zudem wurmt Franz, dass GM von den Opel-Mitarbeitern 265 Millionen Euro Lohnzugeständnisse einsammeln will. An dieser Forderung ist der Betriebsratschef nicht ganz unschuldig. Er hat selbst Lohneinbussen in dieser Höhe mit Magna ausgehandelt und sieht sich nun entsprechenden Begehrlichkeiten bei GM ausgesetzt. Der Unterschied ist nur: Magna hätte die Belegschaft im Gegenzug mit 10 Prozent an Opel beteiligt. GM will dagegen von den Unternehmensanteilen nichts abgeben.

«Es war kein verlorenes Jahr»

Klaus Franz wurde am 4. April 1952 in Bad Cannstatt geboren. Nach der Schule macht er zunächst eine Lehre als Drogist, anschliessend eine Ausbildung an der Fotofachschule in Kiel. 1975 fängt er im Rüsselsheimer Opel-Werk an. Franz beginnt bald, sich gewerkschaftlich zu engagieren. Er schlägt das Angebot aus, Meister zu werden und lässt sich 1981 in den Betriebsrat wählen, wo er nach und nach aufsteigt. Nebenher studiert er und macht 1994 sein Diplom als Sozialarbeiter. Seit 2000 ist er Vorsitzender des Rüsselsheimer Opel-Betriebsrates, zugleich Vorsitzender des Opel-Gesamtbetriebsrates und der europäischen Arbeitnehmervertretung von General Motors.

Das was Opel jetzt droht, hat er alles schon einmal erlebt. Seit 2001 sind bei Opel mehrfach die Einkommen der Opel-Mitarbeiter beschnitten worden. 2004 wurden zudem rund 12'000 Stellen gestrichen, davon fast 10'000 Stellen in Deutschland. Doch zugleich investierte GM nur sehr zögerlich in neue Produkte. Während BMW, Mercedes und Volkswagen weltweit immer mehr Autos verkauften, entwickelte sich Opel mehr und mehr zu einer europäischen Regionalmarke mit minimalem Wachstumspotenzial. In dieser Rolle sehen die GM-Bosse auch die Zukunft von Opel.

Dem Gesamtbetriebsratschef bleibt nichts anderes übrig als weiterzukämpfen. «Es war kein verlorenes Jahr», sagt Franz im Rückblick. Der Kampf um mehr Unabhängigkeit habe zumindest ein Ergebnis gebracht: «Wir haben Opel vor dem Untergang am 1. Juni 2009 gerettet.» Damals sah es in der Tat finster aus für Opel. Der deutsche Autobauer drohte im Strudel der Insolvenz von GM hineingerissen zu werden. Erst der staatliche Brückenkredit über 1,5 Milliarden Euro sicherte das Überleben. (sam/ap)

Erstellt: 26.11.2009, 15:08 Uhr

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3 Kommentare

Henry Mancini

26.11.2009, 15:06 Uhr
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Ich kenne die Funktion der Betriebsräte in Deutschland nicht. Aber in meiner Wahrnemung verhält sich Klaus Franz als gehörte Opel ihm. Soviel ich aber weiss gehört Opel GM. Und wenn ich dann GM wäre, wäre mir Klaus Franz mit seinem Gebahren ein Dorn im Auge. Die strategische Ausrichtung von der Mutter GM mag vielleicht sogar falsch sein, aber ich denke "der Herr befiehlt" oder irre ich mich? Antworten


Bruno Bänninger

26.11.2009, 17:29 Uhr
Melden

Der Wunschpartner des Gewarkschaftsbosses Franz wäre Magna gewesen, undruchsichtig finanziert durch eine Russenbank. Magna und die Russen hätten über 10'000 Arbeiter entlassen und nicht alle Produktionsstandorte in Deutschland am Leben erhalten. GM entlässt in Deutschland weniger als 6'000 und betreibt alle Standorte weiter. Die Denke beim Gewerkschaftsboss Franz ist paradox und verdächtig. Antworten



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